Abgesagtes Länderspiel Ein Fußball-Abend mit bitterer Botschaft

Kein Fußballspiel: Nur die Polizei hielt sich am Dienstag noch im Stadion von Hannover auf.

(Foto: AP)
  • Die Polizei sagt die Partie zwischen Deutschland und Holland etwa anderthalb Stunden vor dem geplanten Anpfiff wegen einer konkreten Gefährdungslage ab.
  • Der Fußball in Deutschland könne mit dem heutigen Tage in vielen Facetten eine andere Wende bekommen, sagt Interims-DFB-Chef Rauball.
Von Philipp Selldorf und Christof Kneer

Ein paar Stunden vor dem Spiel, aus dem am Ende doch kein Spiel wurde, hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) noch ein Video veröffentlicht, in dem der Mittelfeldspieler İlkay Gündoğan zu Wort kam. Gündoğan ist ein intelligenter Profi, er zählt zu jenen Kandidaten, die immer gern genommen werden, wenn Statements gefragt sind, die über die klassischen Sportlersätze hinausreichen. Im Stile eines Klassensprechers berichtete der Dortmunder also von den kontroversen Debatten, die im Kreise der Nationalspieler vor dem geplanten Testspiel gegen die Niederlande geführt wurden.

"Wir Spieler haben uns natürlich darüber unterhalten und gesagt, dass, wenn dieses Spiel stattfindet, es extrem schwierig sein wird", erklärte Gündoğan also und ließ erkennen, dass einige Spieler sich nur mit großer Mühe vorstellen konnten, unter diesen Umständen ihrem Beruf nachzugehen. Was die Austragung dieses Spiels betreffe, hätten sich die Spieler "irgendwo dann auch ein Stück weit dagegen ausgesprochen, um da mal auch ehrlich zu sein, weil wir letztendlich keine Maschinen sind, sondern auch Menschen mit Gefühlen", sagte Gündoğan. "Auch wenn wir Profis sind: In dem, was wir machen, geht das nicht spurlos an einem vorbei."

Die Nacht von Freitag auf Samstag hatten die Spieler in einer Spielerkabine im Stadion von Paris verbringen müssen, mit bangem Warten, hektischen Telefonaten und unklaren Informationen. Vier Tage später ist der Bus mit den Spielern an Bord umgekehrt, bevor er das Stadion in Hannover erreichte. Der Bus kam aus dem nahen Barsinghausen, wo die Nationalmannschaft in der örtlichen Sportschule einquartiert war, und noch im Bus empfingen die Spieler die Information, dass jenes Spiel, in das sie mit einem mulmigen Gefühl gestartet wären, kurzfristig abgesagt wurde.

Austragung wäre "nicht zu verantworten gewesen"

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Das Team wollte Zusammenhalt und Stärke beweisen

"Sind auf dem Weg ins Stadion v. d. Polizei umgeleitet worden u. an sicherem Ort. Mehr können wir derzeit nicht sagen, Bitte u. Verständnis" - diese Twitter-Botschaft wurde um kurz nach acht vom Pressesprecher der Nationalmannschaft versendet, nähere Informationen gab es aus gutem Grund nicht; die Mannschaft befinde sich "in Sicherheit", sagte später auch Rainer Koch, einer der beiden interimistischen Präsidenten des DFB. Zusammen mit seinem Co-Präsidenten Reinhard Rauball und einigen Ministerinnen der niederländischen Regierung hatte Koch das Stadion bereits betreten, als die Polizei die Partie etwa anderthalb Stunden vor dem geplanten Anpfiff wegen einer konkreten Gefährdungslage stornierte.

Spieler waren in letzter Instanz doch einverstanden mit der Partie

"In solchen Situationen ist immer Besonnenheit angebracht. Wir haben sehr ruhig das Stadion verlassen und sind dann direkt ins Innenministerium gefahren", sagte Koch. Schon in der Nacht von Paris hatten die DFB-Verantwortlichen den konkreten Aufenthaltsort der Spieler verschwiegen; sie hatten sich in der Not sogar aufs Tarnen und Täuschen verlegt und von Kleinbussen berichtet, in denen die Spieler das Stadion verlassen hätten - jenes Stadion, in dessen Katakomben die Spieler zu dieser Zeit ausharrten.

In dem DFB-Video hatte İlkay Gündoğan vor dem Spiel auch noch berichtet, warum sich die Nationalspieler am Ende doch entschieden hätten, gegen die Niederlande ein Fußballspiel zu bestreiten: Die Spieler seien "als letzte Instanz damit einverstanden" gewesen, sagte Gündoğan, "um einfach eine Symbolik reinzubringen und ein Statement abzugeben". Es gehe um eine Botschaft an die Menschen, "Zusammenhalt und Stärke zu beweisen".