Ein putziges Original, oder... (Foto: dpa)

...das ist kein einfacher Brief für mich, wirklich nicht, aber offene Fußballbriefe sind gerade sehr angesagt in Deutschland. Ich bin 34 Jahre alt, Spanier, in Deutschland aufgewachsen, und verfolge seit 1984 die Spiele unserer Mannschaft.

Ich war zwölf, als Spanien das Endspiel gegen Frankreich erreicht hatte. Ich sah Platini und Tigana, ich sah Camacho und Arconada. Und ich sah dich.

Seit 20 Jahren nur verloren

Ein Mann mit Mütze, der trommelte. Manolo, der spanischste aller Fans. Du hattest die 12 auf dem Rücken. Das erste Spiel, an das ich mich erinnere. Wir verloren 0:2, wie du weißt, und wir sollten einem Triumph nie wieder so nah sein.

Seit über 20 Jahren hat Spanien alle wirklich wichtigen Spiele verloren. Wir waren nicht mal in der Nähe eines Turniergewinns. Verstehe mich nicht falsch, ich kann mit Versagern leben, ich bin seit meiner Kindheit Eintracht-Frankfurt-Fan.

Ich weiß, wie es ist, Flaschen zu unterstützen. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen der Eintracht und Spanien, dieser Unterschied heißt Erwartung. Niemand erwartet wirklich etwas von Eintracht Frankfurt, nicht mal ich.

Sterben in Schönheit

Aber alle zwei Jahre im Juni behaupten alle, dass wir es diesmal schaffen können. Und dann kommt ein Elfmeterschießen, ein Torwartfehler oder das Wunder, dass Spanien 63 Mal aufs Tor schießt und 0:1 verliert. Wir sind eine Konjunktiv-Mannschaft, Potenzialweltmeister, wir sterben in Schönheit, heißt es.

...nur eine Nervensäge? (Foto: ddp)

Sicher, aber wir sterben. Niemand kann sagen, dass wir nicht alles versuchen. Kaum jemand ohne spanische Lizenz, der das Team noch nicht trainiert hätte. Wir haben es über die Flügel versucht, mit fünf Abwehrspielern, mit vier Stürmern, unser Mannschaftsquartier ist in Kamen, weil Stielike mal gesagt hat, dass Kamen 1974 Glück gebracht hat. Kamen, nicht Malente.

Manolo, wir sind verzweifelt. Gerade versuchen wir es mit Spielern, von denen die meisten noch nicht strafmündig sind. Die Boygroup der WM, niemand hat ein jüngeres Team. Vermutlich, damit man in zwei Wochen sagen kann, dass uns nicht das Achtelfinale gehört, aber wenigstens die Zukunft.

Manolo, Bruder, hermano, ich weiß, du hast gesagt, dass deine Frau dich verlassen hat, weil du unsere Mannschaft mehr liebst als sie. Ich weiß auch, dass du davon lebst zu trommeln. Du bist Berufsfan.

Werbung für polnisches Bier

Auf deiner Internetseite kann man deine beknackte Trommel kaufen, deine Biografie kostet 12 Euro, und es gibt immer wieder eine Werbeagentur, der es nicht zu blöd ist, dich für einen Spot zu buchen. Du machst gerade Werbung für Tyskie Gronie, eine polnische Biermarke. Die glauben, dass du Glück bringst. Die Armen.

Hast du gesehen, was Polen gerade passiert ist? 0:2 gegen Ecuador. Ein Team, das dafür bekannt ist, so gut wie nie außerhalb ihres Landes zu gewinnen. Deutschland kann beruhigt sein, wer dich zum Fan hat, hat genug Sorgen.

 
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Glaube mir, es ist nicht leicht für mich, weil ich weiß, dass Fußball dein Leben ist. Aber wenn du unsere Mannschaft liebst, dann geh' nach Hause, nach Valencia, in die Kneipe, die du nebenher betreibst. Vergrab die verdammte Trommel im Garten, und schau dir die Spiele im Fernsehen an.

"Geh heim"

Hast du nie daran gedacht, dass der Einzige, der immer da war, der alle Niederlagen in den über 20 Jahren verbindet, du sein könntest? Denkst du nicht, dass es einen Versuch wert ist? Was soll passieren, wenn du fehlst? Zweistellige Niederlage gegen Saudi-Arabien? Mag sein, ich denke wir sind alle bereit, es zu versuchen.

Weißt du, es gibt in Deutschland einen schönen Spruch, ein Fußballer hat ihn mal in einem Interview gesagt, sein Name ist Brehme, Andreas Brehme. Kluger Mann. Die meisten Deutschen kennen den Spruch.

Er lautet, hast du Scheiße am Schuh, hast du Scheiße am Schuh. Verstehst du Manolo, was ich sagen will? Du hast Scheiße an der Trommel, unendlich viel Scheiße, seit 20 Jahren. Bitte, Du spürst es doch auch. Sei stark. Pack deine Sachen. Verschenk deine Karte. Geh heim.

Tu es für dich, für uns. Für Spanien. Bitte.

Dein Juan Moreno

(SZ vom 14.6.2006)

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