Marek Mintal besiegt den Tabellenführer fast im Alleingang und ermöglicht seinem Trainer ein angenehmes Wiedersehen mit dessem alten Arbeitgeber. Ganz ohne Wolfsburger Hilfe ging es dann aber doch nicht.

Mintal

So jubelt ein dreifacher Torschütze: Marek Mintal (Foto: AP)

Es sah fast so aus, als wollte sich Wolfgang Wolf bei seinen Ex-Spielern für die Gala-Vorstellung von Marek Mintal und den 4:0 (3:0)-Erfolg seines 1. FC Nürnberg entschuldigen. Bevor er sich dem dreifachen Torschützen und seinem Team widmete, umarmte der Club-Coach direkt nach dem Schlusspfiff erst einmal vier Profis des VfL Wolfsburg. Dies änderte aber nichts daran, dass Wolf sehr stolz auf seine Mannschaft war - im Gegensatz zu seinem Kollegen Erik Gerets, der sich bemühen musste, die Fassung zu wahren.

"Nach so einem Skandalspiel von unserer Seite muss man aufpassen, dass man nicht Dinge sagt, die man hinterher bereut. Wenn man sich so einen schwarzen Tag und eine Rote Karte gegen so eine Klassemannschaft leistet, hofft man nur, dass die 90 Minuten irgendwie vorbeigehen", sagte der VfL-Coach und nahm eine schonungslose Analyse vor, nachdem die Franken den desolaten Tabellenführer regelrecht entzaubert hatten. "Die Meisterschaft ist so weit weg wie noch nie", fügte Gerets genervt an.

Während bei den Wölfen Katzenjammer herrschte - nicht zuletzt wegen des Platzverweises gegen Spielmacher Andres D'Alessandro nach einer Tätlichkeit in der 8. Minute gegen Markus Schroth - war die Welt von Wolf in Ordnung.

Ein schöner Tag

"Wir haben nach der frühen Führung endlich einmal im Stile einer Klassemannschaft nachgesetzt und haben immer wieder versucht, Tore zu machen. Ich muss der Mannschaft, die mich immer wieder überrascht, ein großes Kompliment machen", erklärte der Trainer der Franken freudestrahlend.

Allerdings stellte der FCN-Trainer, der am 4. März 2003 nach knapp fünf Jahren in Wolfsburg entlassen worden war, klar, "dass bei mir überhaupt keine Schadenfreude da ist, im Gegenteil". Es sei vielmehr auch ein schöner Tag gewesen, "weil ich viele Freunde wiedergetroffen habe".

Dass es für Wolf auch ein erfolgreiches Wiedersehen mit dem VfL wurde, hatte er vor allem Marek Mintal zu verdanken. Der Slowake war nie zu bremsen und krönte seine starke Leistung mit seinen Treffern in der 1., 28. und 49. Minute - seinen Saisontoren Nummer sieben bis neun. Das vierte FCN-Tor steuerte Schroth (8.) bei.


» Ich bin mir mit dem Präsidenten und Manager einig, dass die Ablösesumme gar nicht hoch genug sein kann. Außerdem wird er mit jedem Tor teurer. «

Wolfgang Wolf

Kein Wunder, dass der Slowake gleich einmal für unverkäuflich erklärt wurde. "Er war wertvoll und wird wertvoll bleiben. Er ist das Tor-Phantom der Liga. Ich bin mir mit dem Präsidenten und Manager einig, dass die Ablösesumme gar nicht hoch genug sein kann. Außerdem wird er mit jedem Tor teurer", sagte Wolf über Mintal, der in Nürnberg noch bis 2008 unter Vertrag steht.

Der 27 Jahre alte offensive Mitelfeldspieler nahm die Lobeshymnen nach seinem zweiten Dreierpack der Saison nach dem 3:4 in Hamburg am 3. Spieltag gelassen entgegen. Er sei "maximal zufrieden und das ist super für mich. Aber wichtig sind die drei Punkte, da ist es egal, wer die Tore macht".

Kritik musste sich dagegen Wolfsburgs Spielmacher D Alessandro gefallen lassen, obwohl Gerets den Platzverweis nach einem Schlag mit der Hand gegen Schroth als "Grenzfall" bezeichnete. "Wir haben uns durch diese Disziplinlosigkeit wieder einmal selbst geschwächt", schimpfte Pablo Thiam in Richtung des Argentiniers. "Wenn wir das nicht lernen, werden wir den nächsten Schritt nie machen, uns oben festzusetzen."

Selbst Wolf konnte es sich nicht verkneifen, die Attacke von D Alessandro als "dumm" zu bezeichnen: "Das hat er nicht nötig. Aber er hat uns damit einen Gefallen getan."

(sid/sueddeutsche.de)

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