- Italien in der EM-Qualifikation - Sein oder Nichtsein
- Fußballgewalt in Italien - Steine in der Hosentasche
"Wir müssen unseren Spielern mehr zumuten"
Interview mit Oliver Bierhoff
16.11.2007, 16:58
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"Wir können nicht verhehlen, dass Probleme da sind": Oliver Bierhoff über die Bundesliga. (Foto: AP)
SZ: Herr Bierhoff, die deutsche Mannschaft hat sich vorzeitig für die EM 2008 qualifiziert. Wird schon über Prämien verhandelt?
Bierhoff: Wir wollen dieses Thema zügig klären. Wichtig ist, dass Michael Ballack als Kapitän mit am Tisch sitzt, nur dann machen Vorgespräche Sinn.
SZ: Angeblich gibt es zwei Prämienvarianten: die Sicherheitslösung mit gleichmäßiger Staffelung, ähnlich wie bei der EM 2004: 120.000 Euro für den Titel, 60.000 fürs Halbfinale und so weiter - oder den Risiko-Joker mit sehr viel Geld für den Turniersieg, aber null Euro fürs Viertelfinale. Richtig?
Bierhoff: Da müssen Sie die Mannschaft fragen. Aber bei der WM 2006 gab es ja zum ersten Mal keine Achtelfinal-Prämie, dafür eine höhere Turniersieg-Prämie. Da hat die Mannschaft ihre Mentalität gezeigt, ihre hohen Ansprüche an sich selbst.
| Trikots der DFB-Elf Das neue Ballkleid | ||||||||||||||
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SZ: Sportlich hat sich Deutschland so früh wie kein anderes Team für die EM qualifiziert. Heißt das: Wir sind wieder die Besten in Europa?
Bierhoff: Das Tschechien-Spiel (0:3, d. Red.) hat die Erwartungen wieder etwas runtergeholt. Aber so, wie wir die WM und danach die Qualifikation gespielt haben, fahren wir auf jeden Fall als Mitfavorit zur EM. Wir wissen, dass man Ergebnisse gegen Wales oder Irland nicht überbewerten darf, aber wir sehen auch, welche Probleme andere Nationen haben, solche Gegner souverän zu schlagen.
» Die Daten sagen: Er ist in England mehr und schneller gelaufen, und er hat direkter gespielt als vorher. « Bierhoff über Michael Ballack |
SZ: Zur Optimierung der Leistung führt der Bundestrainer ja Datenbanken mit verschiedenen Rubriken: Zweikampfverhalten, Laufwege, Ballverarbeitung unter Gegnerdruck und vieles mehr. Kann man daraus objektiv erkennen, wo der deutsche Fußball im internationalen Vergleich steht?
Bierhoff: Wir können nicht verhehlen, dass Probleme da sind. In der Champions League präsentiert sich die Bundesliga leider längst nicht so, wie es sein müsste. Darüber machen wir uns beim DFB Gedanken, wir versuchen, Inputs zu geben. Mit modernen Analyseprogrammen kann man heutzutage ja alles messen: Wie viele Sprints macht einer, in welchem Tempo, in welcher Schärfe wird der Ball gepasst?
SZ: Registrieren Sie zumindest eine Annäherung an die europäische Spitze?
Bierhoff: Das Tschechien-Spiel war das Gegenteil dessen, was wir wollen: Querpässe, Rückpässe, wenig Bewegung. Trotzdem sieht man, dass was passiert ist bei uns. Ein Beispiel: Michael Ballack wurde in England kritisiert, aber nach unseren Erkenntnissen hat er eine sehr gute Entwicklung genommen, weil er präsenter und aggressiver war. Die Daten sagen: Er ist in England mehr und schneller gelaufen, und er hat direkter gespielt als vorher.
SZ: Dinge, die sich oft erst auf den zweiten Blick erschließen...
Bierhoff: ...die aber wichtig sind. Mein Ansatz ist: Wir müssen unseren Spielern - in Anführungsstrichen - mehr zumuten, an Trainingsintensität und Qualität. Wir versuchen das beim DFB mit möglichst vielen Spezialisten, die ein möglichst großes Wissensspektrum abdecken - so, wie es die Spitzenklubs in Europa vormachen. Es spricht nichts dagegen, dass Bundesligavereine ähnliche Dinge tun, sie könnten mit Sporthochschulen kooperieren oder mit der Trainerakademie in Köln.
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![]() 17.11.2007 14:47:07 wavemaster: Man muss den Spielern mehr zumuten Irrtum, man muss den Trainern mehr zumuten ! Wir haben in Deutschland ein krasses Ausbildungsproblem: die Trainer haben in der Regel wenig Ahnung non Methodik und Didaktik-es ist halt wie in der Schule. Die Pisa-Studie belegt ja nicht nur, dass deutsche Schüler hinterherhinken, sondern dass ebenso die deutschen Lehrer hinterherhinken (im übrigen sind die ja auch noch überaltert). Es wird mindestens noch zehn Jahre dauern, bis sowohl das Bildungssystem als auch der Fußball wieder auf einem hohen europäischen Niveau sind-aber nur dann, wenn man sich in beiden Bereichen entschließt, in die Ausbilldung zu investieren. ![]() ![]() Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage. |
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