Bosman, der Zweite
Transfers im Fußball
31.01.2008, 16:53
Der zweite "Bosman": Andy Webster (Foto: Getty)
"Der neue Bosman" (nach dem Belgier Jean-Marc Bosman, der 1996 ablösefreie Wechsel nach Vertragsende durchsetzte) ist ein Titel, der fast ebenso inflationär wie vorschnell verliehen wird wie ,"der neue Maradona‘". Der schottische Profi Andy Webster, 25, hat es nach mehreren Jahren Anlaufzeit nun aber tatsächlich geschafft, das internationale Transfersystem wie sein Vorgänger aus Belgien in seinen Grundfesten zu erschüttern. Das internationale Sportgericht Cas in Lausanne entschied am Dienstagnachmittag, dass ein Spieler bei einem Wechsel ins Ausland seinen Vertrag nach einer ,"geschützten‘" Laufzeit von drei beziehungsweise zwei Jahren - je nachdem, ob er bei Vertragsunterzeichnung bereits 28 Jahre alt war oder noch nicht - einseitig auflösen kann und seinem Verein dafür nur die Summe der noch ausstehenden Gehälter als Entschädigung überweisen muss.
Webster, der 2006 ein Jahr vor Vertragsende ohne Einverständnis seines schottischen Klubs Heart of Midlothian nach England zu Wigan Athletic in die Premier League wechselte, wurde vom Cas konkret angewiesen, 150.000 Pfund (rund 200.000 Euro) Strafe an Midlothian zu zahlen. Die Summe entspricht exakt einem Jahresgehalt. Der schottische Verein hatte dagegen 5,4 Millionen Euro, den mutmaßlichen Transferwert des Spielers, als Schadenersatz verlangt. ,"Ein Erdbeben‘" sieht der Independent in dem Urteil, für die Vereine ist es auf jeden Fall großes Problem.
Wechselwillige Spieler, die schon seit drei beziehungsweise zwei Jahre im Verein sind, sind auf einen Schlag sehr viel billiger für Interessenten aus dem Ausland; folgt man dem Webster-Prinzip, orientiert sich die Ablöse nur noch am ausstehenden Gehalt. ,"Der Verein hat keine wirtschaftliche, moralische oder legale Berechtigung, den Marktwert eines Spielers als verlorenen Gewinn einzufordern", hieß es in der Urteilsbegründung.
Hertha-Stürmer Marko Pantelic, 29, der 2006 in Berlin einen Dreijahresvertrag unterschrieb, kann sich so zum Beispiel im Sommer für geschätzte 1,5 Millionen Euro freikaufen. Der Buchwert des Spielers fällt damit um mehr als zwei Drittel. Selbst ein Topverdiener wie Frank Lampard vom FC Chelsea, der nach Ablauf der Saison ebenfalls einseitig kündigen könnte, wäre im Juni schon für vergleichsweise günstige 5,5 Millionen Euro Ablöse zu haben.
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![]() 01.02.2008 18:36:04 bbqsauceboy: @ firdalion Du vergisst dabei einen entscheidenden Sachverhalt: Im Gegensatz zu "normalen" Angestellten sind Fußball-Profis zugleich auch Vermögenswerte in der Bilanz (die Lizenz wird mit den Anschaffungskosten, also der Ablöse, als immaterieller VG bilanziert). Unter dem Aspekt betrachtet halte ich das gar nicht für so selbstverständlich, dass es rechtens sein soll, wenn so ein Spieler (= Wirtschaftsgut) mirnichts dirnichts einseitig seinen Vertrag kündigen kann. Ich bin zwar kein Jurist und habe keine Ahnung, ob in solchen Fällen das Arbeitsrecht höher einzustufen ist, für problematisch halte ich das auf alle Fälle. Fakt ist, sollte sich diese Verfahrensweise durchsetzen, sind die gekniffenen die Vereine, die national oder international betrachtet den Status eines "Ausbildungsvereins" haben, wie bspw. national der KSC oder VfL Bochum oder halt international Werder Bremen. Ein FCB, AC Mailand, Manchester United usw. können sich dann halt Ablösen von 25 Mios. oder mehr sparen und bieten dem Spieler statt dessen 15 statt 10 Mio. p.a. Der ausbildende Verein hat noch weniger Handhabe, sich gegen das Abwerben zur Wehr zu setzen. Die Gewinner wären also die reichen Spitzenvereine und natürlich die Spieler und Berater. Ich wüsste auch nicht, warum Lizenzspieler eine derart schützenswerte Gruppe bilden sollten. Momentan ist die Situation halt so, dass sich ein Spieler mit einem Verein auf eine gewisse Laufzeit einigt und der Verein in dieser Laufzeit auf Vertragserfüllung beharren kann oder halt eine Ablöse erhält, falls ein Verein mit mehr Geld den Spieler will, was für beide Seiten absolut okay ist. Selbst wer heutzutage 10 Jahre lang "nur" in der zweiten Bundesliga gespielt hat, muss sich bei vernünftiger Finanzplanung und Rücklagenbildung für den Rest seines Lebens keine Gedanken mehr über Geld machen. Wozu muss man den Spielern auf Kosten der Vereine das Portemonaie noch voller packen? Davon ab ist die Situation doch bereits jetzt so, dass der Spieler i.d.R. erheblich mehr Macht hat als der Verein. Wenn ein Klose oder van der Vaart vor der Zeit wechseln will, dann inszeniert man halt ein kurzweiliges Theater mit Photos im Trikot des werbenden Vereins oder trifft sich in aller Öffentlichkeit "geheim" mit dem ärgsten Konkurrenten vor einem wichtigen Spiel. Hinterher heißt es dann, bei all den Anfeindungen der Fans könne man ![]()
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