Die Mensch-Maschine
Sportmedizin
28.04.2008, 16:44
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Als Kassenpatient muss man oft eine Weile warten, bis man einen Termin beim Arzt seiner Wahl bekommt. (Foto: dpa)
Als Normalsterblicher, zumal als gesetzlich Versicherter, weiß man, dass es bisweilen schwierig ist, Termine bei manchen Ärzten zu bekommen. Wenn es gesundheitlich ernst wird, braucht man das Glück, menschliche und qualifizierte Ärzte gefunden zu haben, die wirklich helfen und heilen. Mit Neid blickt daher mancher Patient auf den Profisport, in dem eine medizinische Rundumversorgung jederzeit gewährleistet ist. Der Leverkusener Fußballer Bernd Schneider hat einen Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule? Kein Problem, zwei Tage später hat der Spezialist aus Hannover operiert. Im Profifußball, also an der finanziellen Spitze des Sports, scheint die medizinische Versorgung ein Traum zu sein. Fußballer stehen acht Tage nach Muskelfaserissen wieder auf dem Platz, neuerdings spielen sie drei Monate nach Kreuzbandrissen, und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis in dieser wunderbaren Welt der Sportmedizin auch Brüche binnen Tagen heilen.
"Schicksalshafter Krankheitsverlauf"
Nun ist die Sportmedizin seit geraumer Zeit in den Fokus geraten, ihres Wirkens im Radsport und auch im Wintersport wegen. Sie entpuppt sich zunehmend als eine Medizin, die nicht primär heilt, sondern optimiert bzw. effizienter macht, sich also zur Allgemeinmedizin verhält wie ein Auto-Tuner zur Auto-Werkstatt.
Der Fall von Ivan Klasnic wirft erneut ein Licht auf die Sportmedizin und viele Fragen auf. Wie kann es sein, dass alarmierende Blutwerte eines Profis in diesem Geschäft - wie gesagt: an der finanzielle Spitze des Sports und also auch der medizinischen Versorgung - niemanden zum Handeln bewegt haben, wie Klasnic darlegt? Ist das so, weil es eben ein "schicksalshafter Krankheitsverlauf" war, wie es in Bremen heißt? Ist das so, weil Ärzte Fehler gemacht haben? Oder ist das so, weil seltsame Blutwerte bei Fußballprofis nicht ungewöhnlich sind?
Der Fall mutet so seltsam an, dass in alle Richtungen gedacht werden muss und einstweilen nichts auszuschließen ist. Es wird interessant sein zu sehen, wie die Elite der Sportmedizin reagiert. Mit einem Aufschrei? Eher nicht, denn selbst wenn es sich im Fall Klasnic um eine unglückliche Verkettung handeln sollte, so offenbart er doch einen Blick in eine Welt, in welcher der Mensch zuerst eins ist: Maschine. Der Normalsterbliche muss zwar eine Weile warten, bis er einen Termin beim Arzt seiner Wahl bekommt, aber dafür wird er im besten Fall weder getunt noch repariert, sondern sorgsam behandelt.
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