,,Hertha war nie dabei‘‘
Magath und die Falschmeldung
18.04.2007, 20:00
Mitten in der Übertragung des Pokalspiels zwischen Nürnberg und Frankfurt, das im Schnitt von 6,13 Millionen Zuschauern verfolgt wurde, verbreitete die ARD am Dienstagabend via Laufband die Nachricht, dass Felix Magath ab Juli neuer Trainer bei Hertha BSC werde - eine Information, die sich später als falsch herausstellte. ,,Wir entschuldigen uns bei unseren Zuschauern, bei Hertha BSC und natürlich bei Felix Magath. Wir sind einer Fehlinformation aufgesessen‘‘, bedauerte ein Verantwortlicher des für die Live-Übertragung zuständigen Bayerischen Rundfunks am Mittwoch. Nach Angaben von dpa wurde inzwischen eine unbekannte Person, die sich als Assistent von Hertha-Sprecher Felder ausgegeben hatte, als falscher Informant ausgemacht. Ein Gespräch mit einem Mann, der nie vorhatte, Hertha-Trainer zu werden.
SZ: Herr Magath, wann haben Sie erfahren, dass Sie neuer Trainer von Hertha BSC Berlin sind?
Magath: Das kann ich Ihnen genau sagen. Ich war am Dienstagabend in Klagenfurt in Österreich, bei einer Veranstaltung anlässlich der Euro 2008, und hinterher wurde ich im Auto angerufen, irgendwann nach 22 Uhr. Ein Mitarbeiter von arena war dran, und er war ganz irritiert, weil ich ihm nicht gesagt hatte, dass ich neuer Hertha-Trainer werde.
SZ: Beim TV-Sender arena arbeiten Sie zurzeit als Fußball-Experte.
Magath: Ja, ich hab’ da ein richtiges Arbeitsverhältnis, die hätten in der Tat erwarten können, dass ich Bescheid sage, wenn ich mal was anderes mache.
SZ: Wie haben Sie denn auf diese Hertha-Nachricht reagiert?
Magath: Eigentlich sollte man sich in diesem Geschäft über nichts mehr wundern, aber man tut es doch immer wieder. Wie diese Hertha-Meldung zustande kommt, ist mir völlig unerklärlich. Zu Hertha habe ich in den letzten Jahren - und natürlich auch in den letzten Tagen - so wenig Kontakt gehabt wie zu fast keinem anderen Klub. Es kommt in diesem Geschäft ja häufiger vor, dass man mal von Spielervermittlern angesprochen wird, ob man sich diesen oder jenen Klub vorstellen könne, aber selbst da war Hertha nie dabei. Es ist mir unverständlich, dass ausgerechnet ein Klub vermeldet wird, mit dem ich null Verbindung habe.
SZ: Aber sind Sie nicht gerade erst mit dem Satz zitiert worden, Hertha sei ein interessanter Klub?
Magath: Der arena-Moderator hat mich am Samstag gefragt, ob Hertha für mich nächste Saison ein Thema wäre. Meine Antwort war: Warum soll ich mich festlegen und nein sagen? Aber glauben Sie mir: Es gab nie den Ansatz einer Idee, nach Berlin zu gehen.
SZ: Haben Sie jetzt den Ehrgeiz herauszufinden, wie es zu dieser Meldung kommen konnte?
Magath: Ich habe überlegt, ob ich diesmal einen Anwalt einschalten soll, weil ich das Gefühl habe, dass solche Sachen langsam überhand nehmen. Dass es immer wieder mal Meldungen gibt, ich würde da und dort gehandelt, obwohl nichts dran ist, daran gewöhnt man sich ja mit der Zeit. Wenn aber so etwas völlig Haltloses einfach im Fernsehen verbreitet wird, dann wird’s irgendwann zu viel.
SZ: Kommt es Ihrem Marktwert nicht zugute, wenn Sie im Gespräch sind?
Magath: Nein, bei sowas wird mein Name doch in Mitleidenschaft gezogen...
SZ: ...beim HSV hieß es ja auch schon, der Magath kommt, bevor schließlich Huub Stevens übernahm...
Magath: ...ja eben, und irgendwann denken die Leute doch: Was ist denn da los, der Magath weiß wohl nicht, was er will. Erst geht er da hin, dann geht er wieder nicht dahin, einmal sagt er zu, dann sagt er wieder ab... Auf Dauer ist das für mich so nicht mehr tragbar.
SZ: Die ARD hat sich bei Ihnen entschuldigt - ist das damit für Sie okay?
Magath: Ehrlich gesagt, würde ich schon gern wissen, wie jemand auf die Idee kommen kann, so eine Meldung zu verbreiten. Ich hab’ wirklich Verständnis für den Job des Journalisten, ich weiß, dass da Druck herrscht, aber bei dieser speziellen Meldung muss man sich schon fragen, ob nicht vielleicht Bösartigkeit vorliegt. Diese Meldung ist so haltlos, das ist wirklich nicht in Ordnung.
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