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Wasserspeier, Feuerteufel und ein Weltmeister
Formel 1: Button ist Weltmeister
18.10.2009, 20:11
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"We are the champions!" Jenson Button ist Formel-1-Weltmeister 2009. (Foto: AP)
Die ersten Worte von Jenson Button als Formel-1-Weltmeister ließen ahnen, welche Last dem 29 Jahre alten Briten von den Schultern fiel, als er als Fünfter das Ziel erreichte beim Großen Preis von Brasilien und sich damit einen Punktevorsprung sichern konnte, den niemand mehr einholen kann: "We are the champions!", brüllte Button in sein Funkgerät: Wir sind die Champions! Es sollte Gesang sein. Aber es klang nach Erleichterung pur.
Zehn Jahre lang hatte er Anlauf genommen. Seit dem Jahr 2000 tritt Button in der Formel 1 an. Im Winter, nach dem Rückzug von Honda aus der Formel 1, war zunächst nicht klar gewesen, ob es mit dem Team, das nun feiert, überhaupt weitergehen würde. "Wir alle sind Champions!", rief Button seiner Crew noch zu, bevor er sich übermütig in die Arme seines Vaters warf, der weinte im Glück.
"Mehr gibt es nicht zu sagen"
Das Ergebnis des vorletzten Rennens der Saison verkam angesichts des WM-Entscheidung zur Nebensache. Die Siegerhymne wurde für Red-Bull-Fahrer Mark Webber gespielt. Der Australier gewann vor BMW-Pilot Robert Kubica und McLaren-Mercedes-Mann Lewis Hamilton. Sebastian Vettel musste die kleine Titelchance, die er noch hatte, als Vierter aufgeben. "Mehr war heute einfach nicht drin", sagte er schwer enttäuscht im Ziel. Was der 22-Jährige von Jenson Button als Weltmeister hält? "Unterm Strich hat er die meisten Punkte geholt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen." Echte Ehrfurcht klingt anders.
Der Große Preis von Brasilien 2009 wird als ein besonders turbulentes Rennen in die Formel-1-Annalen eingehen. Das wechselhafte Wetter hatte am Samstag die Qualifikation durcheinander geschwemmt. Weil es zeitweise prasselte, als schütte einer aus Eimern Wasser ins Autodromo in Interlagos, wurde das Ausscheidungsfahren mehrmals unterbrochen.
Bis es beendet war, vergingen mehr als 2:40 Stunden. Sebastian Vettel wurde ein Opfer der Umstände. Sein Red Bull schwamm auf. Vettel schied im ersten Durchgang aus und musste sich - tief frustriert - mit Startplatz 16 begnügen. "Heute habe ich meinen Freischwimmer gemacht", zog er schimpfend ins Hotel. Button erging es nicht viel besser: Er schied im zweiten Durchgang als 14. aus. Tagessieger war sein BrawnGP-Teamkollege Rubens Barrichello, der unter dem Jubel der brasilianischen Fans, den besten Startplatz an sich riss.
Ärger zwischen Trulli und Sutil
Dort befand Barrichello sich am Sonntag in einer komfortablen Situation, als unmittelbar nach dem Erlöschen der Startampel das große Durcheinander losbrach. Vettel geriet mit Hamilton aneinander, Mark Webber mit Kimi Räikkönen im Ferrari, Jarno Trulli (Toyota) wollte Adrian Sutil (Force India) an den Kragen des Overall, nachdem die beiden kollidiert und ausgeschieden waren. "Er hat mich aufs Gras gedrückt. Das ist total verrückt von Adrian. Ein sehr gefährliches Manöver", gurgelte Trulli. "Ich habe gar nichts gesehen", verteidigte Sutil sich, der Trullis Griff nach seiner Gurgel "total unsportlich" und "einfach niveaulos" fand.
Nach dem vielen Wasser am Samstag kam am Sonntag auch noch Feuer als störendes Element ins Spiel: Nachdem Heikki Kovalainen ungeplant früh vor die McLaren-Garage gebogen war, riss der Finne mit einem Frühstart den Tankschlauch von der Zapfsäule. Das Benzin, das sich noch in der silbernen Schlange befand, spritzte auf die Fahrbahn, auf der gerade Kimi Räikkönen die Box ansteuerte. Der Sprit entzündete sich an einem heißen Teil des Ferrari. Es gab eine Stichflamme. Räikkönen saß für eine Sekunde mitten in einem Feuerball. Der Finne konnte das Rennen allerdings ebenso unbeschadet fortsetzen wie Kovalainen. Am Ende der Boxengasse war ein Brawn-Mechaniker so freundlich, seinen McLaren von dem abgerissenen Tankschlauch zu befreien.
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Die Rennstrecke in Interlagos führt gegen den Uhrzeigersinn über einige Hügel. Der Kurs ist anstrengend für die Piloten. Immer wieder kommt es dort zu extremen Unfällen. Dieses Mal gerieten die Japaner Kazuki Nakajima und Kamui Kobayashi aneinander. Als Nakajima im Williams in Runde 34 aus der Box bog, ließ der für den verletzten Timo Glock im Toyota sitzende Kobayashi wenig Platz.
Nakajima berührte den Wagen seines Landsmannes, wobei sich der Frontflügel unter die Vorderräder schob. Ohne lenken oder bremsen zu können, schoss Nakajima in seinem Auto quer durchs Feld, vom Piloten zum Passagier degradiert. Der Horror endete glimpflich. Das Geschoss traf kein anderes Auto und schlug in einem günstigen Winkel in die Reifenstapel. Nakajima entstieg dem Wrack benommen, aber äußerlich unverletzt.
Aggressive Überholmanöver
Profiteure all der Turbulenzen gab es einige: Webber nutzte die Gelegenheit, die sich ihm bot ebenso geschickt wie Kubica, der das beste BMW-Ergebnis in diesem Jahr einfuhr. Button arbeitete sich ähnlich eindrucksvoll durchs Feld wie Vettel. Der Brite glänzte dabei noch einmal mit all dem, was er in der zweiten Saisonhälfte zuvor hatte vermissen lassen: Entschlossen zeigte er zahlreiche mutige Überholmanöver. Es war zu spüren: Er wollte den Titel. Unbedingt. Und unbedingt schon an diesem Tag. "Das war supergut", lobte Teamchef Ross Brawn.
Rubens Barrichello hatte in seinem Heimrennen erneut Pech. Wegen eines Plattfußes am rechten Hinterrad musste er sechs Runden vor dem Ziel noch einen ungeplanten Boxenstopp absolvieren. Er wurde lediglich Achter. Auch die Konstrukteurs-Wertung ist damit entschieden. Sie geht ebenfalls an BrawnGP. Das letzte Rennen der Formel-1-Saison 2009 findet am 1. November in Abu Dhabi statt.
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