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Nach einer schlimmen ersten Halbzeit zeigt der VfB Stuttgart beim 1:1 in Sevilla, dass noch Leben in ihm steckt. Und bleibt im Rennen um das Achtelfinale der Champions League.

Champions League: VfB StuttgartGrossbild

(Foto: )

Der FC Sevilla ist das, was der VfB Stuttgart derzeit gerne wäre: nicht die bekannteste Mannschaft des Landes, aber eine richtig gute. Eine, die erstklassig besetzt ist und ganz feinen Fußball spielt, die ebenso den Ball halten wie lauernd auf Konter spielen kann. In der vergangenen Saison traf diese Beschreibung auch auf den VfB zu, und in dieser Saison, verstärkt durch Aliaksandr Hleb, sollte die Elf trotz des Verkaufs von Mario Gomez noch ein bisschen besser werden.

Das wurde sie jedoch nicht, im Gegenteil. Am Mittwochabend hat sie immerhin gezeigt, dass noch Potential in ihr steckt: 1:1 (1:0) endete die Champions-League-Partie des VfB in Sevilla - die Stuttgarter sind Vorletzter in ihrer Gruppe, haben aber noch alle Möglichkeiten. "Wir haben es noch selber in der Hand. Dafür ist aber eine Leistung notwendig wie in der zweiten Halbzeit", sagte Trainer Markus Babbel.

Es war wieder - wie so häufig zuletzt - ein Endspiel für Babbel. Er wisse, wie er mehrmals sagte, dass irgendwann die Mechanismen der Branche griffen, was bedeutet: Wenn der VfB nicht sehr bald Spiele gewinnt, dann ist Babbel seinen Job los. Ein paar dieser Endspiele hat Babbel bereits nicht gewonnen oder gar verloren, und in Sevilla hat er zwar erneut nicht gewonnen, aber die zweite Hälfte zeigte, dass Leben in seiner Mannschaft steckt - dass sie in der Lage sein könnte, ihre große Krise zu bewältigen.

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Am vergangenen Samstag, beim 0:0 gegen den FC Bayern, hatten die Stuttgarter schwungvoll begonnen, sie wollten sofort zeigen, dass sie keine Angst haben, keinen Respekt, und dass sie nicht nur mitspielen, sondern auch siegen können. Gegen Sevilla begann der VfB verhaltener, verständlich, ging es doch auswärts gegen eine Mannschaft, die derzeit besseren Fußball spielt als die Münchner. Die Spanier bemerkten schnell, dass sie eine zurückhaltende Mannschaft vor sich haben, die leicht zu verunsichern ist. Sie zogen ein gepflegtes Passspiel auf. Stuttgart hingegen, das auf Konter lauern wollte, leistete sich viele Ballverluste.

Ein Bollwerk wollten sie errichten, doch Sevilla zeigte, wie man den defensiven Verbund der Deutschen zerlegte: Mit zwei Pässen durchquerten die Spanier die Stuttgarter Hälfte, Jesús Navas kam am Sechzehnmeterraum an den Ball, er bewegte sich schnell und geschmeidig, er behielt die Übersicht und schob die Kugel am herausstürmenden Torwart Jens Lehmann vorbei zum 1:0 ins Netz (14.).

Sogar der Sieg war möglich

Nun musste der VfB seine Taktik ändern und selbst mehr für das Spiel tun. Oder, anders gesagt: Er hätte seine Taktik ändern müssen. Sevilla behielt jedoch lieber seinerseits die Initiative, selbstbewusst trug die Elf ihre Angriffe vor und kam dann und wann zu Chancen. Immerhin: Auch die Stuttgarter hatten ein bisschen was zu bieten.

Hleb gab mal einen nicht völlig ungefährlichen Torschuss ab (18.), Roberto Hilbert gab den ungefährlichsten Torschuss des Jahres ab (20.), Pawel Progrebnjak gab einen gefährlichen Torschuss aus 18 Metern Entfernung ab (28.). Und in der 36. Minute scheiterte Verteidiger Artur Boka im Strafraum aus spitzem Winkel an Sevillas Torwart Javi Varas. Das war endlich einmal eine wirklich gute Chance, vorangegangen war ein Doppelpass Bokas mit Elson.

So entfaltete sich die Partie: Sevilla spielte überlegen, aber Stuttgart kam durchaus zu Chancen. Zum Beispiel in der 53. Minute: Elson schlug einen Freistoß in den Strafraum, den Kuzmanovic verlängerte - und der erst 19 Jahre alte Sebastian Rudy hob den Ball über das Tor. Eine Minute später war erneut Kuzmanovic beteiligt, seinen Schuss konnte Torwart Javi Varas nur abklatschen, Progrebnjak köpfte den Abpraller an die Latte. Nun ahnten sie: Es könnte mit ein wenig Glück ein Punkt drin sein.

Stuttgart spielte jetzt engagiert mit, was die Spanier - so schien es - erfreut zur Kenntnis nahmen: Sie erhöhten ihrerseits das Tempo, so dass ein phasenweise unterhaltsames Fußballspiel entstand. Nach knapp 70 Minuten leitete der junge Rudy einen Konter ein, doch Hleb beendete die Aktion mit einem ungenauen Pass. Nach 76 Minuten nahm Aldo Duscher verletzt auf der Bank Platz; da das Wechselkontingent bereits erschöpft war, musste Sevilla zu zehnt weiterspielen.

Das gab Raum für den VfB, den er nutzte: Nach einer Passstafette jagte Kuzmanovic den Ball aus 18 Metern zum 1:1 ins Netz (78.). Eine Viertelstunde hatten die Stuttgarter nun noch, in der unverhofften Überzahl sogar zum Siegtreffer zu kommen, Julian Schieber setzte einen Kopfball äußerst knapp neben das Tor (83.) - doch es blieb beim 1:1. "In der ersten Halbzeit waren wir nicht so gut", sagte Torschütze Zdravko Kuzmanovic, "aber in der zweiten Halbzeit haben wir eine Super-Reaktion gezeigt. Wir kommen immer besser in Fahrt."

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(SZ vom 05.11.2009)

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Leserkommentare (6)



05.11.2009 16:38:30

Balldieb: Das war...

...eine Super zweite Halbzeit gestern vom VfB. Schade das es mit der Chancenverwertung nicht so richtig geklappt hat. Ein Sieg wäre drin gewesen. Na, vielleicht klappt es ja noch gegen die Ranger Urceni...

Gruß Balldieb


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