Die türkische Mannschaft hat Verbündete, die mächtiger sind als unser Gegner: die Nachspielzeit und die letzte Sekunde.
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Schweiz, Tschechien, Kroatien: Bei dieser Europameisterschaft pflastern Mannschaften unseren Weg, die allesamt besser eingestuft worden waren als unsere.
Doch wir sind immer noch im Rennen. Denn wir hatten Verbündete, die mächtiger waren als all diese Gegner: die Nachspielzeit und die letzte Sekunde. Wir haben gezeigt, dass wir viele Leben haben, und wir haben noch mehr Kampfgeist. Mag sein, dass ein Spiel 90 Minuten dauert. Doch wir wenden es in einer Minute. Jetzt müssen wir gegen die Deutschen, die Erfinder des Kampfgeistes, antreten. Und wieder haben wir eigentlich keine Chance: Also nutzen wir sie!
Natürlich sehen wir auch die Fakten: Uns fehlen neun Feldspieler, und unser Trainer Fatih Terim plant, einen Reserve-Torwart als Stürmer einzusetzen. Cool. Dann müssten wir eigentlich gewinnen, oder?
Den Deutschen fehlt wahrscheinlich kein einziger Spieler, wenn sie gegen uns antreten. Im Gegenteil: Sie haben wohl einen zu viel. Jedenfalls wissen sie nicht, wohin mit Frings. Und als dreimaliger Europameister wissen sie auch, wie man ein Halbfinale zu spielen hat. Wir haben also keine Chance: Also nutzen wir sie!
Die türkische Mannschaft hat uns jetzt schon mit ihrem glasklaren Siegeswillen enorm viel Spaß bereitet und nicht nur die Türkei begeistert: Herz in der Hand, Leidenschaft im Bein - das sind wir. Die drei Spiele, in denen wir zu den Comeback-Königen wurden, gehen in unsere Geschichte ein. Und sie haben uns auch erfahrener gemacht. Keine Sorge, liebe Mannschaft, wir sind für weitere spannende Augenblicke gewappnet. Unsere Herzen werden sowieso alle Strapazen durchstehen. Trotzdem hätten wir natürlich nichts dagegen, ein Spiel auch mal normal zu gewinnen. Dazu haben wir keine Chance? Na, dann nutzen wir sie!
Egal, wie es ausgeht, wir sind jetzt schon stolz auf unsere Mannschaft. Und egal, wie am Ende das Ergebnis lautet: Wir sollten nach dem Spiel friedlich mit unseren deutschen Freunden feiern. Denn allein was wir bis jetzt geschafft haben, wird uns so schnell keiner nachmachen. Und unsere deutschen Freunde müssen vor allem einen Augenblick fürchten: Wenn der vierte Schiedsrichter die Tafel hochhebt und die Nachspielzeit anzeigt. Denn dann ist unsere Chance gekommen.
Rot-Weiß, Rot-Weiß, En büyük Türkiye - die Türkei ist groß!
(sueddeutsche.de/gba/dop/cat)



