Von Bernd Graff

Warum Italien nicht Weltmeister werden darf: Die bloße Möglichkeit, dass der wertvollste Pokal des Fußballs von einem Manipulationsskandal besudelt werden könnte, ist eine Vorstellung, die niemandem behagen dürfte, der den Fußball liebt.

Italien Weltmeister Deutschland

Italienische Fans jubeln. (Foto: dpa)

„Zwischen Deutschland und Italien,“ so hat der italienische Ministerpräsident Romano Prodi seiner deutschen Kollegin Merkel scherzhaft zugeraunt, „gibt es keine Probleme. Außer vielleicht Fußball.“

Das stimmt, seitdem klar ist, dass beide Mannschaften gegeneinander antreten müssen, um ins Finale dieser WM zu kommen. Und es stimmt auch wieder nicht. Denn der Fußball ist im Augenblick eher ein unilaterales Problem Italiens.

Dort wütet seit Monaten einer der schlimmsten Skandale, die dieser Sport je erlebt hat. Einer, der wenigstens mittelbar auch jene Nationalspieler in seinem Sog mitreißen wird, die im Fußball-Alltag für den inkrimierten Verein Juventus Turin spielen – oder ihn coachten. So wird auch im Umkreis der Nationalmannschaft Squadra Azzurra von Seilschaften geredet, die der bereits zurückgetretene Juventus-Generaldirektor Luciano Moggi und sein Sohn Alessandro, der als Gesellschafter und Geschäftsführer eines Unternehmens zur Betreuung von Erstklasse-Spielern tätig ist, zusammen gezurrt haben sollen.

Über den Einfluss des Vaters seien Karrieren gepusht oder verhindert worden. Angeblich bis hin zur Berufung in die Nationalmannschaft, da der Sohn des Nationaltrainers Lippi für Moggi Junior arbeitete. Luciano Moggi beherrschte mutmaßlich Tabellen und Transfermarkt. Und er habe die Preise für seine Juve-Spieler mit der Berufung ins Nationalteam liften können. Das wäre nichts weniger als eine Lizenz zum Gelddrucken.

 
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All das dokumentieren an die 1500 Seiten Ermittlungsmaterial der Staatsanwaltschaft in Neapel und mehr als 10 000 abgehörte Telefonate Moggis. Sie ergeben, dass der 69-jährige Fußball-Mogul den italienischen Fußball wohl nach Herzenslust und eigenem Gutdünken dirigiert hat. Im Stile eines Fußball-Paten, eben. In Italien spricht man schon von einer „cupola“. So, als Kuppel, bezeichnet man dort die obersten Herrscher der Mafia.

Diese kruden Machenschaften sind sicherlich nicht nur eine psychische Belastung für den gesamten Führungsstab der italienischen Delegation, wie die Kommentatoren während der Italien-Spiele zu erläutern nicht müde werden. Das ist ein Skandal im Skandal. Und er trifft die WM wie ein Angriff.

Man möchten den am Dienstag gegen Deutschland auf dem Platz stehenden Edel-Kickern Italiens nicht unterstellen, dass sie von diesem abgefeimten Schachspiel gewusst haben, in dem sie nun die Figuren abgeben – hier gilt bis zum Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung.

Weltmeister von Moggis Gnaden

Dennoch ist die bloße Möglichkeit, dass der wertvollste Pokal, den der Fußballsport zu vergeben hat, unter Umständen von einem ekelhaften nationalen Manipulationsskandal besudelt werden könnte, eine Katastrophe für diese Weltmeisterschaft. Wenn Italien Weltmeister werden sollte, dann ist es so, als ob die Tour de France von einem Fahrer gewonnen würde, von dem man nicht weiß, ob er selber weiß, dass er gedopt war.

Weltmeister Italien von Moggis Gnaden? Eine Vorstellung, die keinem Italiener behagen dürfte, ja niemandem, der den Fußball liebt.

(sueddeutsche.de)

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