"Es war eine einmalige Chance - und wir haben sie genutzt", sagt Schlussläuferin Verena Sailer nach dem Gewinn der Bronze-Medaille. Das deutsche Quartett profitiert von der Arroganz der US-Staffel.

Wie immer der erste Gratulant: Berlino. Foto: rtr

Als Schlussläuferin Verena Sailer nach einem Stolperer im Ziel auf dem Boden lag, stürmte Berlino auf die Mannheimerin zu: Acht Jahre nach dem WM-Gold von Edmonton hat Deutschland bei der Leichtathletik-WM in Berlin wieder eine Medaille mit einer Sprintstaffel gewonnen und verwandelte damit das am vorletzten Wettkampftag erstmals ausverkaufte Berliner Olympiastadion in ein Tollhaus. Ausgelassen tanzte das Maskottchen nach 42,87 Sekunden mit den Bronze-Mädels des 4x100-Meter-Teams über die Bahn.

Schlussläuferin Verena Sailer übernahm den Stab in dritter Position und verteidigte den Platz bis nach dem Zielstrich - danach strauchelte sie und fiel zu Boden. Doch bevor sie sich vor Schmerzen krümmen konnten, waren schon Berlino und die Kolleginnen zur Stelle und knuddelten die schnellste weiße Frau der Welt.

Ihren Triumphzug auf den Sprintstrecken setzten die Jamaikanerinnen fort, die mit 100-m-Weltmeisterin Shelly-Ann Fraser in 42,06 erstmals seit 1991 wieder Gold holten und sich damit die vierte von sechs möglichen Sprint-Medaillen der WM von Berlin sicherten. Silber ging an die Bahamas (42,29).

In der Mainzerin Marion Wagner stand in ihrem letzten Karrierejahr auch noch eine Weltmeisterin von Edmonton im deutschen Team. Sie hatte das Rennen eröffnet, ehe Anne Mölliner (Mannheim) übernahm, auf Cathleen Tschirch (Leverkusen) übergab und Sailer sich ins Ziel stürzte.

Eine Medaille - das ist der Wahnsinn. Dafür lege ich mich gern auf die Schnauze. Ich habe gesehen, dass ich Dritte bin und mir nur gesagt: Renn, renn. Das habe ich getan, bis ich auf dem Boden lag. Jetzt fängt es langsam an wehzutun“, sagte die 23-jährige Sailer und Wagner (31) jubelte: „Die Entscheidung, mich an den Start zu stellen war richtig. Wir hatten eine einmalige Chance, die haben wir genutzt.“

Der jamaikanische Erfolg war zugleich eine riesige Pleite für die USA, die wie bei Olympia in Peking ihre Staffel schon im Vorlauf verloren. Denn bei den US-Frauen verletzte sich beim zweiten Wechsel Muna Lee. Und so schied der Titelverteidiger aus. Lee, Staffel-Weltmeisterin von Osaka, erlitt nach einer ersten Diagnose eine Zerrung im rechten Oberschenkel.

Die USA hatten vor zwei Wochen in Cottbus in 41,58 Sekunden noch die Jahres-Weltbestleistung aufgestellt und sich dem Uralt-Weltrekord der DDR (41,37) bis auf 21 Hundertstel genähert.