Die Modemacher des Fußballs kommen nicht mehr aus Italien oder Spanien, sondern aus England. Der letzte Schreit stammt von einer Mannschaft, die ein Franzose trainiert.
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Die alten Herren wie Paolo Maldini (rechts) haben ausgedient. Die neuesten Fußball-Modetrends setzen die Jungstars von Arsenal in den weißen Trikots. Foto: dpa
Nach allem, was jüngst zu erfahren war, laufen die Geschäfte prächtig bei den Königlichen aus Madrid. Kurz vor diesem Mittwoch, an dem fußballsportlich mal wieder alles schief lief, war bekannt geworden, dass die Aufplusterung des Klubs fortschreitet. Während in der Wirtschaft viel von einer Verschlankung der Unternehmen die Rede ist, speckt Real an: Eine Formel-1-taugliche Rennstrecke wollen sie bis 2013 bauen, zudem einen Golfplatz, gestaltet vom früheren Profi Severiano Balesteros. Erweitert werden soll so das ohnehin schon größte Vereinsgelände der Welt, das 2005 mit Restaurants, Hotels und einem 25 000-Zuschauer-Stadion eröffnet wurde.
Insofern ist für Ablenkung gesorgt, fällt der jüngste Unfall in der Unternehmenssparte Fußball bilanziell womöglich nicht gar so sehr ins Gewicht. Die Geschäftsdaten: Zum vierten Mal in Serie ist Real in der Champions League schon im Achtelfinale gescheitert, dieses Mal gegen den AS Rom, womit den Madrilenen seit 20 Jahren kein großer Europacup-Erfolg gegen eine Elf aus Italien mehr gelungen ist. Wurden die Spanier noch im Herbst, in der von Überlebensstrategien geprägten Gruppenphase, vielerorts zum Favoriten befördert, so hat sich die erste K.o-Runde einmal mehr als die Runde der Wahrheit erwiesen. Hier zeigt sich, wer die Trends setzt, und wer sie verpasst. Die Maske ist gefallen.
Mode wird im Fußball in England gemacht. Und bestimmt nicht nur, weil in der dortigen Premier League die meisten Finanzmittel vorhanden sind. Denn der größte Verschwender bleibt Real, da sind sich die königlichen Geldvernichter treu. 100 Millionen für Transfers waren es allein vor dieser Saison, und vermutlich werden dort erneut die falschen Schlüsse gezogen, wenn sie nun im Viertelfinale zusehen, was Arsenal, ManU, Chelsea und vielleicht Liverpool (das Rückspiel gegen Inter steht noch aus) auf den Laufsteg bringen. Der letzte Schrei ist aktuell das Arsenal des Arsène Wenger. Es entzauberte die Senioren von Titelverteidiger AC Mailand derart überwältigend, dass diese sich ihrer Niederlage nicht einmal arg schämen mussten. Führt doch das lange Zeit sehr selbstverliebte Arsenal heute im Repertoire, was lange als unvereinbar galt: filigranen Kreiselfußball und kräftigen Kick-and-rush frisch von der Insel. Kombinierbar je nach Bedarf.
Was Schalke unter den letzten Acht zu suchen hat? Nicht weniger als Fenerbahce, AS Rom und Barcelona: Den Partysprenger spielen, wenn England sich trifft. Und sei es, wie in Porto, mit teutonischen Stilmitteln aus den achtziger Jahren. Erst einmal zittrig mit der Null stehen, später in die Verlängerung taumeln, Elfmeter!, Glanztat!, grenzenloser Jubel! Wer will, darf dies Traditionspflege nennen. Mit einem schönen Gruß aus dem ewigen Torwartland.
(SZ vom 7.3.2008/aum)










