Bild des Jammers
Fußballkult
06.03.2008, 17:05
Heiß begehrt: Fußball-Sammelbilder auf dem Schulhof. (Foto: Fuchs)
Diese Tütchen voller Fußballergesichter haben einen Zauber, der sich rational kaum erklären lässt. Seit mehr als 30 Jahren kaufen Fußballfans die Panini-Bildchen, um bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie in jeder Bundesligasaison die Helden der Branche im Sammelalbum zu konservieren. Historische Alben erzielen bei Sammlern vierstellige Summen.
Doch die Ära der Panini-Alben geht zu Ende. Denn die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat die Rechte zum Vertrieb von Sammelkarten und Klebebildchen an die amerikanische Kaugummifirma "Topps" verkauft. Diese 1938 gegründete Firma besitzt heute die Lizenzen der wichtigsten Profi-Ligen beim Football, Baseball oder Wrestling. Vor einem Jahr hat der ehemalige Disney-Chef Michael Eisner "Topps" für 385 Millionen Dollar gekauft und will es zum Medienunternehmen umbauen. Mit solchen Visionen kann das im italienischen Modena beheimatete Unternehmen Panini nicht mithalten.
Der Profit ist enorm
Bis zu 100 Euro musste ein Sammler investieren, der das Panini-Album zur Fußball-WM 2006 in Deutschland mit 596 Bildern füllen wollte. Fast zweieinhalb Millionen Alben wurden in Deutschland verkauft und mehr als 150 Millionen Tütchen zu 50 Cent mit je fünf Bildern. Der Profit ist enorm. Das zeigt sich auch an den Zahlen, die nun bekannt wurden. 12,4 Millionen Euro zahlt "Topps" von der kommenden Saison an für drei Jahre für die Bundesliga-Rechte. Panini hatte 11,25 Millionen geboten.
Erstmals vermarktet die DFL diese Rechte zentral. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie deshalb ihre Vereine zur Kündigung von deren individuellen Verträgen mit Panini zum 30. Juni 2008 aufgefordert, um eine lukrativere Zentralvermarktung zu ermöglichen. 16 Vereine haben nach Auskunft von Panini ihre Verträge gekündigt, Bayer Leverkusen und der VfL Bochum nicht.
Bayers Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser sagt, Panini habe für die Rechte bislang 10.000 Euro pro Saison an seinen Klub bezahlt. "Diese Summe war ein Witz", sagt Holzhäuser. Er prüft gerade, wie viele seiner Spieler persönliche Verträge mit der im rheinischen Nettetal ansässigen Panini-Deutschland-Dependance besitzen, denn diese persönlichen Verträge sind der Knackpunkt im Streit um die Bildchen. Panini hatte bislang nicht nur Verträge mit den Klubs, sondern besitzt nach eigener Auskunft auch gültige Kontrakte mit allen Profis. In den neuesten Arbeitsverträgen in der Bundesliga akzeptieren die Fußballer die Gruppenvermarktungsrechte der DFL.
Verträge im Tresor
Weil das vorher nicht so war, hatte Panini auch mit den Spielern Verträge abgeschlossen, und diese "über 500 Stück", wie Deutschlandchef Frank Zomerdijk sagt, "liegen in unserem Tresor". Auf diese Verträge will sich Panini berufen, wenn es auch in der kommenden Saison ein Sammelalbum herausbrächte. Doch es würde ein seltsames Album werden, denn Panini dürfte weder die Vereinswappen abdrucken noch die Spieler in den Trikots.
Dies dürfte nur "Topps", dessen Zahlung fast 200.000 Euro pro Klub und Saison beträgt und damit ungefähr das Zwanzigfache dessen, was Panini bislang an die Vereine bezahlt haben soll. Weil auch Zomerdijk weiß, was die Rechte wirklich wert sind, will er der DFL schon vor der Entscheidung signalisiert haben, bis zu 14 Millionen Euro für drei Jahre zahlen zu wollen. Ob es jetzt zu spät ist für Panini, soll ein Gespräch bei der DFL klären. Die Verträge mit "Topps", heißt es dort, seien aber bereits unter Dach und Fach.
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