Eine Frage des Tuches: Jürgen Klinsmann will, dass die Nationalmannschaft bei Heimspielen in roten Hemden aufläuft. So werden wir nicht Weltmeister!
Die deutsche Mannschaft braucht auch 2006 weiße Trikots. Grafik: Vera Thiessat, dpa, AP, ddp
Es ist die Entscheidung von Klinsmann. Ausgerechnet jener blonde Stürmer, der 1990 im Achtelfinale gegen Holland das Spiel seines Lebens machte. In einem weißen Trikot mit der deutschen Flagge auf der Brust. Der am 8. Juli den Weltmeisterpokal in die Höhe stemmte. Und dabei den deutschen Adler auf einem weißen Hemd trug. Weiß, Klinsi, es war weiß!
Der Bundestrainer hat beschlossen, dass die deutsche Elf bei Heimspielen künftig in roten Hemden aufs Feld laufen soll. Bisher war dieses Hemd als Ausweichtrikot zu den traditionellen weißen Leibchen gedacht. Und nun das: Es soll rot sein! Wir sind schockiert.
Man muss sich klar machen: Es geht hier nicht um ein Stückchen Stoff, das unsere Helden am Körper tragen. Die Nationalspieler sind wandelnde Nationalfahnen, sie repräsentieren Deutschland. Und das seit mehr als 50 Jahren. Es geht nicht um elf Fußballer auf dem Rasen, es geht um eine ganze Nation. Um Tradition! Um den Fortbestand der Demokratie!
Ausweichtrikots waren schon immer grenzwertig: Meist war es grün, in den verschiedensten Varianten. Nicht besonders hübsch, aber egal. War ja nur Reserve. Anders das Hemd für Heimspiele: Immer strahlend weiß, immer mit dem deutschen Adler auf der Brust, manchmal mit einer schwarz-rot-goldenen Fahne. Das ist Deutschland! So hat die Fußballnationalmannschaft zu ihren Spielen anzutreten.
Um die weißen Trikots wurde gekämpft. Was war das für ein Gekeife 1986, als die deutsche Mannschaft im Finale in grünen Hemden antreten musste. Ganz schlimm! Ging aber nicht anders, weil die Argentinier Heimrecht besaßen und in hellblau-weiß spielen wollten. Das Resultat ist bekannt. Jose Burruchaga erzielte in der 84. Minute den Siegtreffer für Argentinien. Vier Jahre später, Deutschland in weiß, Argentinien in dunkelblau: Und wer wurde dann Weltmeister? Wir natürlich!
Nun wird den Fans etwas erzählt von Farbpsychologie und positivem Denken und aggressiver Spielweise. Un-glaub-lich! Von so was reden normalerweise nur die Briten: "Play in red and shoot'em dead", forderte 1996 ein Boulevardblatt vor dem Halbfinale gegen Germany.
Helmut Rahn schoss das legendäre 3:2 gegen Ungarn in einem weißen Trikot, Gerd Müller das 2:1 gegen Holland auch. Und Andy Brehme beim 1:0 gegen Argentinien hatte ebenfalls ein weißes Hemd am Körper.
Egal, wer den entscheidenden Treffer beim WM-Finale 2006 für Deutschland erzielt. Ballack, Klose oder Podolski: Er muss ein weißes Trikot tragen.
