Ein privater Sicherheitsdienst hat den deutschen Kickern empfohlen, während der WM-Endrunde schusssichere Westen anzulegen.
Die deutschen Fans freuen sich auf das Turnier in Südafrika. Foto: dpa
Die deutsche Fußballnationalmannschaft sieht sich im Gastgeberland der Weltmeisterschaft 2010 derzeit Hohn und Spott ausgesetzt. Im Rundfunk und auf den Titelseiten mokierten sich Südafrikas Medien am Donnerstag über angebliche Äußerungen eines privaten Sicherheitsdienstes, der den deutschen Starkickern während der WM-Endrunde bei Ausflügen außerhalb ihres Mannschaftsquartiers das Anlegen von schusssicheren Westen empfahl. "Bitte schießt nicht auf uns, wir sind Deutsche!", titelte die seriöse Wirtschaftszeitung Business Day spöttisch.
Die auflagenstarke Zeitung The Star malte ihren Lesern bereits aus, was sie zur WM von den Deutschen zu erwarten haben: "Eine Gruppe deutscher Fußballstars, die in schusssicheren Westen durch Pretoria tapst und bewaffnete Leibwächter, die umschwirren wie Kellnerinnen bei einem Bierfest - das dürfen wir erwarten, wenn das Fußballteam des Landes auf den Rat hört, der angeblich von einer privaten Sicherheitsfirma gegeben wurde."
Das Blatt hatte den zitierten Chef der Sicherheitsfirma angerufen, die sich um die Bewachung des Nationalteams bei der ersten WM auf dem schwarzen Kontinent bewirbt. Im Magazin Sport Bild hatte er den Spielern mit Blick auf die hohe Kriminalität Personenschutz und Panzerwesten für das Verlassen des Teamhotels in Südafrika empfohlen. Er erklärte dem Star, die ihm zugeschriebenen Zitate seien erfunden.
Dagegen teilte die Sport Bild am Donnerstag mit: Das Zitat ("Die Möglichkeit für die Spieler, sich außerhalb des WM-Hotelgeländes frei zu bewegen, sollte auf ein Minimum reduziert werden. Andernfalls muss es das volle Programm geben: bewaffneter Personenschutz und Schutzwesten für die Spieler.") aus dem Munde von Günter Schnelle (Firma BaySecur/Leverkusen) sei nicht frei erfunden. Die Aussage sei autorisiert und zur Veröffentlichung freigegeben worden.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nahm die in Südafrika einsetzende Empörung so ernst, dass WM-Berater und DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt nach Angaben des Business Day über Südafrikas Nationales Organisationskomitee (NOK) eine Erklärung herausgab. Schmidt betonte in der Erklärung mit Nachdruck, dass die Aussagen nicht im Namen und Auftrag des DFB erfolgt seien. "Es ist Standard für den DFB während aller wichtigen Turniere die Sicherheitsmaßnahmen rund um unsere Nationalmannschaft genau zu planen, und das schließt die WM ein."
Mediendirektor Harald Stenger sagte am Donnerstag in Frankfurt: "Die Reaktionen aus Südafrika sind uns bekannt, wir haben sofort nach Veröffentlichung der falschen Berichte klargestellt, dass es nicht unseren Überlegungen entspricht, die Spieler mit schusssicheren Westen auszustatten."
DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn wird am Wochenende mit einer kleinen Delegation nach Südafrika reisen, um sich detaillierte Eindrücke vor Ort zu verschaffen. Stenger dazu: "Es ist doch selbstverständlich, dass es in Sicherheitsfragen keinen Alleingang des DFB geben kann. Alle Maßnahmen werden mit der Regierung und der FIFA genau abgesprochen. Wir haben volles Vertrauen, dass gemeinsam die erforderlichen Entscheidungen getroffen werden. Von uns ist noch kein Sicherheitskonzept für unser Team verabschiedet."
(dpa/jüsc)
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