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"Das trage ich aus Ideologie"
Tennis
15.04.2006, 16:27
Tennisprofi Waske mit Hang zum Fußball (Foto: ddp)
SZ: Herr Waske, was machen Sie am 29. April, wenn Eintracht Frankfurt im Pokal-Finale gegen die Bayern spielt?
Waske: Da bin ich noch beim Turnier in Casablanca. Oder auf dem Weg nach München zum nächsten Turnier.
SZ: Nicht in Berlin im Stadion?
Waske: Erstens hab’ ich keine Tickets. Zweitens kann ich mich nicht um Tickets kümmern, weil ich ja damit rechnen sollte, dass ich in Casablanca noch im Wettbewerb bin.
SZ: Es muss schwierig sein als Tennisprofi, seinen Fußballklub zu verfolgen.
Waske: Früher vielleicht, jetzt, mit Internet, ist das ganz einfach. Der Live-Ticker ist überall aktiv. Da steht dann halt: 18. Minute, Copado läuft allein aufs Tor, passt auf Amanatidis, der schiebt ein – 1:0. So geht das.
SZ: Sie müssen ein leidensfähiger Mensch sein. Die Eintracht war in der Vergangenheit nicht der solideste Klub.
Waske: Jaja, das ist ein hartes Brot, aber ich muss wirklich sagen: Seit der Herr Bruchhagen als Vorstandschef eingestiegen ist, gefallen mir alle Schachzüge sehr gut. Davor war es ein ziemliches Chaos, jetzt hat alles eine solide Linie.
SZ: Wenn es anders wäre, würden Sie wohl nicht in Wimbledon mit Eintracht-Wappen auftreten.
Waske: Naja, zu chaotischen Zeiten war ich ja auch Eintracht-Fan. Es gab Phasen, in denen haben wir mit Yeboah, Uwe Bein, Gaudino, Andy Möller unglaublichen Fußball gespielt. Aber die Zeiten waren chaotischer. Mir gefällt es jetzt einfach besser.
SZ: Wie kam es zu der Idee mit dem Wappen und Wimbledon?
Waske: Ich hatte mich um Tickets für das Duisburg-Spiel bemüht. Die Eintracht lud mich ein, und als die hörten, dass ich Frankfurter bin, waren die ganz überrascht und sagten: Da müssen wir was machen. Dann kam der Herr Feick vom Marketing mit der Idee.
SZ: Verstoßen Sie mit dem Wappen nicht gegen die Kleiderordnung?
Waske: Die Kleiderordnung in Wimbledon besagt, dass ich Weiß tragen muss. Aber ein so genanntes Patch auf den Ärmeln ist erlaubt. Das nutze ich für den Eintracht-Adler. Der darf dann halt nur so und so groß sein. Ich glaube, 19,2 Quadratzentimeter.
SZ: Das wird aber ein kleiner Adler.
Waske: Riesengroß wird der nicht. Der muss extra abgeändert werden.
SZ: Kriegen Sie was dafür?
Waske: Nein, das trage ich aus Ideologie.
SZ: Waren Sie selbst Fußballer?
Waske: Ja, ich spiele auch noch.
SZ: Trotzdem beim Tennis gelandet?
Waske: Ich war mit 14 Auswahlspieler im Fußball, und damals gab es ein Wochenende, an dem wir ein Abstiegsspiel hatten mit den Junioren meines Tennisteams und gleichzeitig ein Sichtungsturnier im Fußball, bei dem es hieß: Wer sich da bewährt, kommt in die nächsthöhere Auswahl. Ich habe damals beim BSC 1919 Fußball gespielt, das ist der alte Verein von Andreas Möller. Mein damaliger Jugendtrainer hielt viel von mir. Der redete immer von seiner linken Achse, weil wir da so ein Dreieck hatten: Wir hatten im zentralen Mittelfeld den Thomas Sobotzik, der später bei der Eintracht Profi war. Außenstürmer war der Michael Anicic, später auch Eintracht-Profi, und ich war linkes Mittelfeld. Der Trainer sagte: Du bist ein toller Fußballer, aber wenn du an dem Wochenende nicht da bist, kann ich für dich nichts tun. Mein Tennis-Jugendwart sagte: Wenn du nicht kommst, fliegst du aus der Förderung.
SZ: Ein klassisches Dilemma.
Waske: Da hab’ ich den Fehler gemacht, mich fürs Tennis zu entscheiden.
SZ: Das sehen Sie als Fehler?
Waske: Als großen Fehler. Nicht dass ich heute Tennisprofi bin, aber diese Entscheidung von damals. Denn wenn diese Tennisjunioren ohne mich abgestiegen wären – was sie wohl wären, weil wir 5:4 gewonnen haben und ich Einzel und Doppel gewonnen hatte -, wäre ich mit 14 immer noch die Nummer eins im Bezirk gewesen. Dann hätte es zwar hie und da ein bisschen Ärger gegeben, aber rausgeschmissen hätte mich keiner. Und im Fußball gab es nur diese eine Möglichkeit. Ich bereue es, dass ich nicht gucken konnte, was danach gekommen wäre.
SZ: Jetzt ist es zu spät.
Waske: Die Leidenschaft zum Fußball ist aber immer noch so groß, dass meine einzigen Dummheiten dem Fußball gewidmet sind. Es gibt ja so viele Sachen, die Tennisspieler nicht machen dürfen wegen der Verletzungsgefahr. Skifahren, snowboarden, nachts Rodeln gehen – das mache ich alles nicht. Oder Leuten beim Umzug helfen. Das ist das größte Nein. Wenn mich ein Freund fragt, ob ich beim Umzug helfen kann, sag‘ ich: Ich geb‘ dir lieber hundert Euro.
SZ: Aber Fußball spielen Sie.
Waske: Beim SV Sachsenhausen in der Kreisliga. Wenn ich da bin, bearbeite ich immer noch die linke Außenbahn, so gut es geht. Beim Tennis spiele ich zum Aufwärmen Fußballtennis. Und ein ganz großes Ereignis ist der Weihnachtskick in meinem Tennisverein, dem SV 1880 Frankfurt. Da kommen alle Chaoten von früher am 24. Dezember um zwölf zusammen, um zu Hause dem Weihnachtsaufbau zu entgehen. Das ist zwar asozial, aber das ist der größte Kick des Jahres. Der zählt. Mein Bruder hat den letzten übrigens mit einem meiner besten Freunde verloren. Wollt’ ich nur erwähnen.
SZ: Was ist, wenn Sie und die Eintracht gleichzeitig spielen?
Waske: Wie am Dienstag, da spielte die Eintracht im Pokal-Halbfinale gegen Bielefeld und ich in Houston.
SZ: Konnten Sie sich konzentrieren?
Waske: Während dem Match probiere ich, so viel wie möglich auszublocken. Aber danach hatte ich es eilig. Ich hatte drei Stunden gespielt und Krämpfe – trotzdem war das Erste, was ich nach meinem Sieg gemacht habe, nicht ein Besuch beim Arzt. Sondern ich bin direkt zur Players’ Lounge gehumpelt zum Computer. Ich hab’ einem gesagt: Geh mal weg. Bin kurz ins Internet – und dann wusste ich, dass der Tag gut war: Amanatidis, 16. Minute. Wir hatten gewonnen.
SZ: Was ist Ihre Prognose fürs Finale? Waske: Ich bin nicht so einer, der sagt: Wir können den Titel holen. Ich sehe das alles eher wirtschaftlich. Die absolute Priorität ist, die Klasse zu halten, weil man mit der nahezu gesicherten Uefa-Cup-Teilnahme Einnahmen hätte, mit denen man in der Bundesliga den Anschluss ans Mittelfeld schaffen könnte.
SZ: Sie sind aber ein vernünftiger Fan.
Waske: So sehe ich das halt. Mir ist das viel, viel wichtiger gewesen, dass wir das Halbfinale gewonnen haben.
SZ: Gut, danke für das Gespräch ...
Waske: Ich möchte noch sagen, dass wir Tennisspieler der Meinung sind, dass Mehmet Scholl bei der WM spielen sollte.
SZ: Oha.
Waske: Im Fußball sind wir uns nicht in vielen Dingen einig, weil wir fast alle Fans von anderen Vereinen sind. Nicolas Kiefer ist Hannover-Fan, Rainer Schüttler Dortmund-Fan, Björn Phau ist Köln, Michael Kohlmann Dortmund, Florian Mayer Bayern, Haas Bayern und Hamburg. Wenn wir gegen Hannover spielen, ist das immer was Besonderes. Wenn wir das 1:0 schießen, schicke ich dem Nicolas Kiefer eine SMS, dass er ’ne Pfeifentruppe hat. Gut, und beim 0:1 neulich musste ich mir blöde Sprüche anhören. Aber einig sind wir uns darin, dass Mehmet Scholl bei der WM in den letzten 20 Minuten eingewechselt werden muss. Das können Sie bitte reinschreiben: Wir möchten alle, dass Mehmet Scholl mitspielt.
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