VII. Stille Sieger
Der Künstler Rudi Kargus hat seine tabellarische Biographie im Internet veröffentlicht. Sie umfasst mehr als ein Dutzend Einträge, die meisten handeln von den Ausstellungen, die zuletzt von ihm zu sehen waren.
Der Angler Horst Hrubesch hat 1980 sein Hauptwerk veröffentlicht. Es trägt den Titel: "Dorschangeln vom Boot und an den Küsten". Der Spiegel nannte es einen "Klassiker der Angelliteratur".
Einer der frühen Einträge in Kargus’ Biographie im Internet lautet: "1971 - 1989 Profifußballer in Hamburg, Nürnberg, Köln und anderen Städten." Kargus, 55, war ein großer Torwart, er war Meister mit dem Hamburger SV, später ist er Maler geworden. Für so viele ist die Zeit im Fußball, die Zeit im Licht, alles. Kargus hat 18 Jahre im Fußball in zwei Zeilen gebracht. Zwei Zeilen in seinem Leben, in dem der Fußball nur das Vorspiel ist. Horst Hrubesch, 57, wurde Kopfball-Ungeheuer genannt, im Jahr seines größten Erfolges erzielte er überdies beide Tore zum deutschen EM-Sieg gegen Belgien (2:1).
VIII. Die Notorischen
Als Katarina Witt 1998 Nacktfotos im Playboy veröffentlichte, war angeblich die komplette Auflage ausverkauft, weltweit. Als Witt bei RTL in der
Jury der Show "Let’s Dance" saß und bei Pro Sieben in der Sendung "Stars auf Eis" auftrat, war das Pendant zur Auflage - die Quote - nicht ganz so überwältigend.
Als Franziska van Almsick im Jahr 2000 keine Goldmedaille gewonnen hatte, bedachte sie die Zeitung B.Z. mit der Schlagzeile "Franzi van Speck - als Molch holt man kein Gold." Sie hat diese unglaubliche Gemeinheit weggesteckt, obwohl sie gerade eine Essstörung überwunden hatte. Mittlerweile versucht sie ein normales Leben zu führen und sagt der Illustrierten Gala, sie sei erwachsen und mehr sie selbst, "und doch anders, reifer, fraulicher".
Boris Becker ist eine Werbefigur für Poker im Privatfernsehen. Er sieht immer mehr aus wie Rolf Eden, der Mann, den sie in Berlin Playboy nennen. Manchmal sitzt Becker an der Bar der Münchner Disko P1, manchmal sitzen noch ein paar Frauen dabei.
Berti Vogts ist Fußballtrainer abseits des großen Fußballs. Zuletzt trainierte er an sehr abgelegenen Orten wie Leverkusen, Kuwait, Schottland und Nigeria. Nun tritt er in Aserbaidschan an. Einen Satz hat er gesagt, der zwar nicht an Beckenbauer, Best und Wittgenstein heranreicht, aber doch auch sehr schön ist: "Wenn ich übers Wasser laufe, sagen meine Kritiker: ,Nicht mal schwimmen kann er.‘"
Lothar Matthäus ist Vielredner und Fußballtrainer abseits des großen Fuß-balls. Zuletzt trainierte er an sehr abgelegenen Orten wie Wien, Belgrad, Budapest, Paranaense in Brasilien und Salzburg in Österreich. Nun tritt er bei Maccabi Nentanya in Israel an, wozu Uli Hoeneß, der eine Wurstfabrik und den FC Bayern aufgebaut hat, vergnügt bemerkte: "Hoffentlich hat die Frau Merkel demnächst nicht so viel Arbeit, um die diplomatischen Beziehungen wieder zu verbessern."
Katarina Witt, 42, gewann 1984 und 1988 olympisches Gold im Eiskunstlauf. Franziska van Almsick, 30, gewann 1992 und 1996 olympisches Silber im Schwimmen, dazu einige Welt- und Europameisterschaftstitel. Boris Becker, 40, gewann als Tennisspieler sechs Grand-Slam-Turniere, allein dreimal das in Wimbledon. Berti Vogts, 61, wurde 1974 als Spieler Fußball-Weltmeister und 1996 als Trainer Europameister. Lothar Matthäus, 47, wurde 1990 als Spieler Fußball-Weltmeister und ist Rekordnationalspieler.
IX. Auf dem bestem Wege
Wayne Rooney ist 22 Jahre alt. Er ist ein unfassbar guter Fußballer, er verströmt eine Urgewalt, die der Mannschaft von Manchester United das Thema gibt, all’ den Feinspielern, Strategen und Sicherheitsexperten zum Trotz. Wenn es eng wird für Manchester, spielt die Elf sofort Rooneys Thema: Punkrock.
Eine Weile ging Rooney gern in den Puff, er hatte eine Vorliebe für Charlotte, die älter war als er, deutlich älter. Einmal, es war eine schöne Nacht, wie er fand, hinterließ er eine Notiz: "To Charlotte, I shagged u on 28 Dec. Loads of love, Wayne Rooney."
Er sagte damit der Frau, mit der er gerade für Geld Sex gehabt hatte, dass er gerade Sex mit ihr gehabt hatte. Bemerkenswert erscheint, dass er die Nachricht mit seinem Vor- und seinem Nachnamen unterschrieb. George Best, Rooneys Bruder im Geiste, hätte seinen Vornamen einfach weggelassen.
Eines Tages wird auch Wayne Rooney ein Fußballer gewesen sein.
(SZ vom 17.05.2008/mb)
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