Von Christian Zaschke

Wenn große Sportler ihre Karriere beenden, kann es so oder so kommen. Eine Revue über das Leben danach.

Oliver KahnGrossbild

Bayern-Keeper Oliver Kahn beendet am letzten Spieltag der Saison 2007/08 seine Karriere. (Foto: AP)

An diesem Samstag, um 17.15 Uhr, beendet der Torwart des FC Bayern, Oliver Kahn, seine Karriere. Wo das hinführt?

I. Die Trinker, Fußballer

Als 2005 der Nordire George Best in Belfast zu Grabe getragen wurde, kamen 100.000 Menschen, um den Sarg zu begleiten. Best war 59 Jahre alt geworden. Nicht wenige seiner Freundinnen trugen den Titel einer Miss World, er wurde in seiner besten Zeit der "fünfte Beatle" genannt. Er soff - auch nach einer Lebertransplantation. Er wurde fett, wieder dünner, wieder fetter, seine Frauen jedenfalls wurden stets jünger. Legendär ist sein so oft zitierter Spruch: "Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst." Egal, ob das nun gewitzt gesagt oder dumm dahergeredet war: Der Satz macht Best zum Prototypen des Sportlers, der ein Leben im Exzess führt. Best lebte im freien Fall, es dauerte nur lange, bis er aufschlug. Und besser noch als mit seinem im Kern so wahnwitzigen Bonmot lässt sich sein Leben mit einem Zitat Ludwig Wittgensteins beschreiben. Man muss dazu nur ein kleines Wort etwas anders verstehen: "Die Welt ist alles, was der Fall ist."

1987 veröffentlichte die Band The Wedding Present das Album "George Best". Darauf ist ein Foto von Best zu sehen, er sieht unglaublich gut aus, lässig, er steht auf dem Fußballplatz, und eine Aura umgibt ihn. Er wirkt gelassener als Steve McQueen. Das Bild entstand kurz bevor er sich der Welt zuwandte. Der Welt, die der Fall ist. George Best war Fußballer, ein unfassbar guter, er spielte für Manchester United. Im Vergleich zu Best wirken andere Trinker harmlos, obwohl auch sie ihr zweites

Leben verpfuscht haben. Helmut Rahn musste immer bei jetzt doch noch einem Pils die Geschichte seines Tors aus dem WM-Finale 1954 gegen Ungarn erzählen. Er war Fußballer, er starb 2003.

Paul Gascoigne, heute erst 40 Jahre alt, hat die Grenzen des englischen Worts binge erweitert. Binge heißt Sauftour, doch für Gascoigne führte der Boulevarde neue Kategorien ein: Three-Day-Binge. Four-Day-Binge. Ein Mitzecher Gascoignes ist auf einer dieser Touren gestorben.

Gascoignes Übergang ins Leben? 2005 wurde er Trainer in der sechsten englischen Liga und aber nach sechs Wochen entlassen, weil er zu oft betrunken zum Training gekommen war. Vor ein paar Wochen wurde er zu seinem eigenen Schutz festgenommen, nachdem er im Londoner Millennium-Hotel einen Selbstmordversuch in der Badewanne unternommen hatte. Gascoigne war englischer Nationalspieler. Im EM-Halbfinale 1996 gegen Deutschland verpasste er in der Verlängerung beim Stand von 1:1 eine Hereingabe um einen Hauch. Es wäre das Siegtor gewesen.

Da hatte Gerd Müller Glück. In Fort Lauderdale eröffnete er Ende der siebziger Jahre ein Steakhouse, ohne Erfolg; er kam wieder nach Deutschland und trank. Eine Weile ging das so, dann kümmerte sich der FC Bayern um ihn. Er bekam einen Job als Nachwuchstrainer, und alles wurde gut. Müller, 62, war der beste Stürmer, den die Bayern und die deutsche Nationalmannschaft je hatten.

II. Die Liebenden I

Im Oktober 2001 haben Stefanie Graf und Andre Agassi geheiratet. Manchmal treten sie gemeinsam im Fernsehen auf, und selbst Hartherzige und Zyniker erkennen, dass die beiden einander tief verbunden sind. Graf und Agassi nannten ihre Kinder Jaden Gil und Jaz Elle, doch niemand mochte sie dafür verhöhnen. Niemand verhöhnt das Glück. Graf sitzt einer wohltätigen Stiftung vor, Agassi schwärmt von seiner Frau, wozu sie glücklich lächelt. Stefanie Graf, 38, genannt Steffi, ist die bisher erfolgreichste Tennisspielerin der Welt. Andre Agassi, 38, ist einer von fünf Spielern, die alle vier Grand-SlamTurniere gewannen.

Auf der nächsten Seite: Die Liebenden II, Franz und Uwe und Fußball-Geschäftsleute.

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Leserkommentare (1)



19.05.2008 15:39:29

derblauebarbar: Ich finde die Betrachtung großartig!

Dies statt aller Kritik.


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