Von Thomas Kistner, Hans Leyendecker und Johannes Nitschmann

Der Schiedsrichter erhebt schwere Vorwürfe gegen andere Referees, während die Staatsanwaltschaft Berlin nun auch Spuren ins Ausland verfolgt.

 
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Die Staatsanwaltschaft Berlin verfolgt im Wettskandal neue Spuren. Die Ermittler interessieren sich nun für Verbindungen der drei inhaftierten kroatischen Brüder Ante, Milan und Philip S. ins Ausland. Dabei soll festgestellt werden, ob die Berliner Zelle eigenständig arbeitete oder Teil eines international operierenden Netzwerks war.

Bei Razzien in Wohnungen und Büros der Brüder waren auch Transfers von britischen und italienischen Wettbüros festgestellt und Wettscheine aus dem Ausland gefunden worden. Ein- und Auszahlungen werden derzeit von Polizeiexperten mit Wetteinsätzen verglichen.

Die Strafverfolger hegen auch den Verdacht, dass es in anderen deutschen Städten zugegangen sein könnte wie im berüchtigten Cafe King. Belege dafür haben sie nicht, doch vermutet wird, dass Betrügereien nicht nur aus Berlin gesteuert wurden. Dabei fällt auf, dass die mit auffälligen Wettmustern versehene Zweitliga-Partie Aue-Oberhausen vom 18. Dezember bisher keine Rolle spielte bei den Ermittlungen.

Interessanterweise besteht ein Teil des ausgewerteten Materials aus Beschlagnahmungen in einem anderen Verfahren, das vom Berliner Landeskriminalamt, Dezernat 311 GFG, seit Sommer 2004 gegen Ante S. geführt wird. Dabei geht es um Geldwäsche.

Falsch gewettet

Auch verfolgen die Ermittler offenbar Spuren ins Rotlichtmilieu. So sollen einige Schiedsrichter Stammgast in einem Frankfurter Bordell gewesen sei. Aus Schiedsrichterkreisen wird bestätigt, es sei zumindest eine Zeit lang üblich gewesen, dass Profiklubs etwa in Frankfurt oder Berlin Betreuer abgestellt hätten, die für Versorgung und Wohlergehen der schon am Vortag anreisenden Schiedsrichter-Gespanne zuständig gewesen seien.

In Einzelfällen habe es dabei Sonderwünsche gegeben – auch dies sei in Teilen der Schiedsrichterszene bekannt.

Der in den Blickpunkt der Ermittlungen geratene Schiedsrichter Jürgen Jansen will indes seinen Unschuldsbeweis auf ungewöhnliche Art führen und bei einer Video-Pressekonferenz am Freitag in Passau die Manipulationsvorwürfe widerlegen. Anwalt Stephan Reiffen bestätigte dies gestern der SZ.

Auf einer Videoleinwand sollen Szenen von umstrittenen Bundesliga-Partien mit Jansen als Schiedsrichter gezeigt werden, darunter wohl auch die fraglichen Spiele Kaiserslautern - Freiburg von November 2004 sowie das Zweitliga-Spiel Dynamo Dresden - Unterhaching.

Manipulationen auch fehlgeschlagen

Derweil hat Hoyzer bei der Staatsanwaltschaft weiterführende, teils auch neue Angaben gemacht. Er korrigierte Angaben aus der ersten Vernehmung, bei denen er nicht richtig verstanden worden sei. Zudem beantwortete er Fragen, die Staatsanwältin Leister (Abteilung 68) schriftlich gestellt hatte, und präzisierte Angaben zu mutmaßlichen Verstrickungen von einzelnen Spielern.

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