"Das Wichtigste ist der Schlaf der Spieler"
Halbfinale im DFB-Pokal
17.04.2007, 08:56
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"Man hat immer Realisten im Team und immer ein paar Spinner": Hans Meyer, Trainer des 1.FC Nürnberg. (Foto: AP)
Hans Meyer ist nicht nur der dienstälteste Trainer im deutschen Profifußball, sondern auch der mit der vielschichtigsten Karriere. Wie kein anderer feierte er Erfolge sowohl in der DDR als auch im Fußball nach der Wende. Mit Carl Zeiss Jena zog er 1981 ins Finale des Europapokals ein. Im Frühjahr 2000 gelang ihm mit Borussia Mönchengladbach der Aufstieg in den Kreis der Bundesligatrainer. Seitdem festigte er seinen Ruf als Erfolgscoach bei sportlich gefährdeten Vereinen. Den 1. FC Nürnberg führte er in 16 Monaten vom letzten Tabellenrang auf einen Uefacup-Platz.
SZ: Herr Meyer, beim Italiener auf dem Club-Gelände gibt es neuerdings eine Hans-Meyer-Pizza. Haben Sie die schon mal probiert?
Meyer: Ja klar, da sind Scampi drauf und richtig viel Knoblauch. Schmeckt natürlich hervorragend.
SZ: Die Hans-Meyer-Pizza kostet 9,80 Euro. Fühlen Sie sich da angemessen bewertet?
Meyer: Absolut. So viel bin ich wert.
SZ: In Nürnberg ist fast schon eine Art Personenkult um Sie ausgebrochen, was auch daran liegt, dass der Club unter Ihrer Leitung erstmals nach 25 Jahren wieder das Pokalfinale erreichen kann. Haben Sie in dieser historischen Woche irgendetwas anders gemacht?
Meyer: Ich halte nichts davon, die Arbeit wegen solch äußerer Einflüsse zu verändern. Sie werden es bei mir auch nicht erleben, dass ich aus Freude über einen Sieg plötzlich zwei Tage frei gebe oder dass ich nach einer Niederlage ein Straftraining ansetze. Das ist populistischer Quatsch. So ein Trainingsaufbau ist etwas Kontinuierliches und Durchdachtes, das darf nicht resultatsabhängig sein.
» Die Leute können ruhig davon ausgehen, dass Hans Meyer am besten weiß, was in seiner Mannschaft steckt. « Hans Meyer |
SZ: Spürt die Mannschaft denn den Hauch der Geschichte?
Meyer: Die Spieler sind da ganz gelassen, sie wissen ja, dass sie die Zielstellung für diese Saison erreicht haben. Wir wollten erstens nie etwas mit dem Abstieg zu tun haben, und das hatten wir keinen einzigen Spieltag lang. Zweitens haben wir gesagt, dass es doch eine feine Sache wäre, wenn wir zwischen Platz zwölf und neun landen könnten. Der einstellige Tabellenplatz ist greifbar nah, und ich denke, das muss auch die Zielstellung für die nächsten vier, fünf Jahre sein. Gelingt das, hat der Club die historische Chance, sowohl finanziell als auch kadermäßig aus dem Aufstieg-Abstiegs-Kreislauf rauszukommen.
SZ: Trotzdem werden Sie jeden Samstag gefragt, ob Sie nicht die Ziele neu definieren wollen.
Meyer: Ich kann diese Frage nicht mehr hören. Was wäre ich denn für ein Trainer, wenn ich nicht wüsste, dass wir ein Pokalfinale und einen Uefacup-Platz in Reichweite haben? Natürlich sind das jetzt Ziele, aber ich muss das doch nicht jedes Wochenende neu erzählen. Manchmal erklären einem kluge Leute von außen, dass man umso produktiver ist, je höher man das Ziel definiert. Nichts stimmt weniger als das. Vor 14 Monaten waren wir noch Letzter und galten als Schießbude der Nation, das darf niemand vergessen. Die Leute können ruhig davon ausgehen, dass Hans Meyer am besten weiß, was in seiner Mannschaft steckt.
SZ: Weiß die Mannschaft das? Oder schwebt die schon in höheren Sphären?
Meyer: Es wäre vermessen zu behaupten, dass man alle Spieler in dieselbe Richtung kriegt. Man hat immer Realisten im Team und immer ein paar Spinner, und wie viel man in den Köpfen der Spieler wirklich bewegt, das lässt sich schwer abschätzen. Aber meine Erfahrung ist: Ständige Wiederholung hilft.
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