Von René Hofmann

In der vergangenen Woche platzte der Kampf zwischen Nikolai Walujew und Ruslan Chagaev, nun der zwischen Wladimir Klitschko und David Haye. Seinen Wert steigert das Boxen gerade nicht.

Wladimir Klitschko

Wladimir Klitschko wird am 20. Juni auf Schalke boxen - nur gegen wen? Foto: Getty

Preisfrage: Was haben Kevin Johnson, Brian Minto, Michael Grant, Odlanir Solis, Alexander Dimitrenko, Eddie Chambers und Alexander Powetkin gemein, außer dass sie Profi-Boxer sind, aber keine echten Box-Größen? Antwort: Sie würden Ende Juni in der Arena in Gelsenkirchen alle gerne gegen Wladimir Klitschko antreten.

Der Ukrainer ist auf der Suche nach einem neuen Gegner, seit ihm am Mittwochabend überraschend sein bisheriger abhanden kam. Der Brite David Haye hat sich im Trainingslager verletzt. Vielleicht am Rücken. Vielleicht auch an der Hand. So genau weiß das keiner, wie im Moment beim Boxen im Allgemeinen und beim Schwergewichts- Boxen im Besonderen recht viel undurchschaubar wirkt.

In der vergangenen Woche platzte der Kampf zwischen Nikolai Walujew und Ruslan Chagaev, der am Samstag in Helsinki geplant gewesen war. Der Grund dafür: Finnische Ärzte hatten entdeckt, was in der Szene schon länger bekannt war- Chagaev hat Hepatitis B. Eine Schutzimpfung wäre möglich gewesen. Doch der 2,13 Meter große Walujew lehnte ab. Jetzt lehnt der 35-Jährige auch ab, gegen Klitschko einzuspringen. So leicht könne er sich nicht von einem 1,81 Meter großen Rechts- auf einen zwei Meter großen Normalausleger umstellen, lässt Walujew mitteilen. Naja. Das klingt verdächtig nach einer Ausrede.

Fast 60000 Karten sind für die Boxnacht in Gelsenkirchen bereits verkauft. Um das Spektakel noch halbwegs zu retten, bietet sich eigentlich nur noch eine Möglichkeit: Klitschko lässt sich impfen - und der Hepatitis-B-Träger Chagaev springt ein. Kommt das Duell nicht zustande und stattdessen einer wie Johnson, Minto, Grant, Solis, Dimitrenko, Chambers oder Powetkin zum Zug, droht dem Sport ein Tiefschlag.

Denn schlechter als eine schlechte Show ist nur eines: eine, für die erst großartig getrommelt wird, die dann aber gar nicht zustande kommt. Wie es um den Wert des Sports steht, ließ sich jüngst erkennen, als die TV- Anstalten andeuteten, künftig weniger für die TV-Rechte zahlen zu wollen. Seinen Wert steigert das Boxen gerade nicht. Im Gegenteil.

(SZ vom 05.06.2009/jüsc)