Die 21-jährige deutsche Biathlethin Magdalena Neuner hat bei den Biathlon-Weltmeisterschaften die komplette Weltelite deklassiert. Sie holte zum ersten Mal in ihrer Karriere Massenstart-Gold.

Das fünfte WM-Gold in ihrer Karriere: die deutsche Biathletin Magdalena Neuner. Foto: AP

Magdalena Neuner hat das Massenstartrennen der Biathlon-WM in Östersund gewonnen und damit im erst achten WM-Rennen ihrer Karriere bereits die fünfte Goldmedaille geholt.

Am Tag, als neue Dopinggerüchte für Aufregung im deutschen Lager sorgten, gewannen zuvor die Staffel-Männer Bronze hinter Russland und Norwegen. Es waren die Medaillen sechs und sieben für den Deutschen Skiverband (DSV) in Schweden.

"Ein Wahnsinn. So brutal schnell bin ich überhaupt noch nie gelaufen. Mir brennt die Lunge jetzt noch", sagte Magdalena Neuner, die ganze drei Sekunden vor der enorm starken Norwegerin Tora Berger ins Ziel gestürmt war: "Jetzt habe ich auch die Einzelmedaille, die ich mir wünschte, und bin überglücklich."

In einem dramatischen Rennen setzte sich "Gold-Lena" durch zwei fehlerfreie Schießeinlagen und den gewohnten Turbo-Antritt auf der Strecke schon bei Halbzeit des 12,5-km-Rennens weit vom Feld ab und schaffte sich so den entscheidenden Minuten-Vorsprung vor ihrer Wackeldisziplin Stehendschießen.

Dort musste sie zwar viermal in die Strafrunde und geriet so durch Berger und die am Ende drittplatzierte 15-km-Weltmeisterin Jekaterina Jurjewa (Russland) unter Druck, konnte aber mehrere Attacken der Norwegerin kontern. "Eine tolle Leistung von Lena. Sie hat die taktische Marschroute voll umgesetzt", sagte Uwe Müssiggang.

Der Coach hatte seiner Musterschülerin "vollen Angriff von Anfang an" verordnet. "Gut war auch, dass sie nach zwei Fehlern beim letzten Schießen die Ruhe behalten hat, absetzte und so die letzten drei Scheiben noch traf. Ich bin begeistert."

Im Gegensatz zu Neuner hatten die anderen deutschen Mitfavoritinnen mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. Titelverteidigerin und Doppel-Weltmeisterin Andrea Henkel (Großbreitenbach) schoss gleich achtmal daneben und wurde nur 22.

Zwei Tage nach dem Gewinn von 15-km-Silber verfehlte Martina Glagow (Mittenwald) gleich ihre drei ersten Ziele, war damit zwischenzeitlich Letzte und kämpfte sich noch auf Platz sechs nach vorn. Kati Wilhelm (Zella-Mehlis) wurde Achte.

"Ich habe schon nicht mehr an Bronze geglaubt, aber gekämpft", sagte Michael Greis, der Staffelbronze im Zielraum gemeinsam mit den Staffel-Gefährten Michael Rösch, Alexander Wolf und Andreas Birnbacher wie einen Sieg feierte. "Der Greis ist auch nicht gerade der Nasenbohrer der Nation, er hat mich im richtigen Moment auf dem falschen Fuß erwischt", anerkannte der Österreicher Christoph Sumann, der vom deutschen Olympiasieger am letzten steilen Anstieg überholt wurde und am Ende um vier Zehntelsekunden geschlagen war.

Nachdem auf einer im Zuge einer anonymen Anzeige in Österreich aufgetauchten Liste aktuelle und frühere deutsche Top-Skijäger als mögliche Doping-Kunden in Wien namentlich aufgeführt worden waren, hielten die deutschen Staffel-Olmpiasieger dem entstandenen Nervendruck beim Schießen nicht ganz stand.

14 Fehler und Strafrunden von Michael Rösch sowie Andreas Birnbacher standen zu Buche. Dennoch fand Bundestrainer Frank Ullrich: "Eine ganz stark erkämpfte Medaille. Auch wenn die Jungs insgesamt nicht das gebracht haben, was sie können. Aber angesichts des ganzen Schlammassels rundherum bin ich sehr zufrieden."

Die von Startläufer Rösch eingesammelten 43 Sekunden Rückstand konnte der überzeugende Alexander Wolf zwar wieder aufholen, aber auch Birnbacher und Greis schossen zu schwach. Am Ende kämpfte Greis mit einer Energieleistung wenigstens seinen Kontrahenten Sumann noch nieder, der mit 7,3 Sekunden Vorsprung zum deutschen Olympiasieger in die Schlussrunde gestartet war.

(sid, Peter Stracke/jkr)