Von Johannes Aumüller

Die Entlassung von Jürgen Röber bei Saturn Ramenskoje zeigt: Ausländische Trainer haben es in der russischen Liga schwer.

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Jürgen Röber wurde nach nur neun Monaten bei Saturn Ramenskoje entlassen. Foto: dpa

Ein letztes Mal noch ging Jürgen Röber über das Trainingszentrum des FC Saturn Ramenskoje, um das ihn selbst Milan-Trainer Carlo Ancelotti beneidet haben soll. Ein letztes Mal noch wunderte sich Röber über den Fuhrpark mit den Bentleys und Jaguars, für die selbst die Reserve-Spieler genügend Geld verdienen. Und ein letztes Mal noch quälte er sich durch die Blechlawinen auf den Straßen rund um die russische Hauptstadt. Anschließend war am Freitag die Zeit des 55-Jährigen beim Moskauer Vorort-Klub Saturn Ramenskoje vorbei. Entlassen nach neun Monaten, nur einem Sieg aus den ersten acht Saisonspielen (die russische Liga spielt nach dem Kalenderjahr) samt Sturz auf Rang 15.

In Röber ist in der finanzstarken Liga erneut ein prominenter ausländischer Trainer gescheitert. Kurz zuvor feuerte Spartak Moskau den Dänen Michael Laudrup, der erst im September 2008 das Team übernommen hatte. In der jüngeren Vergangenheit erging es dem Italiener Nevio Scala (Spartak Moskau, November 2003 bis Oktober 2004) und dem Portugiesen Artur Jorge (ZSKA Moskau, November 2003 bis Juli 2004) ähnlich.

Röber&Co. scheiterten vor allem aus zwei Gründen. Zum einen hatten sie Schwierigkeiten mit der russischen Mentalität im Allgemeinen und der Mentalität der russischen Fußballer im Speziellen - und somit Probleme, die Spieler zu erreichen. Viele russische Akteure sind technisch zwar hoch veranlagt, aber sowohl emotional als auch fußballerisch etwas ruhiger und insgesamt schnell zufrieden, weil sie früh viel verdienen und viele Schulterklopfer ernten. Entsprechend schwierig sind manche zu motivieren.

Hinzu kommen die Sprachprobleme. Laudrup erklärte soeben: Ein Engagement beim VfLWolfsburg sei für ihn auch deshalb kein Thema, weil er die Sprache nicht beherrsche; diese Lektion habe er in Moskau gelernt. Auch Röber benötigte einen Dolmetscher.

Zum anderen war es für diese Trainer nie einfach, mit dem Umfeld zurecht zu kommen. Die Anforderungen sind ohnehin hoch, und wenn ein prominenter Ausländer kommt, steigen sie ins Uferlose. In den Klubs wimmelt es von Generaldirektoren, Sportdirektoren, Vorstandsberatern, die sich alle berufen fühlen, die Lage des Klubs zu debattieren, gerne auch lautstark in der Öffentlichkeit. Und manchmal thront, wie im Fall von Röber, über all diesen Funktionären ein Entscheider, der vom Fußball gar keine Ahnung hat. Weil der Hauptfinanzier von Saturn Ramenskoje die Regional-Regierung des Moskauer Gebietes ist, hat im Klub Gouverneur Boris Gromow das letzte Wort, ein ehemaliger General.

Bis vor kurzem galt es als chic, ausländische Trainer zu verpflichten, ungewiss ist, ob der Trend anhält. Bei Spartak übernehmen zwei bekannte russische Namen: Sportdirektor Walerij Karpin fungiert als Interimstrainer, der reaktivierte Oleg Romanzew als Trainer-Berater. Und manche Verantwortliche blicken interessiert nach Kasan oder nach Perm, wo in der zurückliegenden Saison der Turkmene Kurban Berdyjew und der Montenegriner Miodrag Bozovic hervorragende Ergebnisse erreichten - Ausländer, die nicht so bekannt sind, aber Mentalität und Sprache besser verstehen.

Zur Zeit sind (noch) zwei prominente Ausländer in der russischen Liga tätig. Der Brasilianer Zico coacht seit dieser Saison ZSKA und liegt auf Platz eins, muss sich aber Kritik anhören: Bisher habe er dem Klub nichts Neues gebracht. Und der Niederländer Dick Advocaat, der mit viel Geld und starken Spielern (Timoschtschuk, Arschawin, Pogrebnjak) Zenit St.Petersburg zu Meisterschaft (2007) und Uefa-Pokal-Sieg (2008) führte, steht kurz vor dem Abschied: Er übernimmt wohl zum Jahresende die Nationalelf von Belgien.

(SZ vom 19.05.2009)