SZ: Warum haben Außenverteidiger heutzutage eine so wichtige Rolle?
Lahm: Das Spiel hat sich geändert. Es ist viel schneller geworden, deshalb ist es enorm wichtig, dass die Zentrale dicht ist. Also hat der Sechser in der Mitte viel mehr Defensivarbeit zu verrichten - dafür werden die Außenverteidiger viel mehr in die Offensive einbezogen.
SZ: Aha: Der Sechser muss nach hinten schuften, der Außenverteidiger darf nach vorne rennen - daher Ihre Vorliebe für diese Position...
Lahm: (lacht) Nein, nein, so habe ich das nicht gemeint.
SZ: Sie gehören mit 24 Jahren zur aufstrebenden Nationalspieler-Generation der "jungen Zwanziger". Kommen deren goldene Jahre erst noch?
Lahm: Wir haben ganz klar den Anspruch, 2010 um den Titel mitzuspielen.
SZ: Spieler im klassischen besten Fußballeralter, zwischen 28 und 30, gibt es im Nationateam derzeit kaum.
Lahm: Das stimmt - aber 2010 werden wir viele Spieler haben, die langsam in diese Altersgruppe reinpassen.
SZ: Ist es im modernen athletischen Fußball so, dass Spieler über 30 mit der Fitness immer mehr Probleme kriegen?
Lahm: Es gibt natürlich immer Ausnahmen. Schauen Sie sich Zé Roberto bei Bayern an: 34, topfit, dynamisch! Aber Fakt ist: Fußball wird immer, immer schneller. Damit kommen junge Leute besser zurecht - auch bei uns in Deutschland kommen immer mehr Talente nach vorn, die ein hohes Niveau haben.
SZ: Spiele aus den Siebzigern wirken heute wie Zeitlupenfußball. Werden die Leute in 20 Jahren auch sagen: Guck mal, wie langsam der Lahm da draußen am Flügel gekickt hat?
Lahm: Gut möglich, ja. Die Zeiten ändern sich, alles entwickelt sich, der Fußball, die Welt, die Technik. In 20 Jahren wird der Kühlschrank wahrscheinlich auch nicht mehr in der Ecke stehen. Da geht der Kühlschrank neben dir her und gibt dir die Cola-Flasche in die Hand.
(SZ vom 05.09.2008/mb)
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