Interview von Christof Kneer

Hermann Gerland, Amateurtrainer des FC Bayern, über Trochowski sowie Schweinsteiger und Lahm, die sich einst in seiner Mannschaft kennenlernten.

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Spielkameraden einst in München, Spielkameraden heute: Bastian Schweinsteiger (li.) und Piotr Trochowski. Foto: AP

SZ: Herr Gerland, haben Sie sich beim Betrachten des Länderspiels gefreut?

Gerland: Da können Sie Gift drauf nehmen, dass ich mich gefreut habe.

SZ: Ist Ihnen bewusst, dass Sie der Mann des Abends waren?

Gerland: Ich kann mir denken, was Sie meinen, aber dazu kann ich nur sagen: Ich habe das 1:0 nicht geschossen. Das war der Piotr schon selber.

SZ: Nach dem Spiel konnte man aber meinen, es sei ein Klassentreffen ehemaliger Bayern-Amateurspieler im Gang. Trochowski hat gesagt, dass er auf der linken Seite so gut mit Lahm harmoniert, weil sich beide von den Bayern-Amateuren kennen und...

Gerland: ... wobei die bei mir nie gemeinsam auf einer Seite gespielt haben. Der Philipp war bei mir Rechtsverteidiger, Piotr spielte im zentralen Mittelfeld.

SZ: Und Bastian Schweinsteiger sagte, dass Trochowskis Schuss ihn nicht überrascht habe, weil er den von den Bayern-Amateuren schon kennt.

Gerland: Ja, der Bastian war auch in dieser Mannschaft damals, er hat im rechten Mittelfeld gespielt.

SZ: Zwischen fünf und sieben Jahre ist das jetzt her: War Ihnen damals schon klar, dass Sie drei künftige Nationalspieler in der Mannschaft haben? Gegen Wales waren Ihre drei ehemaligen Bayern-Amateure die besten deutschen Spieler.

Gerland: Wer bei den Bayern-Amateuren spielt, hat grundsätzlich immer das Potential, es nach oben zu schaffen. Misimovic hat ja auch in dem Team gespielt, der ist jetzt bosnischer Nationalspieler.

SZ: Wer war der Beste damals?

Gerland: Ich sage ja immer, dass ich nie einen besseren 17-Jährigen betreut habe als Philipp Lahm. Der Philipp hat sich damals schon geweigert, Fehler zu machen, da war er Bastian und Piotr weit voraus. Er ist aber auch ein Jahr älter als die beiden, und er hatte den Vorteil, dass er als Abwehrspieler in erster Linie reagieren musste. Die anderen beiden mussten agieren. Beim Bastian ging's auf und ab damals, aber es war schon zu erkennen, dass er eine Kämpferseele ist. Der hat sich auch von schlechten Spielen nicht unterkriegen lassen. Piotr dagegen hat sich von schwächeren Spielen runterziehen lassen. Wenn er nicht gut gespielt hat, hat er die nächsten drei Spiele noch gegrübelt, wie das passieren konnte.

SZ: Und? Wie konnte das passieren?

Gerland: Bei Piotr gab's ein ganz simples Problem: Der konnte immer so gut mit dem Ball umgehen, dass er ihn nie mehr hergeben wollte. Ich hab immer gesagt: Piotr, du musst nicht an der Mittellinie losdribbeln, von da kann kein Mensch ein Tor schießen. Er hat oft um des Dribbelns willen gedribbelt und das ganze Tempo aus dem Spiel genommen. Manchmal hat er den Ball 40 Sekunden geführt und dabei 40 Zentimeter Raum gut gemacht. Ich hab immer gesagt: Piotr, spiel' einfacher! Wenn du das vordere Spielfelddrittel erreicht hast, dann darfst du dribbeln, und dann darfst du ein Dribbling ruhig auch mal verlieren.

SZ: Haben Sie ihm diesen tollen Schuss beigebracht?

Gerland: Nein, der konnte schon alles.

SZ: Sie sind immer so bescheiden. Bei Philipp Lahm sagen Sie auch immer, Sie hätten ihm nichts beigebracht.

Gerland: Der konnte ja auch schon alles... Aber wenn ich unbescheiden sein soll, kann ich darauf hinweisen, dass ich auch Arne Friedrich in den Profifußball gebracht habe. Ich habe ihn damals aus Verl nach Bielefeld geholt. Ich betrachte mich schon als Förderer dieser Jungs, aber ausgebildet worden sind die von unseren Jugendtrainern, nicht von mir.

SZ: Wie haben Sie Trochowskis Potential damals eingeschätzt?

Gerland: Mir war klar: Wenn er kapiert, dass er den Ball laufen lassen muss, dann kann er ein ganz Großer werden. Wenn er seine Haken nicht im luftleeren Raum, sondern in Tornähe schlägt, dann kann er seine Waffe einsetzen: diesen unglaublichen Schuss, den er in beiden Füßen hat. Ich kann mich an ein Regionalligaspiel in Aalen erinnern, da hat er aus 40 Metern abgezogen, der Ball ist genau in den Giebel geflogen, und dann ist der Ball mit einer solchen Wucht aus dem Netz zurückgeprallt, dass wir alle dachten, er sei an den Pfosten gegangen. Ein Schuss mit links war das, obwohl der rechte eigentlich sein stärkerer Fuß ist.

Lesen Sie auf der nächsten Seiten, wem Trochowski laut Gerland ähnelt und was ihn jetzt so stark macht.

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