Begrüßung durch Beckenbauer
Iran
12.06.2006, 09:53
Ein unwillkommener Gast: Irans Vizepräsident Aliabadi beim Spiel Mexiko gegen Iran. (Foto: Reuters)
Hartmut Frommer hat als Nürnberger Stadtrechtsdirektor auch mit verquerer Logik in der Regel keine Probleme. Das rote Flugblatt aber, das dem SPD-Mann am Sonntagvormittag von der Polizei übergeben wurde, fand er doch etwas erstaunlich.
„Ausgerechnet die NPD fordert die Stadt auf, ausländerfeindliche Umtriebe in Nürnberg zu unterbinden“, sagte Frommer. Die Rechtsextremisten mokierten sich darüber, dass die Stadt die Protestdemonstration gegen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zugelassen hatte.
Das von der Polizei vor dem Hauptbahnhof aufgegriffene Häuflein von 16 Neonazis hatte sich iranische Fahnentücher umgebunden, um seine Sympathie für Ahmadinedschad zur Schau zu tragen. In dem an Passanten verteilten Flugblatt wurde besonders der jüdische Publizist Michel Friedman verunglimpft.
Die Polizei löste die unangemeldete Demonstration auf. Nürnberg sollte am Wochenende eigentlich nur als WM-Spielort ins Licht der Öffentlichkeit rücken.
Dass das Auftaktspiel der Nationalmannschaften von Mexiko und Iran jedoch zum Politikum werden würde, hatte sich freilich abgezeichnet, seit Ahmadinedschad mit seinen Attacken gegen Israel und der Leugnung des Holocausts von sich reden machte und zudem ein Besuch dieses Präsidenten in Deutschland nicht auszuschließen war.
Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) ließ vor 1500 Menschen in der Nürnberger Innenstadt keinen Zweifel aufkommen, was Ahmadinedschad passieren würde, sollte er einmal als Privatmann einreisen wollen:
„Er würde in diesem Fall unmittelbar von der Staatsanwaltschaft belangt werden, weil er den Holocaust, das schlimmste Verbrechen in der Weltgeschichte, leugnet.“ Als Staatspräsident schütze ihn nur der Diplomatenpass vor Verhaftung.
Der Publizist Friedman, der ebenfalls zu den Initiatoren der Protestveranstaltung gehörte, nannte den iranischen Präsidenten „eine neue Symbolfigur der Nazi-Bewegung in Deutschland“, außerdem einen „Hitler des 21. Jahrhunderts“.
Für ihn sei es ein „unerträglicher Skandal“, dass sich Vizepräsident Mohammed Aliabadi als Gast in der Bundesrepublik aufhalten dürfe.
Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnbergs, Arno Hamburger, nahm die Menschenmenge auf dem Jakobsmarkt „als Signal dafür, dass Nürnberg seinem Anspruch als Stadt der Menschenrechte gerecht“ werde.
Hamburger war 1938 nach Palästina emigriert und 1945 in seine Heimat zurückgekehrt. Damals habe er sich nicht vorstellen können, dass jemals noch von einem hochrangigen Politiker der Holocaust geleugnet werde, sagte der inzwischen 83-Jährige.
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