Max Schmeling wäre heute 100 Jahre alt geworden. Als bisher einziger Deutscher hat er den Weltmeistergürtel im Schwergewicht getragen. Unvergessen ist sein Knockout gegen den als unbesiegbar geltenden Joe Louis. Während des Nazi-Regimes versteckte Schmeling Juden in seinem Hotelzimmer und rettete ihr Leben.
Max Schmeling ist eine Legende. Foto: DPA
Der schwere Eichenschreibtisch steht noch da wie immer. Ein Globus links in der Ecke, die Autobiographie "Erinnerungen" auf der Tischplatte, dahinter ein volles Bücherregal. An der Wand hängt eine Karte von Pommern mit Nadeln auf dem Geburtsort Klein Luckow und dem im Krieg verlorenen Gut Ponickel. Eine Autogrammkarte der Klitschko-Brüder. Die Ehrenbürgerurkunde von Los Angeles. Es sieht aus, als hätte Max Schmeling sein Arbeitszimmer in seiner Hamburger Coca-Cola-Niederlassung eben erst verlassen.
"Wir haben hier nichts verändert", sagt Heiko Stöhr, der als Nachfolger des im Februar gestorbenen Box-Idols die Geschäfte des Abfüllbetriebes leitet. Wie ein heiliger Gral wird das Büro gepflegt, die Max-Schmeling-Stiftung hält dort ihre Vorstandssitzungen ab. "Hier spüren wir noch etwas von seinem Geist", sagt Stöhr.
Heute wäre Max Schmeling 100 Jahre alt geworden. Und heute versucht der Luan Krasniqi aus Rottweil in der Hansestadt gegen Champion Lamon Brewster als erster Deutscher nach Schmelings Titelgewinn 1930 wieder Box-Weltmeister im Schwergewicht zu werden.
Ein geschickter PR-Schachzug von Krasniqis Promotor Klaus-Peter Kohl, auch wenn Krasniqi natürlich alle Vergleiche mit Schmeling weit von sich weist: "Er ist ein Vorbild durch sein ganzes Leben, ich kann mich nicht mit ihm vergleichen, auch wenn ich den Titel holen sollte."
Zahlreich sind die posthumen Ehrungen für den deutschen Jahrhundert-Sportler. Eine Sonderbriefmarke der Deutschen Post zu Gunsten der Sporthilfe ist auf dem Markt. Box-Promotor Wilfried Sauerland hat sein neues Gym in Berlin nach Schmeling benannt. Bereits am Montag eröffnete im Helms-Museum in süderelbischen Hamburger Stadteil Harburg auf 400 Quadratmetern die Ausstellung "Max Schmeling - Der Boxer".
Das Projekt war noch zu Lebzeiten des Boxers geplant. Schmeling hat bei der Auswahl der Exponate mitgeholfen. "Damit hat er unser Unternehmen geadelt", sagt Museumsdirektor Rainer-Maria Weiß.
Auch persönliche Ausstellungsstücke wie der goldene Weltmeisterschaftsring von 1930 und signierte Handschuhe, die aus dem Nachlass von Schauspieler Heinz Rühmann stammen, gibt es zu sehen.
Noch bis zum 1. Oktober läuft eine Ausstellung mit im historischen Bahnhof von Bad Saarow (Brandenburg), wo Schmeling und seine Frau Anny Ondra zwischen 1930 und 1938 ein Sommerhaus besaßen.
Außerdem wird in dem 4000-Einwohner-Ort am Scharmützelsee ein "Max-Schmeling-Weg" eröffnet, der durch den Ort führt und den Fremdenverkehr ankurbeln soll. "Der Name Schmeling zieht", sagt Bert Kriegel vom örtlichen
Bahnhofshotel.
»Schmeling hat meinem Idol Joe Lewis eine würdevolle Beerdigung bezahlt. Er war ein großer Champion.«
Lamon Brewster
Darauf hofft auch die Gemeinde Hollenstedt vor den Toren Hamburgs, in deren Ortsteil Wenzendorf Schmeling sein Grundstück besaß. Seit den fünfziger Jahren bis zu seinem Tod am 4. Februar lebte er dort. Das rund 8,7 Hektar große Anwesen vererbte Schmeling der Gemeinde, die allerdings noch immer überlegt, was sie mit dem Gelände anfangen soll.
Auf dem Hollenstedter Dorfriedhof hat Schmeling neben seiner 1987 verstorbenen Frau Anny die letzte Ruhestätte gefunden. Ab und an kommen Besucher, um dem Sportidol die letzte Ehre zu erweisen. Wie am letzten Samstag, als eine schwarze Limousine vorfuhr und ein starker Mann mit schwarzer Sonnenbrille ausstieg und am Grab betete.
Lamon Brewster machte seine Aufwartung: "Schmeling hat meinem Idol Joe Lewis eine würdevolle Beerdigung bezahlt. Er war ein großer Champion."
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