Von Thomas Hummel

Das Beachvolleyball-Paar Katrin Holtwick und Ilka Semmler ist beim Europa-Turnier in Berlin an Nummer eins gesetzt. Sie sollen "Männervolleyball im Frauenkörper" spielen.

Das Duo Katrin Holtwick (links) und Ilka Semmler: Männervolleyball mit Frauenkörpern. Foto: Hoch Zwei

Katrin Holtwick sagt, sie sammle "Träume in kleinen Portionen". In diesem romantischen Satz steckt das gefühlte Glück einer 25-jährigen Frau über ihr sportliches Talent, ihre Möglichkeit zu reisen und auf eine freudige Art Geld zu verdienen. Katrin Holtwicks Träume stehen in Einmachgläsern in ihrer Berliner Wohnung. Darin jeweils eine Handvoll Sand von den Stränden, auf denen sie mit ihrer Partnerin Ilka Semmler, 23, Beachvolleyball gespielt hat.

In den vergangenen drei Jahren sind da einige Gläser zusammengekommen. Zuerst mit Sand europäischer Strände, dann aus der ganzen Welt. Katrin Holtwick und Ilka Semmler, beide in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen und nun in Berlin lebend, gehören heute zu den besten Beachvolleyball-Paaren in Europa. Nach einem guten Saisonstart sind sie beim Europa-Turnier von Freitag bis Sonntag vor dem Berliner Hauptbahnhof, dem größten Beachvolleyball-Turnier in Deutschland, an Nummer eins gesetzt.

"Wir haben jetzt den Anspruch, mindestens ins Halbfinale zu kommen", kündigt Trainer Andreas Künkler an. Er kann diese Vorgabe folgerichtig formulieren nach den vergangenen Ergebnissen: Platz eins und drei bei den bisherigen Europa-Turnieren, Platz sieben beim Welt-Turnier in Shanghai. Andererseits muss Künkler die Ziele generell hoch ansetzen, schließlich ist Holtwick/Semmler sein Projekt. Er hat das Duo "gescoutet", aufgebaut und will damit das deutsche Frauen-Beachvolleyball in neue Erfolgsdimensionen führen.

Bei den Männern ist ihm das schon gelungen. Das Paar Julius Brink/Kjell Schneider trainierte er zu Bronze bei der WM 2005 in Berlin, danach feierte er Erfolge mit Brink/Diekmann. Künkler packte nun der Ehrgeiz, dies auch bei den Frauen zu schaffen. 2006 suchte er zwei junge Spielerinnen, die bereit waren, für den Leistungssport ein paar Jahre lang auf vieles zu verzichten. Er suchte eine große Blockspielerin mit guter Sprungkraft und eine clevere, schnelle Abwehrspielerin mit viel Spielverständnis. Er suchte das ideale Paar. Er fand Katrin Holtwick und Ilka Semmler.

"Mein oberstes Gebot ist es, Männervolleyball mit Frauenkörpern zu spielen", erklärt Künkler, "also sehr aggressiv, sehr athletisch." Seine zwei Erwählten mussten dafür häufig und lange in den Kraftraum, ein eigens engagierter Athletiktrainer half dabei. Inzwischen gehören die Spielerinnen zu den konditionsstärksten im Feld, für ihre Bauchmuskeln dürften sie sogar den Neid vieler ebenfalls durchtrainierter Konkurrentinnen ernten. Einmal ließen sich die beiden für eine Männerzeitschrift nackt fotografieren.

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In diesem Artikel:

  1. Sie lesen jetzt Träume im Sand
  2. Beachvolleyball: Vorbereitung auf die WM