Von Holger Gertz

Nach der Niederlage im DFB-Pokal-Viertelfinale steigt der Druck auf Trainer Jürgen Klinsmann. Der FC Bayern ist kein Milieu für Experimentierer und Langstreckenläufer.

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Jürgen Klinsmann steht beim FC Bayern mehr und mehr unter Druck. Foto: Reuters

Am Montag hatte die Bild im Fußballteil ihre begabtesten Überschriftenschnitzer am Start. "TSG Zoffenheim" war schon ganz gut, wurde aber noch übertroffen von einem modernen Klassiker der Schlagzeilenkultur: "Klinsi verliert 0:0 gegen zehn Bremer."

Für diejenigen, die sich in der Thematik nicht so auskennen: Ein 0:0, selbst wenn es gegen einen zahlenmäßig unterlegenen Gegner herausgespielt wird, ist eigentlich keine Niederlage, und wenn es gefühlt doch eine wäre, hätte die Mannschaft 0:0 verloren, nicht aber ihr Trainer allein. Allerdings ist die Krise einer Mannschaft immer zuerst die Krise ihres Trainers, in diesem Fall besonders. Nachdem der FC Bayern am Mittwoch im DFB-Pokal in Leverkusen verloren hatte - nicht 0:0, sondern 2:4 - fasste Bild die Lage bündig zusammen: "Klinsi-Krise immer schlimmer".

Das Verhältnis der Bild zu Jürgen Klinsmann gespannt zu nennen, hieße, die Wahrheit sanft zu ummänteln. Jahrelang standen sich der sperrige Mensch und der Boulevard wie Feinde gegenüber. In Hochphasen dieses Abnutzungskampfes wurde er von Bild gern "Grinsi-Klinsi" genannt. Klinsmann hat schon seine Karriere als Spieler nicht - wie Beckenbauer oder Matthäus - mithilfe der Groschenblätter gebaut, sondern sein Profil geschärft, indem er die Zusammenarbeit weitgehend verweigert hat.

Dass Bild jetzt auf ihn einknüppelt, wäre nicht weiter erwähnenswert, hätte Klinsmann nicht gerade ein großes Interview ausgerechnet in der Bild am Sonntag gegeben. Er durfte darin erzählen, wie er mit dem öffentlichen Druck umgeht, und wenn das der Versuch war, die Gewalt dieses Drucks etwas abzufedern, ist auch das danebengegangen. Bild am Donnerstag: "Wie lange lassen ihn die Bosse noch verlieren?"

Es war eine revolutionäre Idee dieser Bayern-Bosse, Klinsmann im Sommer aus Kalifornien zu holen und in dem speziellen Biotop München abzusetzen. Es war ein Experiment. Experimente können glücken, dann entsteht etwas Neues. Experimente können scheitern. Man weiß vorher nicht, was passiert. Aber man hätte sich denken können, dass es schwierig werden würde mit Klinsmann und Bayern. Die Gegensätze sind so groß.

Klinsmann ist ein Asket, dessen hagerer Gestalt man ansehen kann, dass er sich als Langstreckenläufer versteht. Als er die Nationalmannschaft übernahm, hat er sich als "Projektleiter" beschrieben. "Wir sind alle noch in der Entwicklung", war einer seiner liebsten Sätze. Am Ende hatte er aus einem verzweifelten Haufen eine Mannschaft geformt, die ihm bedingungslos folgte und es mit viel Begeisterung und ein bisschen Glück zu Platz drei bei der Weltmeisterschaft brachte. Man nannte sie, mit einigem Recht, die "Klinsmannschaft".

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