In der Doping-Affäre um eine Wiener Blutbank werden die ersten Namen bekannt - es sind Radprofis.
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Unter Beobachtung: Michael Rasmussen (links), hier bei der Tour ’07 mit dem späteren Sieger Alberto Contador. Foto: Getty Images
Der neue Doping-Skandal um die Blutplasma-Bank in Wien nimmt Tempo auf, am Dienstag wurden erstmals Namen genannt. Wie am Wochenende in der SZ gemeldet, sind es Profis vom niederländischen Radrennstall Rabobank.
Als Kunden identifiziert wurden nun laut ARD die Radsportler Michael Rasmussen (Dänemark), Michael Boogerd (Niederlande) sowie der zweimalige Vuelta-Gewinner Denis Mentschow (Russland). Rasmussen war im Sommer 2007 von seinem Team überraschend von der Tour de France zurückgezogen worden - obwohl er in Führung lag und längst bekannt war, dass er sich Dopingkontrollen entzogen hatte.
Zeitlich fällt Rasmussens Rückzug zufällig zusammen mit ersten Hinweisen auf die Wiener Blutbank. Nach Informationen der Wiener Zeitung Kurier ermittelt das Innenministerium des Landes in dieser Affäre auch gegen Georg Totschnig, einen ehemaligen Radprofi des Gerolsteiner-Teams.
Die Verwicklung deutscher Wintersportler in den Skandal wird durch neue Quellen gestützt. Von den insgesamt 50 Sportlern, die Kunden in Wien gewesen sein sollen, stammen zwei Drittel aus Deutschland; es soll sich um Langläufer und Biathleten handeln. Zumindest ein Teil der Kundschaft wurde von privaten Ermittlern beobachtet; beauftragt haben soll sie der Österreichische Skiverband (ÖSV) im Zuge der Aufarbeitung des Doping-Skandals von Olympia 2006 in Turin.
Starker Druck von russischer Seite
Dabei ist auch die Blutbank-Filiale der Human Plasma GmbH von Privatdetektiven observiert worden, insbesondere an Sonntagvormittagen. Dann ruhte der normale Geschäftsbetrieb, und Spitzenathleten aus verschiedenen Ländern sollen ein- und ausgegangen sein. Ein erster Ermittler soll von unbekannter, angeblich russischer Seite dabei so stark unter Druck gesetzt worden sein, dass er seine Recherchen aufgab.
Wie die SZ weiter erfuhr, war ein zweiter Versuch erfolgreicher und brachte offenkundig so konkrete Ergebnisse, dass sich die Ermittler des ÖSV bei ihren vielen öffentlichen Andeutungen darauf stützten. Die Human Plasma führte bis vor kurzem ein Netz von Instituten in den neuen Bundesländern, darunter in Erfurt, Jena und Chemnitz.
Der Kanadier Richard Pound, ausgeschiedener Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, hatte auf die illegalen Praktiken in der österreichischen Hauptstadt hingewiesen. Nach Informationen des Kurier hatte Pound im November 2007 in einem Schreiben an den für Sport zuständigen Wiener Staatssekretär Reinhold Lopatka erklärt, es bestünden "gute Gründe", dass die Firma "teilweise Athleten beim Blutdoping unterstützt haben soll".
Nach anfänglichem Leugnen, auch noch am vorigen Mittwoch gegenüber der SZ, räumte Human-Plasma-Geschäftsführer Lothar Baumgartner wenig später doch ein, dass das Institut sehr wohl über eine für Blutdoping geeignete Ausrüstung verfügte. Sogar über dieselbe moderne Blutzentrifuge, mit der auch der spanische Dopingdoktor Eufemiano Fuentes manipulierte.
Der Deutsche Skiverband (DSV) erklärte, dass man über seinen Vizepräsidenten Franz Steinle bei den Ermittlern in Wien und auch über die Welt-Antidopingagentur (Wada) den Antrag auf Akteneinsicht gestellt habe. Auch zur Nationalen Antidopingagentur (Nada) habe es Kontakte gegeben, allerdings auch von dort keine präziseren Informationen. "Wir haben keinerlei Anhaltspunkte und keinerlei Namen oder sonstige Hinweise, denen wir nachgehen könnten", sagte ein DSV-Sprecher am Dienstag.
Angeblich unabhängig von den jüngsten Berichten haben am Dienstag Doping-Kontrolleure der Nada den deutschen Biathleten in Antholz einen Besuch abgestattet. Im Mannschaftshotel der deutschen Weltcup-Teilnehmer wurden je vier Männer und Frauen getestet. Doping-Tests in so aufgewühlten Zeiten - intelligente Kontrollen, von denen nun angesichts der Affären von Madrid über Freiburg bis Wien ständig die Rede ist, sehen anders aus.




