Brasilien erlebt beim 0:0 gegen Argentinien in Belo Horizonte eine weitere uninspirierte Vorstellung seiner Nationalfußballer, ist frustriert - und bejubelt am Ende einen Argentinier.
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Beim WM-Qualifikationsspiel veranstalteten Argentinien und Brasilien ein ziemliches Durcheinander. Foto: Reuters
Brasiliens Fußballfreunde haben einen guten Geschmack, also bekam Lionel Messi am Ende wunderbaren Beifall. Viele der 60.000 Zuschauer im Stadion Minerao von Belo Horizonte klatschten und riefen seinen Namen, als der Stürmer kurz vor Abpfiff vom Rasen trottete, und es störte sie nicht im geringsten, dass Messi Argentinier ist. Im Gegenteil. Der Angreifer in dem gestreiften Trikot mit der Nummer 18 hatte sich die Zuneigung auch verdient, er war einer der Besten beim 0:0 im WM-Qualifikationsspiel zwischen der Nummer zwei und Nummer eins der Weltrangliste. Den Anhängern der Gastgeber gab der Sympathieanfall für einen Profi des Erzfeindes außerdem Gelegenheit, sich demonstrativ von ihren Landsleuten abzuwenden. "Das gibt es sonst nirgendwo auf der Welt, das ist für uns doch demütigend", klagte der Brasilianer Gilberto von Hertha BSC Berlin, aber die Männer in den gelben Hemden und blauen Hosen hatten sich zu unbeliebt gemacht.
Ihnen flogen in der zweiten Halbzeit vornehmlich Pfiffe und Schimpfwörter entgegen, die meisten trafen den zivil gekleideten Trainer. "Dunga, burro", hieß es, Dunga, du Esel, und "Adeus Dunga", auf Wiedersehen Dunga. Carlos Dunga liefert gerade eine Bilanz, die in Brasilien so gut ankommt wie ein verregneter Karneval mit Alkoholverbot. Auf dem Weg nach Südafrika 2010 verlor die Seleccao zuletzt Anfang Juni 0:2 in Venezuela, dann Mitte Juni 0:2 bei Tabellenführer Paraguay, zwei ehemaligen Leichtgewichten, und konnte nun froh sein über ein torloses Unentschieden gegen Argentinien.
Auf dem Feld nicht viel zu bestaunen
Ein Punkt und 0:4 Treffer aus drei Spielen, neun Punkte in sechs Spielen insgesamt, Rang vier in der Südamerika-Gruppe, das erfüllt für viele Fans den Tatbestand des Landesverrats. Dass Dunga vor knapp einem Jahr in ähnlicher Besetzung den Amerika-Pokal eroberte und dabei im Finale Argentinien abfertigte, ist fast vergessen.
Die umschwärmtesten Brasilianer saßen auf der Tribüne oder waren zuhause geblieben. Vor Beginn wurde Pelé mit einer Trophäe geehrt, und die Bardin Gael Costa sang die Nationalhymne. Die Ehrenloge füllten weitere Helden wie Falcao, Careca, Junior - und das noch jüngere Idol Ronaldinho, der gelangweilt mit dem Handy telefonierte und Kaugummi kaute; es gab ja auf dem Feld nicht viel zu bestaunen. Dunga hatte den ehemaligen Weltfußballer ebenso wenig nominiert wie den gegenwärtigen Weltfußballer Kaká, das lag an Blessuren und auch an einem schlechten Verhältnis zwischen Trainer und Stars. "Ohne sie hat das Team eine düstere Zukunft", fürchtet Rios Zeitung O Globo.
Stattdessen stürmte neben dem müden Robinho der schwerfällige Adriano, der sich in Sao Paulo von seiner Krise erholt. Regie führte nach seiner Einwechslung für den verletzten Anderson und bis zu seinem Austausch der enttäuschende Bremer Diego, die einstige Künstlertruppe verharrte in trauriger Defensive. "Erschreckend", fand Pelé. "Wir sind frustriert", berichtete Bayerns Manndecker Lúcio. Die einzige Chance vergab Julio Batista.
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