Michael BallackBild vergrößern

Michael Ballack gilt als der kopfballstärkste Mittelfeldspieler der Welt. Foto: Reuters

SZ: Wie verständigen Sie sich über ihre Wege? Wer gibt die Kommandos?

Ballack: Ich sehe doch, wenn er mit dem Ball durch die Mitte losgeht. Dann weiß ich: Ich kann da nicht mitgehen, denn wenn er den Ball verliert - das geht halt einfach nicht. Und genauso ist es umgedreht, wobei es bei mir natürlich öfter vorkommt, dass ich nach vorn gehe.

Frings: Ich versuche, ihm zu ermöglichen, dass er ohne Angst im Hinterkopf nach vorne marschieren kann, weil er weiß, dass ich die Lücke hinter ihm zumache. Wir verstehen uns schon richtig gut: Da reicht manchmal nur ein Blick, um zu wissen, was der andere will.

Ballack: Man sieht ja, was der andere macht. Man hat dann einfach die Verantwortung zurückzubleiben. Geht der zweite Mann dann auch noch mit, sind wir offen - und dann gibt’s ’nen Anschiss.

SZ: Von wem? Von Torsten Frings für Michael Ballack oder umgekehrt?

Ballack: Vom Trainer.

SZ: Uns ist aufgefallen, Herr Frings, dass Sie im Spiel gegen Polen öfter aus der Mitte nach links gerutscht sind, besonders, wenn Lukas Podolski nicht so ganz klar kam mit den Räumen.

Frings: Das ist ja immer das Problem, wenn du einen Stürmer ins Mittelfeld stellst. Poldi denkt natürlich in erster Linie offensiv, das mit dem Reinschieben, das kann er noch nicht so gut. Klar, dass ich dann ein bisschen aufpassen muss. Ich versuche natürlich in erster Linie, das Zentrum zuzuhalten, aber wenn Balle über rechts mitgeht, dann verschiebe ich mich ein bisschen nach links. Wenn er über links kommt, dann gehe ich rechts raus. Damit immer beide Positionen besetzt sind, das geht bei uns ganz automatisch. Und das ist eben ein ganz wichtiger Faktor für unsere Mannschaft, um stabil zu stehen.

SZ: Herr Ballack, ärgert es Sie, wenn es heißt: Ballack hat wieder kein Tor geschossen und keinen tollen Pass gespielt?

Frings: Ich glaube, aus dem Alter ist er raus, dass ihm das wichtig ist.

Ballack: Wenn es mich so sehr ärgern würde, dann könnte ich ja sagen, dass ich weiter vorn spielen will. Und ich kann ja trotzdem ab und zu mitgehen, auch wenn es sehr, sehr schwer ist, das läuferisch zu bewältigen.

SZ: Kennen Sie ihre Laufleistungen nach den Spielen? Neuerdings werden diese Werte im Fernsehen eingeblendet.

Ballack: Mir ist das egal. Ich bin sowieso immer der, der am meisten läuft.

Frings: Du zählst ja auch immer den Weg zur Trinkflasche draußen mit.

Ballack: Ist ja klar: Wenn du mehr rennst, musst du mehr schwitzen und dann auch mehr trinken. Deswegen rennt man zur Flasche.

Frings: Wenn ich bedenke, wie viel ich laufe, kannst du nur den Hut vor mir ziehen.

»Ich bin auf den Platz gekommen, hab’ die Kugel genommen und sie aus 30 Metern in den Winkel geschossen - heute muss ich mich erst warm laufen. «

Torsten Frings

SZ: Sieht man das Sechser-Duo Frings&Ballack auch bei der WM 2010?

Ballack: Ich habe vor, weiterzumachen. Die WM 2010 zu spielen, ist auf jeden Fall mein Ziel. Aber ob Torsten dann noch kann oder ob er schon zu alt ist ...

Frings: Wenn ich gesund bleibe, dann möchte ich schon so lange wie möglich bei der Nationalmannschaft spielen.

SZ: Spüren Sie den Verschleiß der vielen Jahre im Fußball?

Ballack: Wir sind doch erst 31, das ist heute kein Alter mehr im Fußball. Also, ich spüre keinen Verschleiß.

Frings: Ich fühl mich zwar nicht mehr wie mit 20. Aber ich kann morgens noch ohne Probleme aufstehen.

Ballack: Dass du das so genau weißt - ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie ich mich mit 20 gefühlt habe.

Frings: Ich bin auf den Platz gekommen, hab’ die Kugel genommen und sie aus 30 Metern in den Winkel geschossen - heute muss ich mich erst warm laufen.

Ballack: Aber du hast doch heute mehr Kraft als früher, oder?

Frings: Das schon. Aber trotzdem spürst du die Jahre und die Wehwehchen.

Ballack: Ich merke: Es geht dem Ende entgegen. Das ist ja das, was ich an dir mag: dass du dich ehrlich einschätzen kannst, die Qualität haben wenige, dass sie vorausschauend erkennen: Hier und jetzt ist Schluss.

Frings: Jetzt spielen wir erst mal die EM, und dann frag’ ich dich mal, wie’s dir geht. Und vor der WM 2010 reden wir dann noch mal drüber.

(SZ vom 12.06.2008/pes)

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