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Von Jürgen Schmieder

Eine Geburt mit blauem Auge und geballten Fäusten: David Haye bringt Leben in die stagnierende Schwergewichtsszene. Jetzt kämpft er in Nürnberg gegen den russischen Riesen Walujew.

David Haye

David Haye beim Training vor dem Kampf gegen Nikolai Walujew. (Foto: AP)

Nein, sympathisch ist er wirklich nicht, dieser David Haye. Fünf Tage vor dem WM-Kampf gegen WBA-Weltmeister Nikolai Walujew prügelte der britische Boxer beim Training auf eine hässliche Halloween-Maske ein. "So haben wir uns auf Nikolai Walujew vorbereitet", sagte Haye nach dem Training. "Die Maske sieht ihm ziemlich ähnlich." Zuvor hatte er sich über das vom Walujew-Lager ausgewählte Hotel echauffiert. "Nach meiner Ankunft hat man mich in eine eklige Höhle mit einem schäbigen Zimmer gebracht", beschwerte sich Haye über das Fünf-Sterne-Hotel.

David Haye stand nicht in der Schlange, in der die Bescheidenheit verteilt wurde. Wahrscheinlich war er verhindert, weil er gerade in jener Schlange anstand, in der boxerisches Talent verteilt wurde. Im vergangenen Jahr vereinte er alle wichtigen Weltmeistertitel im Cruisergewicht und wechselte danach - wie einst Evander Holyfield - ins Schwergewicht. Dort gilt der Brite nun als Hoffnung in einer eingefahrenen Gewichtsklasse, die von zwei Brüdern dominiert wird, die partout nicht gegeneinander antreten wollen. Am Samstag boxt Haye in Nürnberg gegen Nikolai Walujew um den Titel der World Boxing Association (WBA).

Haye ist außerhalb des Rings so etwas wie die Antithese zu den Gebrüdern Klitschko, die sich zurückhaltend und bescheiden geben, auf beste Manieren Wert legen und gerne auf die akademische Laufbahn und die Liebe zum Schachspiel verweisen. David Haye steht in puncto Temperament eher in der Tradition eines Mike Tyson, beim Selbstbewusstsein rangiert er nicht weit hinter Mohammad Ali. Auf so einen hat die Schwergewichtsszene gewartet, nachdem neben den Klitschkos nur wortkarge Osteuropäer wie Ruslan Chagaev, Alexander Powetkin, Denis Boizow oder eben Nikolai Walujew zu den großen Kämpfen in den Ring stiegen. Endlich, ja endlich, ist da wieder einer, der den Mund voll nimmt.

Vor 29 Jahren wurde Haye im Süden von London geboren, auf seiner Homepage steht, dass er mit einem blauen Auge und geballten Fäusten zur Welt kam. "Ich sah nach der Geburt aus, als hätte ich zwölf Runden mit Mike Tyson hinter mir", sagt Haye. Als Kind hätte er dann ständig auf die Knie seines Vaters eingeprügelt. "Wenn wir Gäste hatten, dann bin ich zu ihnen gelaufen und habe ihre Füße weggestoßen." Um die Wut seines Sohnes zu kanalisieren, schickte ihn sein Vater Deron zunächst zum Karate, dann zum Boxen.

"Ich bin der geborene Kämpfer", sagt Haye über sich selbst. Das Selbstbewusstsein ist durchaus gerechtfertigt. Nach einer erfolgreichen Amateurkarriere gewann Haye im März 2008 alle bedeutenden Titel im Cruisergewicht. Für seine Körpergröße von 1,90 Meter bewegt er sich leichtfüßig, er verfügt über ein gutes Auge, das ihm erlaubt, auch in der Rückwärtsbewegung Treffer zu landen.

Sein linker Jab ist zielsicher und kräftig, die größte Waffe von Haye ist die rechte Gerade, mit diesem Schlag beendete er zahlreiche Kämpfe vorzeitig. 22 von 23 Auseinandersetzungen gewann er, davon beeindruckende 21 vorzeitig. Die einzige Niederlage musste er im September 2004 bei seinem ersten WM-Kampf gegen Carl Thompson hinnehmen - und es gab nicht wenige, die damals behaupteten, es wäre zu früh für den jungen Briten gewesen, um die Weltmeisterschaft zu boxen.

Ähnliche Bedenken gibt es auch nach seinem Wechsel ins Schwergewicht. Haye gönnte sich lediglich einen Kampf in der neuen Gewichtsklasse (er gewann gegen Monte Barrett durch K. o. in der fünften Runde), danach wollte er einen Kampf gegen einen der Klitschko-Brüder. "Ich will nicht irgendeinen Titel, bei dem man sich nicht wie ein Weltmeister fühlt", sagt Haye. "Lieber gehe ich das Risiko ein, scheitere und lerne etwas dabei, als niemals etwas zu riskieren." Den für vergangenen Juni angesetzten Kampf gegen Vitali Klitschko ließ der Brite wegen einer Schulterverletzung platzen, den gegen Wladimir, weil er mit den Vertragskonditionen nicht einverstanden war.

Mit dem Kampf gegen den 23 Zentimeter größeren Nikolai Walujew geht Haye erneut großes Risiko ein. Aufgrund seiner Größe, des eigenwilligen Kampfstils und der erstaunlichen Nehmerqualitäten gehört der Russe zu den unangenehmsten Gegnern im Schwergewicht. Allerdings hatte Walujew im Verlauf seiner Karriere stets Probleme mit Gegnern wie Haye, die flink durch den Ring tänzeln und dennoch hart schlagen können.

"Alle werden sehen, wie ich Walujew zerstöre. Ich bin schneller und schlage härter als er. Ich werde Sachen zeigen, die er noch nie in seinem Leben gesehen hat", sagt Haye. Er sieht diesen Kampf ohnehin nur als Vorspiel zu einem Duell gegen einen der Klitschkos: "Haye gegen Klitschko, das ist der Kampf, den die Leute sehen wollen. Das Schwergewicht braucht mich." Auf derart markige Sätze hat diese Gewichtsklasse tatsächlich gewartet. Ob sie den Briten auch sportlich braucht, das wird sich am Samstag zeigen.

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Boxen: Vitali Klitschko Sieg durch technischen K.O. Rahmen
Vitali Klitschko Vitali Klitschko Vitali Klitschko Vitali Klitschko Vitali Klitschko Vitali Klitschko
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(sueddeutsche.de/hum)

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Leserkommentare (1)



06.11.2009 11:15:19

Rhinelander:

Die Tags unter dem Artikel sind wieder sehr lustig: "Stern, Schlange, Runde, Risiko, März." :-)


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