1860 spielt gegen St. Pauli. In München. Kurz vor dem Oktoberfest. Und die Hamburger werden gewinnen. Keine Frage. Keine Frage?
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St. Pauli: Allein die Fans sind eine Attraktion. Foto: dpa
21.09.2007, 14:002007-09-21T14:00:00 CEST+0200
1860 spielt gegen St. Pauli. In München. Kurz vor dem Oktoberfest. Und die Hamburger werden gewinnen. Keine Frage. Keine Frage?
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St. Pauli: Allein die Fans sind eine Attraktion. Foto: dpa
Sechzig gegen Pauli - was für ein Duell, auch der Anhänger. Wenn heute Abend der TSV 1860 München und der FC St. Pauli aufeinandertreffen, dann spielen nicht nur zwei Zweitliga-Mannschaften gegeneinander. Es ist ein Duell der Traditionen, ja, der Fußballreligionen. Zwei Redakteure von sueddeutsche.de erklären das besondere Duell - völlig subjektiv natürlich.
"Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden." Nick Hornby, "Fever Pitch"
Ich bin verliebt in St. Pauli. Ich habe mich heute mit dem Duschgel "Wir waschen uns nie" erfrischt, dann mit einem braun-weiß-gestreiften Handtuch abgetrocknet - und später aus meiner schwarze Kaffeetasse mit Vereinsemblem Kaffee geschlürft. Dann stülpte ich mein altes braunes Shirt mit dem Slogan "Weltpokalsiegerbesieger" über, zog darüber den schwarzen Kapuzenpulli und setzte die schwarze Totenkopf-Kappe auf - und ging los. Ich hatte Glück: Auf dem Weg ins Büro wurde ich nicht von der bayerischen Polizei als autonomes Subjekt verhaftet.
Wenn ich jetzt noch ein paar Flaschen Astra auftreiben könnte, dann wäre ich so richtig auf das Spiel in dem riesigen Ufo am Stadtrand von München eingestimmt. Und nein, ich habe nicht vor, mich zuvor noch auf dem Bahnhofsvorplatz mit anderen gesellschaftlichen Desperados auf ein paar Münchner Kopfschmerzbiere aus der Dose zu treffen. Das Spiel heute Abend gegen 1860 wird ein Familienausflug. Begleiten wird mich die Frau in einem Retter-Shirt in zart-rosa - und die nicht ganz dreijährige Tochter mit Schal und Mütze in Vereinsfarben und fettem Emblem.
Eigentlich ziemlich peinlich und ein wenig Unterschichten-affin - wenn es denn ein anderer Verein wäre. Zum Beispiel Bayern München. Oder auch der TSV 1860 München. Denn obwohl es noch eine (vielleicht tief verschüttete) Fan-Freundschaft zwischen dem Subproletariat aus Hamburg und München geben sollte: Die Löwen sind einfach nicht mehr en vogue. Vorbei war das spätestens mit den unsäglichen Wildmosers, die bei uns in der Hansestadt eine Einzelperson sind und Corny heißen. Und außerdem: Hanf war schon immer besser als Hopfen!
Corny Littmann als Präsidenten zu haben, sagt viel über den Verein aus dem armen Hamburger Westen: Betreiber des Schmidt-Theaters und Tivolis auf der Reeperbahn, Schauspieler, Ex-Bundestagskandidat der Grünen, Kuba-Liebhaber - und bekennender Schwuler. Die Wildmosers waren doch eher die, die ihren Yorkshire-Terrier beim Starnberger Hundefrisör haben trimmen lassen. Und wie heißt überhaupt der jetzige Vereinsboss? Keine Ahnung - doch auch nicht wirklich eine Frage von Interesse.
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