Von Markus Schäflein

Uli Hoeneß warnt vor italienischen Verhältnissen im deutschen Fußball. Aber er steckt nicht nur ein paar hundert Fans, sondern Tausende in die Gewalttäter-Schublade.

Diesmal ist Uli Hoeneß anders aufgetreten. Eine Woche nach seiner emotionalen Rede gegen die Fans erklärte der Manager des FC Bayern seinen Ausbruch jetzt sachlich und ruhig - und machte damit alles noch schlimmer. Er habe nur die Schickeria und den Club Nr. 12 (C12) gemeint, sagte Hoeneß im Fernsehen, dabei handele es sich um "Organisationen im Untergrund". Es sei "der Traum von einigen in diesen Gruppierungen, Verhältnisse zu haben wie in Italien".

Hoeneß’ Sorge um Tendenzen zur Gewalt ist glaubwürdig. Der Manager zeigte schon in den achziger Jahren Verantwortungsgefühl für dieses Thema - als der DFB noch meinte, Hooligans seien allein ein Problem der Gesellschaft, nicht des Fußballs. Und alles klang so einfach: Zwei böse Gruppen mit 300 bis 500 Hooligans, die schwarzen Schafe der Bayern- Familie, der Rest brave Anhänger, denen der Verein stets wohlgesonnen ist.

Nur ist der C12 das falsche Ziel solcher Warnungen. Er ist eine Dachorganisation zahlreicher Fanklubs. Dort sind die Vorsitzenden oder andere Vertreter von offiziell registrierten Fanklubs Mitglieder. Hoeneß steckte also nicht nur ein paar hundert Fans, sondern Tausende in die Gewalttäter-Schublade. Die Reaktionen im Internet-Forum des FCB fielen erwartungsgemäß aus. Viele wollen nun dem C12 beitreten, fordern Zusammenhalt, von einem Stimmungsboykott ist die Rede. Der Ordner zur Jahreshauptversammlung enthielt 1618 Beiträge. Der Tenor: erschütternd, wie wenig Ahnung Hoeneß von der Fanszene hat!

Aber trifft diese Einschätzung wirklich den Kern? Mehrmals hat sich der Manager mittlerweile in Gesprächsrunden über den C12 informiert. Und es ist nicht das erste Mal, dass er diese Dachorganisation in Misskredit bringt, indem er sie in Zusammenhang stellt mit schlimmen Tendenzen zur Gewalt im Umfeld des Fußballs. Bezeichnenderweise verlor Hoeneß die Kontrolle über seine Worte vor einer Woche nicht beim Thema Gewalt, sondern bei der Kritik am Kommerz und der Organisation in der Arena. Anstoßzeiten, Sitzplätze, Trikots in Sponsorfarben - der C12 hat schon vieles bekämpft, das dem FC Bayern Geld bringt. Erneut erhält der Verdacht Nahrung, dass der Verein eine externe, kritische Dachorganisation von Fans nicht wünscht und denkt: Die einzige legitime Dachorganisation der Bayernfans ist - der FC Bayern.

(SZ vom 21.11.2007/lsp)

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Leserkommentare (28)



21.11.2007 13:28:36

stef722: uli

hoeness hat recht, wenn er auf die italienischen verhältnisse hinweist. wenn man es genau nimmt braucht man doch gar nicht über die alpen zu schauen, sondern kann im eigenen land bleiben. unter anderem in den neuen bundesländern stehen die vereine und die polizei teilweise den eigenen "fans" machtlos gegenüber. dieses phänomen, dass gewalttäter immer mehr einfluss in der fanszene bekommen, ist in deutschland existent. wenn hier jemand argumentiert, das sei beim fcb undenkbar, ist auf dem holzweg. zwar ist es (noch) die ausnahme, aber beim fcb gibt es eben auch gewalttäter. man braucht nur mal das kleine derby zwishcen fcb II und sechzig II besuchen, schon wird man fündig.

und dem vorzubeugen sollte oberstes gebot sein. natürlich sind nicht alle, die dem dachverband club nr. 12 gewalttäter, bestimmt auch nicht alle in der schickeria. wenn aber diese vereinigungen tatsächlich wert auf gewaltfreiheit legen, sollten sie sich von gewaltbereiten klar distanzieren, diese ausschließen und auch nicht mehr auf auswärtsreisen mitnehmen. solange dies nicht geschieht, muss man sich kritik auch gefallen lassen.

die schwäche des ansonsten guten artikels liegt meiner meinung nach darin, dass herr schäflein uli hoeness unterstellt, dass er tausende in die gewalttäterschublade steckt. er hat gesagt, es sei "der Traum von einigen in diesen Gruppierungen, Verhältnisse zu haben wie in Italien". er spricht also von einigen in diesen gruppierungen und nicht von der gruppe als solcher.


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