5. Februar 2013 13:52 Mögliches BBL-Team in Hamburg Basketball wie in München - nur anders

Eine Liga auf Expansionskurs: Nach München soll auch Hamburg aus dem Nichts einen Basketball-Erstligisten bekommen. Der frühere Nationalspieler Pascal Roller ist der treibende Kopf hinter dem Projekt, er hofft auf eine Wildcard durch die BBL. Das kann schnell gehen - oder sich lange hinziehen.

Von Carsten Eberts, Hamburg

"Die Frage ist, wann das Projekt kommt. Nicht, ob es kommt." Pascal Roller sagt diesen Satz häufig. Es ist quasi das Mantra seines Vorhabens. Hamburg, die zweitgrößte Stadt Deutschlands, soll elf Jahre nach dem Niedergang der Hamburg Tigers wieder einen Basketball-Erstligisten bekommen. Ob bereits zur kommenden Saison, ist ungewiss, vielleicht auch erst in zwei Jahren. Aber einen Namen gibt es schon: die "Hamburg Towers".

Roller ist den deutschen Basketballfans bestens bekannt. Nationalspieler war er, fast zwölf Jahre war der kleine Regisseur bei den Skyliners Frankfurt aktiv, wurde deutscher Meister und Pokalsieger. 2004 wählten die Fans den Mann mit der Glatze zum "Spieler des Jahres". Im Sommer 2011 beendete er seine Profi-Karriere - und plante seine Zukunft. Möglicherweise bald als Sportdirektor eines Bundesligateams.

In der Lobby eines Hamburger Hotels erzählt der 36-Jährige, was er in den Monaten seit seinem Karriereende getrieben hat. Er ist nicht allein gekommen, sondern mit zwei Geschäftspartnern: mit dem Hamburger Unternehmer Wolfgang Sahm und dem Marketingberater Gunnar Klink. Zu dritt wollen sie das Basketball-Projekt in Hamburg stemmen. Roller sagt: "Das Feedback ist enorm positiv. Die Zeit ist reif." Eine Großstadt bekommt aus dem Nichts eine BBL-Mannschaft. Solche Pläne erinnern zunächst an die Situation in München.

Dort entschied der große FC Bayern, sich neben den weltbekannten Fußballern ein zweites Standbein aufzubauen: im Basketball. Ein stattlicher Etat wurde aufgestellt (angeblich sogar einer der höchsten der Liga), mit Svetislav Pešić mittlerweile der zweite frühere Bundestrainer verpflichtet. Präsident Uli Hoeneß gilt als größter Fan. Die Bayern, ein Verein mit gewachsener Basketball-Tradition, wollen Meister werden. Nicht nur im Fußball. Rollers Kalkulation für Hamburg ist deutlich defensiver.

Im Grunde sind beide Projekte kaum zu vergleichen. Eine Kooperation mit einem großen Verein (etwa dem Hamburger SV) gibt es nicht, der avisierte Etat soll deutlich unter dem Münchner, gar unter dem Ligaschnitt von 4,3 Millionen Euro liegen. Auch die Zuschauererwartung ist mit 2800 Fans vorsichtig kalkuliert.

Das kommt nicht von ungefähr. Hamburg hat schon mitunter größenwahnsinnige Versuche erlebt, Basketball in der Stadt zu etablieren. Zuletzt 2009, als der US-Investor Henry Feinberg die Nummer eins in Europa werden wollte und einen Etat im zweistelligen Millionenbereich in Aussicht stellte. Die Finanzkrise kam dazwischen, auch diese Unternehmung scheiterte. "Wir wollen nicht erneut eine übertriebene Erwartungshaltung schüren", sagt Roller deshalb. Läuft das Projekt gut an, "können wir immer noch einen Schritt nach vorne machen".

Die Liga-Verantwortlichen der BBL stehen den Gedankenspielen positiv gegenüber. Hamburg ist ein weißer Fleck auf der Landkarte, gerne wäre die Liga auch in der norddeutschen Medienmetropole vertreten. Geschäftsführer Jan Pommer sagt gar: "Hamburg interessiert mehr Menschen, bei allem Respekt vor den Kollegen vor Ort, als wenn wir ein weiteres Crailsheim oder Kirchheim haben." Bei Roller kam der Vertrauensvorschuss gut an. In der zweiten Liga in Crailsheim oder Kirchheim eher weniger.

Die Frage nach dem "Wann" ist der Knackpunkt für das Gelingen des Hamburger Vorhabens. Laut Roller steht das Projekt so weit, die Liga wäre bei zuverlässiger Finanzierung auch dabei. Es kann dennoch sein, dass sich der Ligaeintritt lange hinauszögert. Grund sind die komplizierten Statuten der BBL, die Roller und seinen Kollegen einerseits Türen öffnen. Andererseits machen sie echte Planungssicherheit so gut wie unmöglich. Laut BBL kann ein Klub quasi aus dem Nichts in Deutschlands bedeutendster Basketballliga mitspielen. Ein sportlicher Aufstieg ist nicht zwingend nötig. Wird ein Platz unerwartet frei, kann ein Wildcard-Verfahren eröffnet werden.

Für eine Lizenz bewerben müssen sich die Hamburger zuvor nicht. "Kommt es zu einem Wildcard-Verfahren, wird alles auf null gestellt", sagt Felix Kaiser von der BBL. Erfüllen die Hamburger die Lizenzbedingungen - mit gesichertem Etat, ausreichender Hallenkapazität und dem Unterbau in den Jugendmannschaften -, kann die Liga dem Emporkömmling durchaus den Zuschlag erteilen. Andererseits vermag Roller niemand zu garantieren, dass dieser Fall so bald eintritt. Die Voraussetzung ist, dass die Liga einen freien Platz zu besetzen hat.

Basketball-Euroleague - Spielzusammenfassung Alba Berlin verliert in Kaunas

Alba Berlin hat gegen den 25-fachen Litauischen Meister Zalgiris Kaunas eine 56:92 (37:44)-Niederlage hinnehmen müssen.

(Video: Euroleague Basketball, Foto: dpa, Foto: dpa)

Das kann geschehen, wenn einer der beiden Aufsteiger die Voraussetzungen für die BBL nicht erfüllt. Wie Zweitligist Cuxhaven, der 2008 und 2010 jeweils an der Hallenkapazität von 3000 Zuschauern scheiterte und nicht aufsteigen durfte. Ebenfalls könnte ein Platz frei werden, wenn ein Erstligist im Lizenzverfahren durchfällt. Bei den Gießen 46ers wäre es kürzlich fast so weit gewesen. Doch der Klub wird nun wohl sportlich absteigen, nicht durch Lizenzentzug.

Roller und seine Partner verspüren bislang keinen Druck. "Wir warten auf den günstigsten Zeitpunkt", sagt der frühere Aufbauspieler. Der Etat wäre laut eigener Aussage schnell aufgestellt, die Gespräche mit Sponsoren und der Stadt Hamburg laufen positiv. Die Stadt könnte sich den aufstrebenden Stadtteil Wilhelmsburg gut als neuen Standort vorstellen. Südlich der Elbe gibt es ein ambitioniertes Stadtteilprojekt, unter Ex-Nationalspieler Marvin Willoughby trainieren hier bereits zwei Bundesliga-Nachwuchsmannschaften. Auch Rollstuhl-Basketball wird gespielt. Zur Internationalen Gartenschau 2013 entsteht zudem eine neue Halle.

"Wir als Stadt stehen den Plänen positiv gegenüber", sagt Sportamtsleiter Thomas Beyer: "Ein Start zur kommenden Saison wäre aber zumindest ambitioniert. Die Saison 2014/15 scheint mir realistischer." Das Problem, binnen weniger Wochen eine schlagkräftige Mannschaft aufzustellen, sieht Roller indes nicht. Verträge werden im deutschen Basketball ohnehin kurzfristig gemacht - Teams verändern sich teilweise rasend schnell, viel Kontinuität existiert allenfalls bei den Spitzenteams aus Bamberg oder Berlin. Rollers guter Name soll zudem helfen, den ein oder anderen hochwertigen Kandidaten an die Elbe zu locken.

Was fehlt, ist ein positives Zeichen der Liga. Bis zum 15. März müssen die Erstligaklubs und Aufstiegskandidaten ihre Lizenzunterlagen einreichen. Fällt dann einer durch, kann die BBL im April entscheiden, ob eine Wildcard vergeben wird. Es könnte also schnell gehen für die "Hamburg Towers". Es kann allerdings auch noch einige Jahre dauern.