15. November 2012 11:28 Irrer Fallrückzieher von Zlatan Ibrahimovic "Das beste Tor, das ich je gesehen habe"

Selbst die englischen Spieler staunen über Zlatan Ibrahimovic: Erst dreht der Schwede im Alleingang die Testpartie in Stockholm zugunsten der Gastgeber - und schießt dann eines der spektakulärsten Tore in der Geschichte des Fußballs.

Von Thomas Hummel

Nackte Freude: Zlatan Ibrahimovic nach seinem Wunder-Tor.

(Foto: Marcus Ericsson/Witters)

Steven Gerrard sollte eigentlich der gefeierte Mann des Abends sein. Der Mittelfeldmann des FC Liverpool spielte am Mittwochabend in Stockholm als erst sechster Fußballer das 100. Länderspiel für die englische Nationalmannschaft. Doch am Ende stand er vor den Reportern seines Landes und musste über jemand anderes sprechen: über Zlatan Ibrahimovic.

Der hatte nicht nur vier Tore geschossen in diesem Testkick gegen stark dezimierte Engländer. Auch die Tatsache, dass der Stürmer mit drei Treffern in den letzten 13 Minuten aus einem 1:2 ein 4:2 für Schweden gemacht hatte, blieb fast zweitrangig. Alle redeten nun von diesem letzten Tor. Von dieser irren Demonstration aus Körperbeherrschung, Akrobatik, Schusstechnik und Gefühl für Raum und Zeit. Das 4:2 von Zlatan Ibrahimovic wird in die Geschichte eingehen als eines der spektakulärsten Tore dieser Sportart.

Nach einem weiten Pass nach vorne lief Englands Torwart Joe Hart aus dem Strafraum und köpfte den Ball etwas kraftlos und in einem seltsam hohen Bogen nach vorne. Ibrahimovic stoppte, drehte sich und setzte zu einem Fallrückzieher an. Ein Fallrückzieher 25 Meter vor dem Tor! Dieser 1,95 Meter große Mann mit dem schicken Zopf flog quer durch die Luft, traf den Ball in fast zwei Metern Höhe und schoss ihn so über Torwart Hart und den englischen Verteidigern hinweg ins Netz.

Danach jubelte der sonst so stoische Könner wie ein kleines Kind, zog sich sein Trikot aus und zeigte seinen Muskeloberkörper mit den vielen auffälligen Tätowierungen. (Das Tor im Youtube-Video)

"Unbezahlbar"

"Es war das beste Tor, das ich je gesehen habe", sagte Jubilar Gerrard voller Anerkennung. Vor diesem sei das beste Tor jenes von Wayne Rooney gewesen, im Februar 2011 im Spiel Manchester United gegen Manchester City (kurioserweise stand da auch Joe Hart im Tor). "Aber dieses Tor von Ibrahimovic, ein Rückzieher aus 25 Metern, wenn der Ball 1,80 Meter hoch in der Luft ist - nur wenige Spieler können das und er ist ein ganz spezieller Spieler."

Ibrahimovic selbst sagte: Der Ball sei in die Tiefe gespielt worden und er sah, dass der Torwart herauskam. Er vermied das direkte Duell und wich stattdessen zurück. Als Joe Hart köpfte, kam der Ball in perfektem Timing für ihn und auch wenn es weit entfernt gewesen sei, habe er versucht, das Tor zu treffen. "Und es wurde ein Tor."

Es wurde ein Tor, das der 31-Jährige häufig erklären musste im nagelneuen Nationalstadion Friends Arena in Stockholm. "Solche Tore fallen. Glück oder Können? Ich weiß nicht, es fühlt sich jedenfalls gut an."

In den sozialen Netzwerken im Internet wird das Tor nun bereits zu den besten in der Geschichte des Fußballs gezählt. Hans Sarpei, früherer Profi und Twitter-Ikone, schreibt: "Eintrittskarte fürs Länderspiel 50 Euro, Amsterdam-Reise 200 Euro, nach dem Kick auf dem Handy das Ding von Zlatan sehen: Unbezahlbar."

Ibrahimovic zeigte mit diesem Treffer, dass er einer der außergewöhnlichsten Fußballer seiner Zeit ist. Einer, der vor der Saison zum Scheich-Klub Paris Saint-Germain gewechselt war und dort nun mit 15 Millionen Euro pro Jahr der bestbezahlte Kicker der Welt sein soll. Auch und vor allem sein Können und sein Einsatz führte zuletzt dazu, dass die Schweden auch in Berlin vier Treffer erzielt und dabei ein 0:4 aufgeholt hatten. Doch dazwischen liegt auch eine sehr unschöne Aktion: In Paris sah er in im Ligaspiel gegen AS Saint-Étienne Rot, weil er den Torwart mit einem Karate-Kick niederstreckte.

Ibrahimovic gibt der Sportart und seinen Zuschauern die Extreme, er verursacht Proteste und Faszination. Dieses 4:2 in der 90. Minute von Stockholm ist ein Geschenk an den Fußball. Mal sehen, wie viele junge Fans versuchen werden, es auf dem Bolzplatz nachzuahmen - und sich dabei die Knochen brechen.