8. November 2012 21:07 Europa League Stuttgart siegt endlich, Gladbach im Glück

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Nach dem 2:0-Auswärtssieg beim FC Kopenhagen hat der VfB Stuttgart die Möglichkeit, aus eigener Kraft die nächste Runde zu erreichen. Turbulent verläuft die Schlussphase in Marseille: Gladbachs Juan Arango trifft in der dritten Minute der Nachspielzeit - und rettet der Borussia damit ein 2:2.

Tor für den VfB, mal wieder: Vedad Ibisevic.

(Foto: dapd)

Lange hat sich der VfB Stuttgart mit dreifachen Punktgewinnen in der Europa League schwer getan, jetzt hat es geklappt: Vedad Ibisevic und Martin Harnik haben ihrem Klub den ersten Sieg in der Gruppenphase der Europa League beschert. Der Bosnier legte in der 76. Minute mit seinem fünften Treffer im laufenden Wettbewerb beim FC Kopenhagen den Grundstein zum 2:0 (0:0). Der Österreicher Harnik (92.) machte kurz vor Schluss alles klar. Damit stehen die Chancen wieder gut, dass die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia auch im neuen Jahr international spielen darf.

Mit dem Sieg schon sich der VfB vom letzten auf den zweiten Tabellenplatz, der zum Aufstieg in die Runde der besten 32 berechtigt. "Wir sind der verdiente Sieger, aber es war ein enges Spiel", befand Labbadia. "Das ist super für uns. Wir haben es uns aufgrund der zweiten Halbzeit auch verdient", urteilte auch Sportdirektor Fredi Bobic.

Labbadia modifizierte sein taktische Grundaufstellung. Statt des seit einigen Wochen praktizierten 4-3-3-Systems spielte der 46-Jährige diesmal mit zwei Spitzen. Als die Partie dann wenige Minuten alt war, erkannte man schnell, dass seine Idee nicht aufging. Im Stuttgarter Spiel fehlte das Tempo, die Raffinesse, die Pässe und Abspiele waren zu ungenau. Diese Unzulänglichkeiten verwunderten, da die Mannschaft doch in der Bundesliga seit fünf Spielen unbesiegt ist und sich in den vergangenen Wochen spielerisch deutlich gesteigert hatte.

Doch in Kopenhagen war davon wenig zu sehen. Im Gegenteil: Der Tabellenführer der dänischen Superligaen hatte die erste gute Möglichkeit des Spieles. Der 19 Jahre alte Stürmer Andreas Cornelius scheiterte nach einer Viertelstunde mit seinem Schuss allerdings an dem starken Reflex von Sven Ulreich, der schnell abgetaucht war. Auf der Gegenseite verzog Ibrahima Traore mit links. Ibisevic zog in der 29. Minute mit links ab, doch seinem Ball fehlte die Wucht.

Nach dem Seitenwechsel rückte der Fußball wieder in den Vordergrund. Ibisivic köpfte in die Arme von Torhüter Kim Christensen (47.). Gut war das Spiel noch immer nicht, es war mehr der Zufall, der Regie führte. Es fehlten die Kombinationen. So war es auch ein gefühlvoller Schlenzer von Christian Gentner (60.), der fast zum ersten Tor geführt hätte. Doch er ging knapp vorbei.

Auch Kopenhagen, der neunmalige Dänische Meister, hatte seine Chancen. Thomas Delaney köpfte aus sieben Metern knapp neben das Tor. Besser machte es schließlich Ibisevic (76.), der mit seinem Kopfball nach schöner Vorarbeit des eingewechselten Arthur Boka Christensen keine Chance ließ. Harnik besorgte dann in der Nachspielzeit mit einem Fernschuss die Entscheidung.

Juan Arango hat Borussia Mönchengladbach mit einem Last-Minute-Treffer die große Chance auf das Weiterkommen in der Europa League gewahrt. In der dritten Minute der Nachspielzeit sorgte der Stürmer am Donnerstagabend für das kaum noch für möglich gehaltene 2:2 (1:0) bei Olympique Marseille, wodurch das Team von Trainer Lucien Favre den Einzug in die K.o.-Phase selbst in der Hand hat.

Führungstreffer für Gladbach: Mike Hanke.

(Foto: AP)

Mit einem Sieg gegen AEL Limassol könnten die Borussen im nächsten Heimspiel bereits das Überwintern im internationalen Wettbewerben perfekt machen - wenn Marseille zugleich gegen Fenerbahe Istanbul verliert. "Es war ein Spiel mit vielen Emotionen. In der zweiten Halbzeit hatten wir zu viele Ballverluste", sagte Trainer Favre: "Meine Mannschaft hat aber nie aufgegeben. Es ist alles offen in der Gruppe."

Mike Hanke hatte den Fußball-Bundesligisten in Führung gebracht (20. Minute), doch eine deutliche Leistungssteigerung der Franzosen nach der Pause und die Tore von Joey Barton (54.) sowie Jordan Ayew (67.) drehten vor rund 15.000 Zuschauern das Match. Aber Arango mit einem satten Schuss ließ die Gäste doch noch jubeln (90.+3).

Vor allem über die rechte Angriffsseite von Patrick Herrmann hatte Gladbach anfangs überzeugt und das Führungstor eingeleitet. Benoit Cheyrou vertändelte den Ball im Strafraum gegen Arango, der sofort in die Mitte spielte, wo Hanke nur noch einschieben musste. Drei Tage nach seinem 29. Geburtstag jubelte er über sein zweites Saisontor - und Favre über ein glückliches Händchen: Nach fünf Spielen hatte er den Stürmer erstmals wieder von Beginn an gebracht. Fast hätte Hanke vor der Pause noch einen draufgesetzt, nach einem tollen Dribbling ignorierte er beim Konter aber zwei besser postierte Mitspieler und schoss den Ball weit am Tor der Hausherren vorbei.

Dass die Gladbacher im Stade Velodrom als Auswärtsteam antraten, war bei milden Mittelmeer-Temperaturen zumindest akustisch lange nicht zu erkennen. In der großteils leeren Arena waren die rund 3000 mitgereisten Borussen-Anhänger vor der Pause deutlich tonangebend.

Nach der Pause kostete ein ter-Stegen-Patzer Gladbach die Führung, und wieder brachte ein Eckball den Nationaltorhüter in Verlegenheit, als Barton alle narrte und das Leder direkt von der Eckfahne über den sich vergeblich streckenden Borussen-Schlussmann ins Netz zirkelte. Mit dem Tor kaufte das Team von Coach Elie Baup Mönchengladbach den Schneid ab, Ayew mit einem satten Schuss in den Winkel ließ die wenigen Fans in weiten Rund wieder jubeln. Doch dieser Jubel reichte nicht bis zum Schlusspfiff, sondern nur bis Arango zuschlug.

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