Von Thomas Hummel

Weil die Polizei in den Niederlanden streikt, mussten Fußballspiele abgesagt werden. Ein Verbandsdirektor nannte die Beamten deshalb "verwöhnte Kerle". Ist da was dran? Eine satirische Annäherung

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Wer will sich schon mit solchen Fans prügeln? Polizisten bei der Arbeit. Foto: dpa

Man stelle sich vor, die Bundesliga hätte die Spiele Bremen gegen Leverkusen und Hertha gegen Bayern absagen müssen. Und zwar nicht wegen eines Wintereinbruchs oder einer Grippe-Pandemie - sondern weil die Polizei streikt.

Realität wurde dieses bestürzende Szenario in den Niederlanden. Unsere Nachbarn haben nicht nur eine Vorliebe für Wohnwagen, Holzschühchen und liberalen Drogengenuss - auch ihr Streikrecht scheint recht großzügig zu sein. Während in Deutschland Polizisten als Beamte nur sehr eingeschränkt ihre Arbeit niederlegen dürfen, tobt in den Niederlanden seit einigen Wochen ein Arbeitskampf der Ordnungshüter. Der eskalierte, denn was kann es Schlimmeres geben, als wenn an einem Wochenende zwei Fußballspiele abgesagt werden müssen? Noch dazu die Klassiker Ajax Amsterdam gegen PSV Eindhoven und Feyernoord Rotterdam gegen AZ Alkmaar?

Der Direktor des niederländischen Fußballverbands, Henk Kesler, hat entsprechend reagiert. Nein, er problematisierte nicht die ausgeprägte Gewalttäter-Szene im holländischen Fußball, wegen derer sich die Vereine außerstande sahen, ohne ausreichenden Polizeischutz die Spiele durchzuführen.

Kesler nannte die Polizisten "verwöhnte Kerle". Und hat der Innenministerin empfohlen, nicht auf deren Lohnforderungen einzugehen.

Das hat viele empört - und einigen im Stillen gefallen. Denn im Ernst: Wer hat sich noch nicht über die Polizei geärgert? Nach zehn Euro Strafe wegen Radfahren auf der falschen Straßenseite, zum Beispiel.

Eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Thema fand jedenfalls bisher nicht statt. Sind Polizisten nun "verwöhnte Kerle"? Es folgt der Versuch einer Annäherung am Beispiel des Konflikts mit Fußball-Gewalttätern, auch "Hooligans" oder "Hools" genannt. Ein satirischer Vergleich der Kampfparteien.

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Klopffester Helm, schusssichere Weste, Knüppel - fertig ist der Hooligan-leidgeprüfte Beamte. Foto: AP

1. Polizisten haben meist einen Zehn- bis Zwölf-Stunden-Tag. Hools sind bisweilen 48 Stunden von ihren Familien getrennt, weil sie lange in der Ausnüchterungszelle liegen.

2. Polizisten können sich als Beamte auf eine üppige Pension freuen. Hools dürfen im hohen Alter zufrieden sein, wenn sie genügend Zähne für den Genuss eines Frühstückseis im Mund haben.

3. Vor einem körperbetonten Konflikt kleiden sich Polizisten mit schusssicherer Weste, reißfester und nicht-entzündbarer Ledergarnitur. Hools bringen zerrissene Jeans und einen Pullover vom Second-Hand-Laden mit.

4. Polizisten tragen ein Schild aus Glasfieberfasern oder Plexiglas zur Wurfgeschossabwehr. Hools können mit einer 30-Zentimeter-Fahnenstange vor sich herumfuchteln, weil ihnen längere Stangen am Stadioneingang abgenommen werden.

5. Polizisten tragen klopffeste Helme auf dem Kopf. Hools meistens eine Pudelmütze ihres Klubs.

6. Polizisten spritzen mit Wasserwerfern in die Menge. Hools können den Gegner mit Bier übergießen. Das ist aber wegen der oben genannten Kleidung der Ordnungshüter wirkungslos.

7. Polizisten kommen zum Einsatz im schnellen Gefährt (BMW, Mercedes, gepanzerter Einsatzwagen). Hools sitzen zu fünft, zu sechst im VW Golf, Baujahr 1987. Oder im Fanbus.

8. Polizisten dürfen den Gegner, wenn es hart wird, mit Tränengas oder Pfefferspray bekämpfen. Hools halten mit Fäusten dagegen, wenn sie noch können.

Urteil: Von verwöhnten Kerlen kann bei Polizisten nicht im Geringsten die Rede sein. Wer will sich schon mit einer Meute Fahnenstangen schwingender, meist betrunkener Pudelmützen-Jeans-Pulloverträger aus dem VW Golf, Baujahr 1987, prügeln?

Henk Kesler hat sich übrigens inzwischen entschuldigt. Die Wortwahl habe nicht "zum königlichen Charakter des königlichen Fußballverbands“ gepasst.

Aus deutscher Sicht hatte die Absage der Spitzenspiele in der Eredivisie (Ehrendivision) eine spezielle Pionte. So konnte Roy Makaay nicht seinen zehnten Saisontreffer für Feyernoord schießen. Er hätte damit ein Tor mehr als seine Nachfolger beim FC Bayern gehabt. Toni und Klose stehen beide bei je neun Saisontreffern.

(sueddeutsche.de/jja)