Seit sie sich von ihrem Trainer getrennt hat, kassierte Anna-Lena Grönefeld sieben Niederlagen in Folge. Jetzt fühlt sich die deutsche Nummer eins wieder "wohl" und gewinnt.
Trotz ein paar Pfunden zuviel, zurück auf der Erfolgsspur: Anna-Lena Grönefeld Foto: AP
Da sind diese Zweifel im Spiel, immer wieder. Die Unsicherheit, nachgehen, draufhauen oder abwarten? Und plötzlich geht dann gar nichts mehr. 4:0 führte Anna-Lena Grönefeld bereits in ihrem Erstrundenmatch bei den Australian Open gegen die tschechische Qualifikantin Sandra Zahlavova. Und plötzlich 4:4.
Alles vorbei, die Bälle flogen ins Aus und ins Netz. "Es war so wichtig, dass ich es dann wieder umgebogen habe", sagte die Nordhornerin nach dem am Ende klaren 6:4, 6:1-Erfolg: "Das war schon gut fürs Selbstvertrauen."
Als letzte der vier im Hauptfeld gestarteten deutschen Spielerinnen (siehe nächste Seite) trifft die 21-Jährige am Donnerstag in der zweiten Runde auf die US-Amerikanerin Ashley Harkleroad. Ein Match mit völlig ungewissem Ausgang, denn der Weg auf dem sich Grönefeld derzeit bewegt, ist ein schmaler Grat - ein Absturz scheint jederzeit möglich oder der Aufstieg zu alter Stärke.
Immerhin war der Sieg über Zahlavova der erste Erfolg von Deutschlands Nummer eins seit Anfang Oktober. Sieben Niederlagen in Folge hat sie seitdem kassiert. Die Trennung vom umstrittenen Coach Rafael Font de Mora bei den US Open Anfang September, dessen Agentur noch die Vermarktungsrechte an ihr hat, war ein schmerzhafter Prozess.
"Es war nicht einfach, aber so langsam renkt es sich ein", sagt die Norddeutsche, die auch ihr sportliches Heim seit 2003 in Arizona verlassen hat und nun in Saarbrücken mit dem ehemaligen Profi Dirk Dier trainiert: "Dirk versucht, mir den Spaß am Spiel zurückzugeben", sagt Grönefeld: "Es ist auch sicherlich so, dass ich selbst mehr entscheide. Ich bin 21, es wird ja auch Zeit." Bei dem umstrittenen Spanier Font de Mora gab es das nicht. Er predigte Gehorsam und Unterwerfung, und er demütigte Grönefeld nach schwachen Spielen.
Fed-Cup-Kapitän Barbara Rittner überwarf sich mit ihm wegen seiner Methoden. "Die Trennung war für Anna-Lena ein Segen", meint Rittner: "So ging es nicht mehr weiter." Eine reibungslose Rückkehr zu alter Leistungsstärke scheint da fast unmöglich. Gewonnen hat Grönefeld zuletzt nur an Gewicht. "Da muss ich noch
etwas tun, keine Frage, das kann man auch nicht ausblenden", gibt die 19. der Weltrangliste zu.
Andererseits war sie im erfolgreichen letzten Jahr extrem schlank. Möglicherweise wurde da auch mit Entschlackungsmitteln nachgeholfen, das würde erklären, warum sie zurzeit nicht unbedingt wie eine durchtrainierte Profisportlerin aussieht. Obwohl sie diszipliniert trainiert und auf ihre Ernährung achtet.
Trotz der Kritik an ihrer Figur und den fehlenden sportlichen Erfolgen ist aus dem einst verunsicherten Mäuschen bei öffentlichen Auftritten
inzwischen eine selbstbewusste junge Frau geworden, die ihre Gedanken klar formuliert. Der Weg ins neue Sportlerleben ist angetreten, ob er zu dem Ziel führt, irgendwann die Top Ten zu knacken, wird man sehen. Eine Voraussetzung ist jedenfalls geschaffen: "Am wichtigsten ist, dass ich mich wohl fühle", sagt Anna-Lena Grönefeld: "Und das tue ich zurzeit."
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