Interview: Ann-Kathrin Eckardt

Walter Weiss, Rasenhüter des Ernst-Happel-Stadions, über die intensive Bodenpflege in Wien - und warum vor beiden Toren schon kleine Stücke ausgewechselt werden mussten.

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Im Mittelpunkt: Der Rasen des Ernst-Happel-Stadions in Wien. Foto: dpa

Seit Wochen hat Walter Weiss keinen freien Tag mehr gehabt. Der Betriebsleiter des Wiener Ernst-Happel-Stadions musste seinen Rasen gesund durch die Fußball-EM bringen - und das kostete viel Zeit und Hingabe. Rund um die Uhr waren drei Schichten mit je sechs Mann im Dauereinsatz. Den 64-jährigen Rasenhüter ans Telefon zu bekommen, ist deshalb nicht ganz einfach.

SZ: Warum braucht Ihr Rasen so eine intensive Betreuung?

Walter Weiss: Weil er während des Turniers sehr stark beansprucht wurde. Das Finale am Sonntag ist das siebente Spiel in unserem Stadion. Hinzu kamen sieben Trainingseinheiten. Nur an sieben Tagen war spielfrei. Wenn wir nur tagsüber im Einsatz gewesen wären, hätten wir den Rasen bis zum nächsten Spiel gar nicht wieder hinbekommen.

SZ: Was haben Sie denn jeden Tag und jede Nacht mit Ihren 8000 Quadratmetern Rasen gemacht?

Weiss: Wir haben ihn gedüngt, geschnitten, die ausgestanzte Erde entfernt und neue Grasbüschel eingesetzt. Zur Zeit wächst unser Rasen einen Zentimeter am Tag und wird dreimal die Woche geschnitten.

SZ: Gießen mussten Sie ja nicht viel. Hat Ihr Rasen unter dem Regen gelitten?

Weiss: Nein, ich war selbst überrascht. Immer wenn Regen vorhergesagt war haben wir ganz viele kleine Löcher in den Boden gestochen, damit das Wasser ablaufen konnte. Wie man im zweiten Halbfinale sehen konnte, hat das gut funktioniert, besser als in Basel...

SZ:...dort musste der Rasen schon vor dem Viertelfinale ausgetauscht werden.

Weiss: Wir haben nur vor beiden Toren kleine Stücke ausgewechselt. Und am Elfmeterpunkt, weil die Türken dort so viel geübt haben. Für alle Fälle hatten wir aber in der Slowakei 11.000 Quadratmeter Ersatzrasen reserviert.

SZ: Was wäre denn so schlimm am Rasen-Austausch gewesen?

Weiss: Oh, da sind wir Österreicher eigen. In deutschen Stadien wird der Rasen ja in der Regel zwei-, dreimal im Jahr erneuert. Wir behalten ihn so lange wie möglich. Vor zwei Jahren haben wir unseren ausgetauscht. Nach 20 Jahren, weil wir eine Rasenheizung eingebaut haben.

SZ: Ihr Rezept für einen langlebigen Rasen?

Weiss: Viel Flüssigdünger! Außerdem verwenden wir drei verschiedene Rasensorten, die speziell auf das Klima hier abgestimmt sind. Und natürlich eine Intensiv-Pflege in schweren Zeiten. Zweimal haben Uefa-Experten unseren Rasen inspiziert. Sie haben ihn sehr gelobt.

(SZ vom 28.06.2008/mb)