1:1 zwischen Bayern und Dortmund Respektiert und gleich stark - vorerst

Das Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern und dem BVB war ein Duell auf Augenhöhe, bei dem beide Klubs vor allem ihre Images bestätigen: Hier die sportlich wiedererstarkten Bayern, da die mittlerweile ebenso guten Dortmunder. Doch dies ist nur eine Momentaufnahme, denn die Rivalität der Vereine birgt Potenzial für Konflikte.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

"Fangen wir an mit dem Wichtigsten", sagte Jürgen Klopp, als er die Pressekonferenz in einem Tonfall eröffnete, als halte er eine Ansprache am Familientisch. Es tue ihm in der Seele weh, dass Holger Badstuber, dieser "tolle Spieler", sich so schwer verletzt habe (wohlgemerkt ohne Einwirkung eines Gegenspielers/d. Red.). Beileibe nicht allein wegen solch warmer Genesungswünsche seines Dortmunder Trainerkollegen sah sich Jupp Heynckes herausgefordert, selbst einen Toast auszusprechen.

Und zwar auf den Torwart des Gegenübers. Es sei endlich an der Zeit, dass dieser Weidenfeller eine Chance in der Nationalelf bekomme: Was solle der denn sonst noch halten? Ein sehr spezielles Lob war das, schließlich ist Heynckes' eigener Torwart, Manuel Neuer, die deutsche Nummer eins, und da erscheint es mehr als ungewöhnlich, ausgerechnet einen Herausforderer zu adeln.

Es war aber nun einmal nicht der Abend für kleinkrämerisches Aufrechnen, es war die Nacht der Gentlemen. Dokumentiert darin, dass es den Hauptdarstellern gelang, sich in diesem nach der Pause dichten und spannenden Duell keine gelbe Karte einzuhandeln, ohne dass sich das Publikum deshalb beim Wattebäuschchen-Weitwurf wähnte.

Das lag jedoch auch daran, dass die Gentlemen derzeit ihre Ländereien abgesteckt haben: Bayern schickt sich an, die Dortmunder nach zwei demütigenden Spielzeiten in der Meisterchronik wieder abzulösen, die Borussen hinterließen jüngst auf dem internationalen Parkett den attraktiveren Eindruck. Bei elf Bundesliga-Punkten Vorsprung war es nun weniger ein Tabellen- als ein Imagespiel. Da will jeder gewinnen - mehr noch aber nicht verlieren.

Nach einem Remis kann also generös zugeprostet werden. Kein Zweifel aber, dass die Herren aus Dortmund bald wieder dezent darauf hinweisen, dass sie inzwischen besser rechnen können (nur 215 Millionen Umsatz, aber 34,28 Millionen Gewinn), derweil die Münchner Herren (373 Millionen Umsatz, nur 11,1 Millionen Gewinn) wohl erneut den Vertrag von Mario Götze inspizieren werden, um die Konditionen für einen Seitenwechsel auszuloten. Die Herren aus Dortmund wiederum dürften hellhörig werden, sobald einer wie Mario Gomez noch einmal Unzufriedenheit bekunden sollte.

Der Abend der Gentlemen ist also zunächst eine Momentaufnahme, er zeugt aber von einer neuen Qualität. Dortmund darf sich nach einer Phase aggressiven gegenseitigen Belauerns respektiert fühlen, und Bayern hat begriffen, dass der reich gewordene Emporkömmling da ist, wo er ist. Er bleibt am Tisch, auf Augenhöhe, selbst dann, wenn drunter mal wieder getreten wird.