Nach Dolls monatelangem Leiden und Magaths kurioser Beinaheverpflichtung wollte der HSV mit Huub Stevens nur bitte endlich ein kleines Erfolgserlebnis. Doch das Spiel gegen Hertha BSC Berlin muss jedem Hamburger Fan das Herz brechen.
Immerhin, es war ein Brasilianer. Gegen Brasilianer zu verlieren ist so etwas wie die Königin unter den Niederlagen. Doch wen tröstet das beim HSV?
Jubeltraube: Mineiro, das Maskottchen und Trainer Falko Götz. (© Foto: dpa)
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Niemanden. Nicht nach dieser Woche (Doll geht, Magath kommt - doch nicht, Huub Stevens übernimmt). Nicht in diesem Moment (Tabellenletzter, Neuanfang). Nicht auf diese Art (geführt, Gegentor in letzter Sekunde).
Der Ball, den der Neu-Berliner und Brasilianer Mineiro in der zweiten Minute der Nachspielzeit aus 30 Metern Entfernung gen Hamburger Tor schickte, schlug unter der Torlatte ein wie eine Kanonenkugel.
Stich ins Herz
Es war: ein Traumtor, wie auch ein Brasilianer es in hundert Spielen nur einmal schießt. Es war auch: Ein Stich ins Herz des HSV.
So viel Tragik in einem einzigen Spiel hatte man lange nicht mehr gesehen. Das passiert in dieser Saison nur dem HSV.
Wieder einmal hatten die Hamburger geführt. Alexander Laas traf nach 33 Minuten zum 1:0. Sicher, ein haltbarer Ball, aber wer fragt danach, wenn der Tabellenletzte ums Überleben kämpft?
Zuvor hatte Hamburgs Torhüter Rost in der 9. Minute einen Foulelfmeter von Marko Pantelic abwehren können. Berlins Bastürk scheiterte per direktem Freistoß an der Querlatte (57.). Der HSV schien mit viel Glück und etwas Können tatsächlich drei Punkte in einer schwachen Partie in Berlin holen zu können.
Eingewechselt, erstes Spiel - und dann dieses Tor
77 Minuten lang zählte ganz Hamburg (gut, St. Pauli mal ausgenommen) besorgt aber hoffnungsvoll die Minuten bis zur 90. - dann traf Arne Friedrich per Kopf zum 1:1.
Ein schwaches Spiel wurde nun wenigstens noch dramatisch: Van der Vaart schob alleinstehend vor Fiedler den Ball am Hertha-Tor vorbei (81.). Und dann das Unfassbare, Teil 1: Sieben Minuten vor dem Ende schießt Sorin aus kurzer Distanz aufs Berliner Tor, Fiedler wehrt ab, der Ball fällt Bastian Reinhardt vor die Füße, innerhalb des Fünfmeterraums, er zieht ab, Vollspann, unhaltbar - und trifft den heraneilenden eigenen Mitspieler Sanogo. Unfassbar.
Na ja, zumindest ein Punkt, dachte man. Das Spiel schien vorbei, Huub Stevens legte sich die Worte zurecht für die Interviews nach dem Spiel (in etwa: "einen Punkt erkämpft, Berlin ist ein starker Gegner, Blick nach vorne").
Doch dann kam Carlos Luciano Da Silva, kurz Mineiro genannt, angelaufen, in seinem allerersten Spiel für Berlin, eingewechselt in der 69. Minute, immerhin 31 Jahre alt. 2:1. Ein Sonntagsschuss. Am Samstagnachmittag. Ausgerechnet.
"Dass der Einstand von Mineiro so verläuft, das kann niemand ahnen. Herzlich willkommen in Berlin", freute sich Falko Götz, der Berliner Trainer.
Ein frommer Wunsch
Sein Kollege Huub Stevens sagte: "Wir haben gut angefangen und Hertha das Leben schwer gemacht. Mit der zweiten Halbzeit können wir nicht zufrieden sein, weil wir zu viel Bälle verloren haben und zu wenig nach vorne gespielt habe. Und wie es im Fußball so ist, schaffen wir das Führungstor nicht und kassieren dann noch einen Treffer. Das ist bitter für die Spieler, aber wir müssen Selbstvertrauen aus der ersten Halbzeit schöpfen."
Ein frommer Wunsch, allein: Es ist nicht möglich. Kein Fußballer der Welt kann aus so einem Spiel, diesem bitteren Punktverlust in letzter Sekunde, Selbstvertrauen ziehen. Das Bild, das ihnen bleibt, ist dieser letzte Schuss, der Dusel der Berliner, das Gefühl vom Fußballgott längst verlassen zu sein.
Unter Thomas Doll hätte man diese Niederlage wegstecken können, dass Doll das Pech gemietet hatte, war bekannt. Doch nun kommt der Neue, Huub Stevens. Er wird eine pathetische Kabinenansprache gehalten haben, ein Plädoyer ans Kämpferherz, "ihr könnt es schaffen", so Dinge.
Was bleibt sind null Punkte.
(sueddeutsche.de)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
Hey Kollege,
kannst Du nicht einfach mal Ruhe bewahren? Jedesmal, wenn ich hier einen Artikel lese, kommst Du an und schimpfst darüber, was die Journalisten Schreckliches geschrieben haben. Über die Artikel kann man ja denken, was man will - aber so richtig unangenehm ist erst Dein Geschimpfe hinterher. Du hast bestimmt eine Menge Ahnung, man merkt das wohl. Aber irgendwie kommt es bei mir sehr negativ und wütend an. Lass´ doch einfach mal gut sein.
Und was den HSV angeht - wer wohin gehört, zeigt sich doch immer erst am Ende. Und nur weil man schon bei der Gründung der Bundesliga mit dabei war, als Einziger! der heutigen Klubs ohne Pause - nur das allein ist doch noch kein Abstiegsgrund, oder? Erneuern kann man sich auch in der Liga selbst, und ich finde es sympathisch von der SZ, dass sie so ein bisschen mitfühlen auch mal mit Klubs, die nun echt immer wieder kurz vor Schluss irgendwelche Gurkentore reingehämmert bekommen. Hat na klar auch was mit fußballerischer Kompetenz der HSV-Mannschaft zu tun, aber - mitfühlen wird man ja wohl noch dürfen.
In diesem Sinne, nichts für ungut!
Olaf, der alte Nordbär