Bayer und 96 gewinnen in der Europa League Lässig wie im Wiener Kaffeehaus

Souveräne Vorstellung, klarer Sieg: Bei Rapid Wien ist Bayer Leverkusen so überlegen, dass sogar Zeit für ein wenig Tiki Taka bleibt. 4:0 steht es am Ende - auch, weil ein Mittelfeldmann zweimal trifft. Hannover 96 ärgert sich in Helsingborg kurz vor Schluss über einen Gegentreffer, dann geschieht noch Erstaunliches.

So begann alles: Philipp Wollscheid traf per Kopf zur Leverkusener Führung. 

(Foto: REUTERS)

Als die Partie dem Ende entgegen trudelte, war sogar noch Zeit für ein wenig lässiges Kurzpassspiel. Bayer Leverkusen hatte bei Rapid Wien in der Europa League so wenige Probleme, dass man sich fragte, ob diese armen Österreicher überhaupt fit genug für diesen Wettbewerb sind. Nach dem erst zweiten deutschen Europapokalerfolg bei Rapid in der Geschichte kann der Bundesligist das Weiterkommen weiter fest einplanen. Mit dem 4:0 (1:0) am Donnerstag gelang dem Werksklub zudem eine erfolgreiche Probepartie für das schwere Bundesligaspiel am Sonntag beim FC Bayern.

Der Rekordmeister hatte vor sieben Jahren als bisher einziger deutscher Verein einen Sieg bei den diesmal schwachen Wienern gefeiert. Dank der Tore von Philipp Wollscheid (37.), Gonzalo Castro (56./90.+2) und Karim Bellarabi (58.) führt Leverkusen mit nunmehr sieben Zählern punktgleich mit Metalist Charkow die Gruppe K an. Rapid liegt nach drei Partien weiter ohne Punkt auf dem letzten Platz, Rosenborg Trondheim ist mit drei Punkten Dritter.

Bayers Trainer-Duo Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä hatte drei Veränderungen nach dem 2:2 gegen Mainz vorgenommen. Nach nur neun Minuten musste jedoch der eigentlich zur Schonung auf die Ersatzbank beorderte Lars Bender auf das Feld. Der Nationalspieler ersetzte Linksverteidiger Michal Kadlec. Der Tscheche hatte sich bei einem Zweikampf am Knie verletzt und bangt um seinen Einsatz gegen die Bayern. Auf seiner Position half dafür dann der Japaner Hajime Hosogai aus. Die Stimmung im mit 44.000 Zuschauern sehr gut gefüllten Ernst-Happel-Stadion war eine knappe halbe Stunde lang viel besser als die Vorstellung der Teams auf dem Rasen.

Sechs Wochen nach dem glücklichen 2:1-Erfolg der DFB-Auswahl war nichts von deutsch-österreichischer Rivalität zu sehen. Erst allmählich setzte sich Bayers größere Klasse gegen die bemühte, aber harmlose Rapid-Mannschaft durch. Die erste große Chance für den Bundesliga-Fünften hatte Stefan Kießling, der Torjäger drückte eine Eingabe von Bellarabi neben den Pfosten (28.). Ein Fernschuss von Bender flog über die Latte (32.), André Schürrle scheiterte nach Zuspiel von Bender am herausgestürzten Torwart Lukas Königshofer (35.).

Gegen Wollscheids wuchtigen Kopfball nach Ecke von Castro war der Schlussmann machtlos. Für den Innenverteidiger war es das dritte Pflichtspieltor in dieser Saison. Castro legte elf Minuten nach Wiederanpfiff nach und vollendete nach Doppelpass mit Bender. Bellarabi machte gegen Österreichs Rekordmeister nur zwei Minuten später alles klar und schoss Königshofer den Ball nach Vorarbeit von Schürrle aus spitzem Winkel wuchtig durch die Beine.

Der Keeper verhinderte nur 120 Sekunden später einen weiteren Treffer von Bellarabi. Weitere Treffer waren möglich: Manuel Friedrich köpfte eine Ecke von Castro knapp am Tor vorbei (72.), Castro scheiterte an Königshofer (83.), ehe er in der Nachspielzeit zum zweiten Mal traf. Der von Borussia Dortmund nach Wien gekommene Terrence Boyd hatte die Chance zum Ehrentreffer, schob den Ball aber am Tor vorbei (76.).