1860-Präsident Hep Monatzeder? Der Entfroster
Auf der Pirsch: Noch ist Hep Monatzeder "Radlbürgermeister" Münchens, bald vielleicht Präsident des TSV 1860.
(Foto: Stephan Rumpf)Anzeige
Nach schier endloser Suche ist ein Mensch gefunden, der Präsident von 1860 München werden will und darf: Grünen-Politiker Hep Monatzeder, Münchens Dritter Bürgermeister, stößt bei den Fans allerdings auf Skepsis. Als Aufsichtsrat hat er den Verein in zwei seiner berühmtesten Krisen begleitet.
Wenn eines klar war während der wochenlangen, auf Stillschweigen angelegten Bemühungen der Präsidentenfindungskommission des TSV 1860 München, dann die unausweichliche Gewissheit: Der Name des Kandidaten würde natürlich an die Öffentlichkeit sickern, bevor er offiziell verkündet werden würde. Eigentlich wollte Otto Steiner, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, am Donnerstag eine Pressekonferenz einberufen, um zu verraten, dass er Josef Monatzeder gefunden hat. In seinem Aufsichtsrat. Das kann er sich jetzt sparen, es wissen ja alle.
Josef, besser bekannt als "Hep", oder "Radlbürgermeister" Monatzeder, war bereits am Freitag gemeinsam mit 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer nach Abu Dhabi geflogen. Um vorzusprechen bei Hasan Ismaik, dem Investor des Fußball-Zweitligisten, seinem künftigen Partner. Oder Gegner. Das wird sich weisen.
Denkbar ist, dass die Reise schon gebucht war, als Steiner einen Tag vor Monatzeders Abflug den Amtsverzicht des aktuellen Präsidenten Dieter Schneider mit einer Pressemitteilung flankiert hatte, in der Schneider noch als "Kandidat" bezeichnet wurde.
In jedem Fall ist es ein interessantes Vorgehen, den künftigen Präsidenten eines autonomen e.V. (der nicht nur eine Fußball-Sparte unterhält) schon beim Investor der Profifußball-Abteilung zu präsentieren, ihn dann zu nominieren - ehe er ja, hoppla, noch gewählt werden muss von den Mitgliedern.
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Und im Falle Monatzeders, dem Dritten Bürgermeister der Stadt München, der im nächsten Jahr aus diesem Amt scheiden möchte, dürfte das kein Selbstläufer werden. Beim großen Fanklub-Dachverband Arge ist er seit Jahren durchaus unbeliebt. Am Montag titelte schon die AZ: "Monatzeder 1860-Präsident: Fans entsetzt"; darunter schrieben Leser: "Bitte kein Politiker. Die fahren die Karre bloß an die Wand", "unglaublich, wenn das stimmen sollte!"
Oder: "Stoppt Monatzeder!" - was fast nach einem dieser engagierten Umweltschützer klang, die sich an die Gleise ketten, um den Zeitplan eines Castor-Transporters aus dem Takt zu bringen. Solch bebenden Volkszorn hat Monatzeder, selbst Grüner, der sich unbestreitbare Meriten beim Ausbau der urbanen Radwege erwarb, nun auch wieder nicht verdient.