Von Moritz Kielbassa

Der neue Löwen-Trainer holt die Routiniers Hofmann und Hoffmann zurück und setzt auf U23-Talent Schick.

Uwe Wolf ist mit Marco Kurz befreundet. Doch Wolf, das steht fest, war nie der typische Co-Trainer, der mit seinem Vorgesetzten jahrelang durch Dick und Dünn gehen wollte, um bis zur Rente ohne Beförderung im Stillen zu agieren - treu und loyal wie der Inspektor Harry Klein dem Oberinspektor Stephan Derrick stets zu Diensten war (siehe im Fußball: Henke/Hitzfeld).

Bild vergrößern

Uwe Wolf wäre nicht der erste Interimstrainer, der zum Chef aufsteigt. (© Foto: dpa)

Anzeige

Wolf verhehlte nie, dass er die Assistenztrainerstelle beim TSV 1860 als Sprungbrett sah, und jetzt, da er sich nach der Beurlaubung von Kurz präsentieren darf in der Chefrolle, "brenne ich vor Ehrgeiz", sagt er. Wie lange das Feuer lodert, könnte maßgeblich vom Heimspiel am Sonntag gegen St.Pauli abhängen. Womöglich hat der neue Löwen-Dompteur Wolf nur bis dahin Zeit, seine Eignung zu dokumentieren. Um Duftmarken zu setzen, verordnet er daher den Löwen eine Radikalkur - mit deutlichen Kontrasten zum Kumpel und alten Chef.

Wolf hat offenbar genau studiert, was die Menschen bei 1860 an seinem Vorgänger auszusetzen hatten. Seit Dienstag geht er nach dem kleinen Einmaleins eines Fußballtrainers vor, der möglichst schnell möglichst viele Sympathiepunkte einheimsen will. Wolf bedient a) die Presse durch Auskunftsfreudigkeit. Vom reservierten Kurz, der selten Nähe zuließ, gab es keine "Storys"; bereits nach Wolfs Bewerbungsvortrag am Mittwoch erschienen typische Boulevardartikel ("Wolfs vier Gebote"), die seit Jahren nicht mehr zu lesen waren. Mit seiner an Arbeitertugenden und Disziplin appellierenden Regierungserklärung wollte Wolf zudem b) bei der Klubspitze, c) den Fans und nicht zuletzt d) den Spielern punkten.

Dass Wolf banale pädagogische Maßnahmen eingeleitet hat - wie den Befehl zum Schuheputzen und zur konstanten Ballaufpump-Härte 0,9 bar - wird in der Mannschaft offenbar als notwendig erachtet. Kurz, früher selbst ein Musterprofi, setze auf Vertrauen und Eigenverantwortung, was einige Spieler ausnutzten. Durch Indiskretion des ausgemusterten Stürmers Kucukovic wurde kürzlich bekannt, dass vor der Partie in Aachen (0:2) im Dezember zwei Löwen den Zapfenstreich überzogen hatten, aber spielten. Solche Dinge schadeten Kurz.

"Ich finde es gut, dass Uwe seine Vorstellungen einbringt", sagt Verteidiger Torben Hoffmann, er nennt: "Disziplin, Leben, Kommunikation." Ergänzen müsste Hoffmann: Eine wohl komplett neue Aufstellung, wovon auch er profitiert. Wolf krempelt vor allem die Defensive um. Außer Rechtsverteidiger Antonio Rukavina ändert sich gegen St.Pauli hinten voraussichtlich alles. Ins Tor kehrt Routinier Michael Hofmann, 36, zurück, der von genau einem Jahr seinen Platz an Philipp Tschauner, 23, verlor. "Tschauner hat ordentlich gespielt", sagt Wolf, "aber ich will ein Zeichen setzen. Michel hat das Sieger-Gen, er soll das Team infizieren."

In der Innenverteidigung bevorzugte Kurz Beda und Ghvinianidze, alternativ den lauten Dirigenten Berhalter. Am Donnerstag trugen plötzlich Markus Thorandt und Torben Hoffmann die gelben Leibchen in der Abwehrmitte. Hoffmann, 34, war von Kurz als Außenverteidiger definiert und nach mäßigen Leistungen wiederholt auf die Bank versetzt worden.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Giraffen für Zoodirektor Wolf
  2. Giraffen für Zoodirektor Wolf
Leser empfehlen