Was machen die Organisationen, wenn sie die Wahl gewinnen? Kern betont, die Arge wolle "keinen Wahlkampf machen, weil das 1860 schadet". Aber die Delegiertenwahl gewinnen würde er trotzdem gern - weniger, um eigenen Einfluss auf die Vereinspolitik zu nehmen, sondern um den Einfluss von Pro1860 zu verringern. "Wir sind der Meinung, dass eine Einmischung von Delegierten und Fangruppierungen in die Vereinspolitik grundsätzlich verkehrt ist, und dass der Verein deswegen nicht vorwärts kommt", sagt Kern. "Es ist immer schlecht, wenn die Basis zu viel Einfluss hat." Soll heißen: Einschneidende personelle Veränderungen wird es bei einem Arge-Sieg nicht geben.

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Wenn Pro1860 erneut gewinnt, wird die Gruppe den eingeschlagenen Weg fortsetzen und weiter die Vereinspolitik beeinflussen. Viele wichtige Positionen im Verein wurden bereits mit ihr nahestehenden Leuten besetzt. Zu den politischen Programmpunkten von Pro1860 gehört auch die Übertragung der Markenrechte an Vereinsnamen und Wappen, die derzeit bei der KGaA liegen, zurück an den Verein oder auf andere Weise ein Schutz vor der Verlustgefahr bei Insolvenz der KGaA.

Welche Kandidaten favorisieren die Gruppen als Abteilungsleiter? Weil sich Wolfgang Hauner nicht mehr zur Wahl stellt, muss ein neuer Fußball-Abteilungsleiter gefunden werden. Die Arge unterstützt dabei den Gastronom Thomas Hirschberger. "Das ist nicht der Verkehrte, ein erfolgreicher Geschäftsmann", sagt Kern. Pro1860-Chef Petri gibt sich noch geheimniskrämerisch: "Ich denke, wir werden am Sonntagmittag bekannt geben, wen wir unterstützen." Weitere Bewerber sind Robert Reisinger und Günter Kirchmeier. Zwei - namentlich nicht bekannte - Vorgeschlagene wollten indes nicht kandidieren.

Wie stehen die Gruppierungen zum Thema Satzungsänderung? Seit Frühjahr 2006 beschäftigte sich eine Satzungskommission mit Vertretern der Gremien des e.V. und der KGaA sowie der Arge und Pro1860 mit der Ausarbeitung einer neuen Satzung. Bisher läuft Gewaltenteilung laut der "Wildmoser-Satzung" so: Der Vereinsrat, der aus Präsidium und Abteilungsleitern besteht, wählt den Wahlausschuss, dieser sucht die Aufsichtsräte aus, der Aufsichtsrat kontrolliert das Präsidium. Im Januar 2009 fand die von Pro1860 befürwortete Entmachtung des Wahlausschusses und des Vereinsrats keine Mehrheit. "Eine neue Satzung, die Entscheidungskompetenzen zu Mitgliedern oder Delegierten verlagern würde, sollte verhindert werden", klagt Roman Beer, der für Pro1860 in der Kommission saß. Das bestreitet Kern nicht: "Wir fänden es grundfalsch, wenn noch mehr Macht an die Delegierten ginge."

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(SZ vom 28.03.2009)