Von Markus Schäflein

Spannung vor der Delegiertenwahl: Pro1860 will weiterhin die Vereinspolitik gestalten, die Arge will diesen Einfluss verringern.

Am Sonntag wählen die Mitglieder der Fußballabteilung des TSV 1860 ab 13 Uhr im Ballhaus-Forum Unterschleißheim - unter anderem - ihre 174 Delegierten. Diese haben in der Delegiertenversammlung des Vereins Einfluss auf die Klubpolitik: Sie müssen das vom Aufsichtsrat vorgeschlagene Präsidium bestätigen und den Aufsichtsrat auf Vorschlag des Wahlausschusses wählen. Wenngleich die Streitigkeiten zuletzt nachgelassen haben, stehen sich doch zwei gegensätzliche Fangruppen gegenüber, die um die Mehrheit antreten: die kleine, vereinspolitisch ehrgeizige Gruppe Pro1860, die bei der vergangenen Wahl überraschend gewonnen hat, und die weitaus größere, weitgehend unpolitische Arge. Die SZ beantwortet wichtige Fragen vor der Mitgliederversammlung.

Bild vergrößern

Auch Präsident Rainer Beeck (links) und Geschäftsführer Manfred Stoffers sind auf die Wahl der Delegierten gespannt. (© Foto: dpa)

Anzeige

Wer gewinnt die Delegiertenwahl? Die Kräfteverhältnisse zwischen den beiden Fanorganisationen scheinen auf den ersten Blick eindeutig zu sein. Rund 500 Fanclubs mit 40.000 Mitgliedern hat die Arge, von denen rund 7000 Vereinsmitglieder und damit stimmberechtigt sind. Pro1860 besitzt hingegen nur ein paar hundert Mitglieder und einige hundert Sympathisanten. Bei der vergangenen Wahl siegte Pro1860 trotzdem, weil viele Mitglieder der Arge nicht erschienen waren. Haben die Arge-Mitglieder daraus gelernt? "Was diesmal passiert, steht in den Sternen", sagt Andreas Kern, der zweite Vorsitzende der Arge, "ich bin kein Prophet. Klar haben wir an unsere Mitglieder appelliert hinzugehen, aber das sagt noch lange nichts darüber aus, ob wir die Mehrheit haben. Pro1860 hat weniger Leute, aber lauter aktive." Auch Pro1860-Vorsitzender Andreas Petri meint: "Wie es genau ausgeht, weiß keiner. Wir sind alle sehr gespannt." Er ist aber zuversichtlich: "Viele unserer Mitglieder wohnen in München und Region, und die Aktivierung und vereinspolitische Motivation ist bei uns viel höher."

Wie stehen die Fanorganisationen zur Stadionfrage? Die Meinung von Pro1860 ist klar: "Wir wünschen uns den Auszug aus der Arena. Wenn es sich finanziell und juristisch machen lässt, ist unser dominanter Wunsch das Grünwalder Stadion", sagt Petri. Die Arge ist selbst für ihren zweiten Vorsitzenden Kern ein großes Rätsel, weil sie aus so vielen Mitgliedern aus ganz unterschiedlichen Regionen und Milieus besteht. So liegt beim Thema Stadion die Vermutung nahe, dass die nördlich von München beheimatete Landbevölkerung lieber in die Arena fährt, als sich durch den Stadtverkehr an die Grünwalder Straße zu pressen; Kern mag das so nicht bestätigen. "Klar gibt es auch welche, die sagen: Reißt die alte Ruine weg", sagt er. "Aber in diesem Punkt eine generelle Meinung in der Arge rauszukriegen, ist unmöglich." Kern verweist auf die Meinung der Arge-Führung, die in einem Thesenpapier festgehalten ist. Demnach muss 1860 "in einem Stadion spielen, in dem man wirtschaftlich überleben kann". Unter den derzeitigen Bedingungen sei das in der Arena undenkbar, so Kern, die Verträge mit Vermieter FCBayern nennt er "sittenwidrig".

Wie finden die Gruppierungen die neue Geschäftsführung? Mit Manfred Stoffers und Sportdirektor Miroslav Stevic ist Pro1860 hochzufrieden. "Was mir gefallen hat, war die deutliche Positionierung von Stoffers gegen Uli Hoeneß, das war höchst erfreulich", sagt Petri. Bemerkenswert: Populäre Parolen von Stoffers und Stevic ("Kämpfen wie die Löwen") finden sich fast wörtlich im Programm von Pro1860. Kern sagt, es sei zu früh, die Geschäftsführung zu beurteilen: "Das kann man vielleicht in einem halben Jahr tun."

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Die Rolle der Basis
  2. Wie geht es weiter mit der Nachwuchsarbeit?
Leser empfehlen