Augsburg kämpft, die Löwen kämpfen ein wenig mehr: Ein abgefälschter Schuss von Alexander Ludwig entscheidet das Derby zwischen 1860 München und dem FC Augsburg.
Die Sticheleien vor dem Derby hatte Augsburgs Manager Andreas Rettig eigentlich gar nicht nötig - er stichelte trotzdem. Der TSV 1860 München sei sicher neidisch auf das seriöse Wirtschaften der Augsburger, sagte Rettig, mit einem gewissen Hintersinn: Denn die Sechziger jubelten in dieser Woche vor allem über den Einstieg des polnischen IT-Unternehmens Comarch, dessen Gründer Janusz Filipiak in der Rückrunde einen mittleren sechsstelligen Geldbetrag überweisen will. Und dessen Seriosität, so konnte man Rettig verstehen, sei für ihn nicht ganz geklärt. 1860-Geschäftsführer Manfred Stoffers hingegen muss über das frische Geld dermaßen froh gewesen sein, dass er Filipiak bereits zum letzten Hinrundenheimspiel üppige Bandenwerbeplätze in der Arena überließ.
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Jubel in München: Zum ersten Mal seit dem Augsburger Wiederaufstieg kann der TSV 1860 zu Hause den Nachbarn besiegen. (© Foto: imago)
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Das Spiel der Löwen, für das Finanzentscheidungen ja bekanntlich keinerlei Bedeutung haben sollte, hätte kaum besser beginnen können. Der gerade erst genesene Alexander Ludwig (Zitate 1860-Trainer Lienen: "Wenn er auf die Schulter fällt, hat er ein Problem") hielt nach fünf Minuten aus 20 Metern einfach mal drauf; sein Schuss wurde abgefälscht, knallte unhaltbar für den früheren Löwen-Torwart Simon Jentzsch zum 1:0 unter die Latte. Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnte: Es sollte vor 35.789 Zuschauer der Schuss des Tages bleiben.
Das mögliche 2:0 (Lauth überlupfte nicht nur Jentzsch, sondern auch das Tor) hätte sicherlich etwas Druck und Schärfe aus diesem Derby genommen. Doch so kam auch der Tabellenfünfte aus Augsburg zu ersten Chancen. Gabor Kiraly hatte Glück, als Stephan Hain im Strafraum ein Zuspiel seines Sturmkollegen Michael Thurk verpasste. Die Löwen kämpften, holten sich eine Serie gelber Karten ab, gerieten aber nicht, wie sonst nach Toren manchmal üblich, gehörig ins Schwimmen. Ihr Trainer Ewald Lienen, der trotz eisiger Kälte nur in Hemd und Jacket an der Line stand, sah seine Mannschaft so bereits Mitte der ersten Halbzeit in Konterlaune. Die beste Chance machte Charilaos Pappas mit einem verunglückten Pass auf Ludwig zunichte.
In den Sekunden vor der Pause trat dann 1860-Sportdirektor Miroslav Stevic auf den Plan. Er hatte vor dem Spiel Zeitungsartikel der letzten Derbypleiten gegen Augsburg in die Kabine hängen lassen - ein Psychotrick mit positiver Wirkung. Was Stevic dem vierten Offiziellen in der 45. Spielminute entgegen raunte, ist nicht bekannt. Trotzdem musste er auf die Tribüne, wurde dafür von den Augsburger Fans mit gefährlichen Gegenständen wie Zipfelmützen beworfen. Die gereizte Stimmung erreichte hier ihren Höhepunkt. Dann war Halbzeit.
Eine gelassene zweite Hälfte sahen die 37.000 in der Arena keinesfalls. Gabor Kiraly rettete einige Male in der Not, am eindrucksvollsten aus sehr kurzer Distanz gegen Thurk (55.). Der gab sich später selbstkritisch, lobte zwar die Tat des Torwarts, gab aber an, dass Augsburg das Spiel sicher noch gewonnen hätte, wäre er in dieser Situation abgeklärter gewesen. Doch Ludwigs Führungstreffer hielt, auch als Jose Holebas eine Viertelstunde vor Schluss mit Gelb-Rot vom Platz musste.
Augsburg drängte noch einmal, doch Kiraly stand. Sie schien seltsam versiegt, die Angriffswucht der vergangenen Spiele. "Der Ausgleich wäre abolut verdient gewesen", sagte FCA-Trainer Luhukay. "Für uns ist das enttäuschend und frustrierend." Löwen-Coach Ewald Lienen resümierte hingegen: "Natürlich können wir zufrieden sein. Wie Kiraly den Schuss von Michael Thurk herausgeholt hat - das war weltklasse." Er werde nun beantragen, dass die anstehende Winterpause verkürzt wird. Ein Scherz, natürlich, doch kein Wunder bei diesem Lauf: Zehn Punkte aus vier Spielen konnte 1860 München schließlich lange nicht mehr verbuchen.
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(sueddeutsche.de/hum)
Reiseknigge: Türkei
Jetzt muss man schauen, wie es bei Gegnern, die auf dem Papier schlechter dastehen, ausschaut. Erst dann glaube ich daran, dass der TSV auf dem Weg nach oben ist, wenn dieser Einsatz regelmäßig abgerufen wird.
Momentan darf man wieder einmal stolz sein auf die bissigen Löwen.